Preisübergabe
Anerkennung für Bauen in einheimischem Stil: Holzhäuser in Heiden und Stein werden ausgezeichnet

Der Verein «Appenzellerhaus heute» im Vorderland und im Hinterland je ein Haus prämiert. Damit sollen Bauten gefördert werden, welche die appenzellische Eigenart verkörpern.

Martin Hüsler
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Das Haus in der Schwendi bei Heiden wurde wegen seiner Hanglage mit einer Drohne aufgenommen.

Das Haus in der Schwendi bei Heiden wurde wegen seiner Hanglage mit einer Drohne aufgenommen.

Bild: Christian Frehner

Zehn Häuser prämierte der seit 2013 bestehende Verein «Appenzellerhaus heute» bis anhin. Nun ist im Rahmen der wegen Corona verzögerten Prämierung 2020 mit dem Haus der Familie Sandra und Willi Forrer in der Schwendi bei Heiden und jenem der Familie Stefani und Thomas Koller in der Au in Stein das Dutzend voll geworden. Bei beiden Bauten kam Holz aus hiesigen Wäldern zum Einsatz, und hier wie dort war die Erstellung verbunden mit einem beachtlichen Anteil an Eigenarbeit.

Regie führten zwei Gaiser Firmen. In Heiden war es die Nägeli Holzbau AG, in Stein die Frehner Holzbau AG. Hans Sprecher, Vorstandsmitglied des Vereins «Appenzellerhaus heute», hob anlässlich der Preisübergabe die der Vereinsidee Rechnung tragende Ausführung der Gebäude hervor. Die Fassadenverkleidung mit gestemmtem Täfer, das Vordach, der Vorschild und der Leistenschirm entsprechen dem, was «Appenzellerhaus heute»
als prämierungswürdig betrachtet.

Auch das Haus in der Steiner Au hat der Verein als prämierungswürdig erachtet.

Auch das Haus in der Steiner Au hat der Verein als prämierungswürdig erachtet.

Bild: hü

Appenzellische Eigenart

Eine namhafte Schenkung ermöglicht es dem Verein mit Sitz in Wald, Preisgelder nach einem festgelegten Zweck auszuschütten. Die Intention dahinter: Neue oder renovierte Bauten in Ausserrhoden zu fördern, die im Sinne des Vereinsgedankens «die appenzellische Eigenart in Stil, Form und Gestaltung darstellen». Gemäss diesen Vorgaben ist einem weiteren Gebäude in Stein ein Anerkennungspreis verliehen worden.

«Appenzellerhaus heute» wendet sich weder gegen moderne Architektur noch stellt der Verein dort, wo sie ihre Berechtigung haben, denkmalschützerische Aspekte irgendwie in Frage. Ihm ist es vielmehr darum zu tun, der architektonischen Beliebigkeit, wie sie sich in manchen Dorfbildern offenbart, gewissermassen einen Spiegel vorzuhalten. Vereinspräsident Marc Rittmeyer räumt ein:

«Bei der Beurteilung der Bauten nach unseren Kriterien sind wir uns der damit verbundenen Subjektivität bewusst.»

Neue Bedürfnisse einbeziehen

Der Zusatz «Heute» im Vereinsnamen deutet auf die Sichtweise hin, wonach gewandelte Wohngepflogenheiten und Qualitätsansprüche bei Planung und Bau eines Hauses durchaus einfliessen dürfen. Marc Rittmeyer erklärt es so: «Wir sind diesbezüglich offen und können es nachvollziehen, wenn bei der Planung neue Wohnbedürfnisse berücksichtigt werden. Ein dogmatisches Festhalten an stilistischen Prinzipien wäre nicht in unserem Sinn. Aber letztlich muss sich eine Baute in ihrer Erscheinung doch an Appenzellerhäusern orientieren, wenn sie prämiert werden will.»

Für die Prämierung 2020 gingen beim Verein insgesamt neun Anmeldungen ein. Jetzt bietet sich Gelegenheit, Vorschläge für die Prämierung 2021 einzureichen. Wer die Voraussetzungen als erfüllt betrachtet, dass der Verein eine Prämierung in Erwägung ziehen könnte, findet auf der Website www.appenzellerhaus-heute.ch die Angaben für eine Anmeldung.

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