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PREISVERLEIHUNG: Zwei Minuten in fremde Welten eintauchen

Die Innerrhoder Kunststiftung hat seit zehn Jahren erstmals wieder einen Werkbeitrag verliehen. Zugesprochen bekam ihn die Appenzeller Künstlerin Roswitha Gobbo. Ihr Projekt «Klanglandschaften» zeichnet Geräusche aus Südamerika auf.
Astrid Zysset
Der Werkbeitrag wurde stellvertretend an Roswitha Gobbos Eltern, Hanspeter und Heidi, übergeben. (Bild: Astrid Zysset)

Der Werkbeitrag wurde stellvertretend an Roswitha Gobbos Eltern, Hanspeter und Heidi, übergeben. (Bild: Astrid Zysset)

Astrid Zysset

astrid.zysset@appenzellerzeitung.ch

Es sei eine «besondere Preisverleihung», so Eduard Hartmann, Präsident der Innerrhoder Kunststiftung. Besonders insofern, dass die Kulturstiftung seit zehn Jahren am Samstag erstmals wieder einen Werkbeitrag verlieh. Und besonders, da die Künstlerin überhaupt nicht anwesend war. Roswitha Gobbo weilt auf einer Reise durch Südamerika. Per Skype wurde sie an die Verleihung im kleinen Ratssaal in Appenzell zugeschaltet.

Bilder, die im Kopf entstehen

Gobbo wurde für ihr Projekt «Klanglandschaften» ausgezeichnet. Für jenes ist sie derzeit auf Reisen. Die Idee: Jeden Tag zeichnet sie während der Dauer von zwei Minuten eine Geräuschkulisse auf und stellt diese ins Internet. Auf einem Blog können Interessierte so in eine «andere Welt eintauchen», wie sich die Künstlerin selbst ausdrückt. Es sei eine «stille Arbeit, die sich erst entfaltet, wenn man sich darauf einlässt», so Hartmann. Es sei spannend, die verschiedenen Landschaften zu hören. Zu sehen sind jene nämlich nicht. Gobbo versieht die Orte mit keiner visuellen Unterstützung. Lediglich die Koordinaten schreibt sie dazu. So habe auch jeder ein anderes Bild von der Umgebung im Kopf, so der Präsident der Innerrhoder Kunststiftung weiter. Die erste Aufnahme stellte Gobbo am 18. September online. Damals war sie in Buenos Aires. Wohin die Reise in den nächsten Wochen genau noch geht, überlasse Gobbo dem Zufall. Vordefiniert sei nichts. Sie lasse sich von den Gegebenheiten inspirieren.

Es sei ein spannendes Projekt. «Die Künstlerin hat ein besonderes Gespür für Klang», hielt Hartmann in seiner Laudatio fest. Die Stiftung sei denn auch von der Vielschichtigkeit von «Klanglandschaften» beeindruckt gewesen. Das Projekt gleiche einem Denkexperiment, das nur im Kopf des Betrachters stattfindet. Räume werden durch Geräusche miteinander verbunden, und diese schliesslich in den virtuellen Raum hinausgetragen.

Doch warum sind es genau zwei Minuten? Diese Frage wurde ihr per Skype gestellt. Die Künstlerin lächelte und erklärte, dass zwei Minuten eine ideale Datenmenge sei, zum Hochladen. Die Internetverbindung auf ihrer Reise sei nicht immer zufriedenstellend. Nach einer kurzen Pause fügte Gobbo hinzu: «Zwei Minuten sind auch ideal, um abzutauchen, sich an einen anderen Ort entführen zu lassen.» So viel Zeit könne auch in hektischen Phasen aufgebracht werden. Und so viel Zeit reiche aus, um sich visuell entführen zu lassen. Die Künstlerin hatte sich zuvor einen Namen mit Videoinstallationen und Performances gemacht. Für sie war der Schritt zum Klang naheliegend. Die Bilder entstünden immer noch. Nun aber einfach in der Phantasie.

Die Innerrhoder Kunststiftung hat nach jahrelanger Pause erstmals wieder einen Werkbeitrag vergeben. «Wir wollten das schon länger wieder anbieten», so Daniela Mittelholzer, Mitglied der Kunststiftung. Doch andere Projekte wie «à discretion» im letzten Jahr, als Kunst in Gaststätten gezeigt wurde, kamen dazwischen. Heuer sollte es aber soweit sein. Im vergangenen Frühjahr wurde der Werkbeitrag ausgeschrieben. Acht Bewerbungen gingen ein. «Auf den ersten Blick scheint das nicht viel», so Hartmann. Doch im Vergleich zu den Nachbarkantonen sei man zufrieden. Der «Kreativitätsindex» belege, dass in Innerrhoden eine Bewerbung auf 2000 Einwohnerinnen und Einwohner komme. In Ausserrhoden wären es eine auf 4000 und in St. Gallen gar eine auf 7000. «Wir sind also recht kreativ in Innerrhoden», sagte Hartmann lächelnd. Auszuschliessen sei auch nicht, dass der mit 10 000 Franken dotierte Werkbeitrag künftig wieder regelmässig verliehen wird.

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