Privilegien im Parkraum Herisau

Eine Sonderregelung fürs Parkieren auf dem Obstmarkt oder im Dorfzentrum gibt es in Herisau nur für Kantonsräte. Angestellte der kantonalen Verwaltung nutzen einen der vier kantonalen Parkplätze.

Michael Genova
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Während des Tages ist der Parkplatz vor dem Zeughaus in Herisau Kantonsangestellten vorbehalten – abends ab 18 Uhr und am Wochenende ist er ohne Einschränkung zugänglich. (Bild: mge)

Während des Tages ist der Parkplatz vor dem Zeughaus in Herisau Kantonsangestellten vorbehalten – abends ab 18 Uhr und am Wochenende ist er ohne Einschränkung zugänglich. (Bild: mge)

HERISAU. An einer Podiumsdiskussion im Casino Herisau erhielt ein Bürger kürzlich Szenenapplaus, als er sich darüber beklagte, dass viele Parkplätze im Dorfzentrum von Kantonsangestellten belegten würden. Wie beurteilen die verantwortlichen Stellen bei Kanton und Gemeinde die Situation?

Vier Parkplätze des Kantons

Für Kantonsangestellte gibt es zurzeit an vier Orten reservierte Parkplätze: in der Tiefgarage Gutenberg, in der Rosenau, auf dem Ebnet vor dem Zeughaus sowie hinter dem Annexbau, in dem sich das Staatsarchiv befindet. Mit der offiziellen Parkkarte dürfen Verwaltungsangestellte ausschliesslich einen dieser vier Parkplätze benutzen. Dies bestätigt Thomas Reich, Leiter der kantonalen Liegenschaftenverwaltung, auf Anfrage. Im restlichen Dorfzentrum seien Parkkarten des Kantons nicht gültig. Thomas Reich betont, dass viele Mitarbeiter des Kantons das persönliche Auto für ihre private Arbeit benötigten. Analysen hätten gezeigt, dass der Unterhalt einer Flotte von Dienstfahrzeugen für den Kanton teurer wäre als die Bereitstellung von Parkplätzen.

Regelung für Kantonsräte

Die Gemeinde Herisau stellt Parkkarten für einen beschränkten Personenkreis der Gemeindeverwaltung aus. «Die Karten berechtigen zur Nutzung einiger als privat markierter Parkplätze hinter dem Gemeindehaus», sagt Benno Keel, Abteilungsleiter Volkswirtschaft bei der Gemeinde Herisau. Für Kantonsräte besteht gemäss Keel seit 1994 eine spezielle Regelung zwischen dem Kanton und der Gemeinde Herisau. Während Parlamentssitzungen können Kantonsräte für fünf Franken über die Kantonskanzlei eine Tagesbewilligung beziehen. Diese Parkkarte berechtigt zur Benutzung aller Aussenparkplätze in Herisau – viele Parlamentarier werden allerdings vor allem auf dem Obstmarkt parkieren. Genaue Zahlen zur Vergabe der Parkkarten gebe es nicht, sagt Andi Disch vom Kommunikationsdienst des Kantons. Pro Sitzung werden etwa 30 Karten verkauft, die jedoch nicht sofort eingelöst werden. Die 60 Mitglieder des Kantonsrats tagen siebenmal pro Jahr.

«Parkleitsystem light»

Jürg Mohler vom Gewerbeverein Herisau ist aufgefallen, dass der Parkplatz vor der Chälblihalle stark von Mitarbeitern von Unternehmen benutzt wird. «Diese zentrumsnahen Parkplätze müsste man für Kunden freihalten.» Weitere Parkplätze für Angestellte solle die Gemeinde etwas ausserhalb schaffen. Mohler empfiehlt, die Kurzzeitparkplätze im Zentrum zu erhalten und die Parkdauer auf eine halbe Stunde zu reduzieren. «Besucher, die länger bleiben, sollen in der Tiefgarage parkieren.»

Gemeindevizepräsidentin Regula Ammann-Höhener will Parkplätze im Zentrum nur bei «dringendem Bedarf» aufheben. Sie hat am Mittwoch im Einwohnerrat angekündigt, nach den Sommerferien einen Kreditantrag für ein Parkierungskonzept einzureichen. Regula Ammann-Höhener schlägt unter anderem ein «Parkleitsystem light» vor, mit dem sie öffentliche und halböffentliche Parkplätze besser beschildern will.