Privateröffentlicher Raum

SPEERSPITZ Diese Beziehung ist wohl nicht mehr zu retten. Der Ex der werdenden Mutter dringt ins Haus ein, in dem die junge Frau lebt, um sie zu verprügeln.

Martin Knoepfel
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St. Gallen - Martin Knoepfel Redaktion Toggenburg (Bild: Martin Knoepfel)

St. Gallen - Martin Knoepfel Redaktion Toggenburg (Bild: Martin Knoepfel)

SPEERSPITZ

Diese Beziehung ist wohl nicht mehr zu retten. Der Ex der werdenden Mutter dringt ins Haus ein, in dem die junge Frau lebt, um sie zu verprügeln. Sie hat jedoch keine Lust, in diesem Theater den ihr zugeteilten Part zu spielen, schliesst sich ein und ruft, Smartphone sei Dank, die Polizei. Diese tritt flugs auf und findet den Ex, der sich auf dem Hausdach versteckt hat, Spürhund sei Dank.

Wollen Sie nun wissen, woher ich das alles weiss? Die Information stammt nicht aus den Polizeimeldungen, die regelmässig in der Redaktion eintreffen, Medienstelle sei Dank. Ich war auch nicht Regisseur oder Akteur in diesem Stück. Ich habe mir eigenmächtig die Rolle des Zuhörers gesichert und die Ohren gespitzt. Das war nicht mal anstrengend, denn die werdende Mutter hat den ganzen Text brühwarm und lautstark ihrem Begleiter und den wenigen Mitreisenden im Eisenbahnwagen erzählt.

In Erinnerung bleibt auch eine andere junge Frau, der die Eifersucht ihres Geliebten so unheimliche Freude bereitet. Sie darf nicht mal rückenfreie Kleider tragen, wie sie am Handy ganz entzückt einer Freundin und den Mitreisenden im Eisenbahnwagen mitteilt. Nun ist Eifersucht ja irgendwie schon schmeichelhaft. Ohne Wertschätzung gibt es keine Eifersucht, doch gibt es vielleicht doch noch eine für beide Seiten weniger lästige Methode, wenn man/frau seine/ihre Wertschätzung ausdrücken will.

Offenbar gilt der öffentliche Verkehr als privater Raum. Wahrscheinlich glauben alle Passagiere, dass alle anderen Mitreisenden Stöpsel im Ohr tragen und Musik ab dem Smartphone und sonst nichts hören. Da gibt es eine einfache Lösung des Problems. Neben der Billett- muss man auch eine Stöpselpflicht schaffen. Die kann man zudem viel einfacher kontrollieren als die Fahrkarten.

@toggenburgmedien.ch