Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

PRINZ GETÖTET?: Prinzenfamilie klagt gegen Klinik

NIEDERTEUFEN. Die Erben des 2003 in Boston verstorbenen Prinzen Sadruddin Aga Khan machen die Paracelsus Klinik für dessen Tod verantwortlich. Todesursache sei eine in Teufen erlittene Infektion gewesen. Die Klinikleitung bestreitet das.
Philippe Reichen
Am 20. Oktober findet in Heiden die Gerichtsverhandlung zwischen der Erbengemeinschaft und der Paracelsus Klinik statt. (Bild: Urs Jaudas)

Am 20. Oktober findet in Heiden die Gerichtsverhandlung zwischen der Erbengemeinschaft und der Paracelsus Klinik statt. (Bild: Urs Jaudas)

Die Paracelsus Klinik in Niederteufen empfängt regelmässig einflussreiche Persönlichkeiten aus aller Welt. Offiziell gibt die Klinikleitung keine Namen bekannt – aus Diskretionsgründen und weil die Ärzte an das Arztgeheimnis gebunden sind. Wegen eines Gerichtsfalls ist nun aber der Name eines berühmten Patienten an die Öffentlichkeit gelangt: Prinz Sadruddin Aga Khan, Sohn des 1957 verstorbenen Fürsten Aga Khan III., Oberhaupt der Ismailiten.

Der Harvard-Abgänger Aga Khan hatte einen iranischen, französischen und Schweizer Pass, lebte in einem Schloss im Genfer Vorort Bellerive und war von 1965 bis 1977 Flüchtlingshochkommissar der UNO und zweimaliger Kandidat für das Amt des UNO-Generalsekretärs.

Diagnose: Bakterielle Infektion

Prinz Aga Khan hielt sich vom 12. bis 16. August 2002 in der Paracelsus Klinik in Niederteufen auf, wie Hanspeter Geiser, der St. Galler Anwalt der Erbengemeinschaft des Prinzen, auf Anfrage bestätigt.

Während der Behandlung wurden Aga Khan mehrere Injektionen im Bereich des Brustbeins verabreicht. Nach seinem Austritt aus der Klinik litt er bei der Injektionsstelle unter starken Schmerzen und hatte Fieber. Der Prinz kehrte nach Genf zurück und begab sich wiederum in ärztliche Behandlung. Die Ärzte diagnostizierten eine bakterielle Infektion.

Prinz Sadruddin Aga Khan verstarb am 12. Mai 2003 70jährig an den Folgen einer Infektion mit Staphylococcus lugdunensis in einer Klinik in Boston. Er wurde wenige Tage später in seiner Wahlheimat Genf auf dem Friedhof Collonge-Bellerive im engsten Familienkreis beigesetzt. Die Familie des Prinzen geht davon aus, dass sich der Verstorbene in der Paracelsus Klinik mit dem todbringenden Erreger infiziert hatte.

Das geht aus einer schriftlichen Antwort hervor, die der Anwalt der klagenden Erbengemeinschaft auf Anfrage zur Verfügung stellte. Prinz Sadruddin Aga Khan selbst hatte kurz vor seinem Tod gefordert, rechtliche Schritte gegen die Paracelsus Klinik und deren ärztlichen Leiter Thomas Rau einzuleiten, wie Hanspeter Geiser sagt.

Anzeige gegen Klinik und Arzt

Dieser Forderung kamen die Hinterbliebenen rasch nach und reichten am 2. Juli 2003 bei der Ausserrhoder Gesundheitsdirektion eine Anzeige ein. Darin ersuchten sie, gegen die Paracelsus Klinik und Thomas Rau eine Untersuchung wegen Verletzung der ärztlichen Aufklärungs- und Sorgfaltspflicht einzuleiten. Prinz Aga Khan sei mit nicht zugelassenen Arzneimitteln behandelt und mit dem Erreger Staphylococcus lugdunensis infiziert worden, was schliesslich zu dessen Tod führte, heisst es in der Begründung.

Regierung weist Beschwerde ab

Dieses bei den Ausserrhoder Gesundheitsbehörden eingeleitete Verwaltungsverfahren ist nach wie vor hängig und wurde mittlerweile sistiert. Gegen die am 16. April 2008 von der Gesundheitsdirektion beschlossene Sistierung reichte der Anwalt der Prinzenfamilie beim Ausserrhoder Regierungsrat eine Rechtsverweigerungsbeschwerde ein, welche die Regierung am 18. November 2008 abgelehnt hat.

Der Anwalt wurde wegen Verfahrensverzögerung durch die Ausserrhoder Regierung auch beim Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic vorstellig. Auch diese Intervention blieb ohne Wirkung.

Klinik äussert sich nicht

Mit einem gegen sie gerichteten Verwaltungsverfahren konfrontiert, beschlossen die Paracelsus Klinik und Thomas Rau am 9. Februar 2004, ein zivilrechtliches Verfahren in Gang zu bringen.

Die von Rau und der Klinik gegen Khans Erbengemeinschaft eingereichte Zivilklage zielte darauf ab, von einem Gericht feststellen zu lassen, dass keine Sorgfaltspflichten verletzt wurden und dass zwischen der Behandlung des Prinzen durch Thomas Rau und Aga Khans Tod kein Kausalzusammenhang bestehe. Die Erbengemeinschaft reagierte auf die Zivilklage ihrerseits mit einer Forderung nach Schadenersatz und Genugtuung.

Das Ausserrhoder Kantonsgericht beschloss daraufhin, den Zivilprozess so lange zu sistieren, bis das Verwaltungsverfahren bei der Gesundheitsdirektion abgeschlossen sei. Diese Woche gab das Gericht nun öffentlich bekannt, die Verhandlung finde am 20. Oktober statt.

Weder der Anwalt der Klinik noch die Klinikleitung wollten zum Fall Stellung nehmen. Thomas Rau war wegen Ferienabwesenheit nicht erreichbar.

Prinz Sadruddin Aga Khan, 1933 bis 2003. (Bild: ky)

Prinz Sadruddin Aga Khan, 1933 bis 2003. (Bild: ky)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.