Prävention fängt früh an

Die achte Plattform des Ausserrhoder Amts für Gesellschaft widmet sich der frühkindlichen Förderung. Dank ihr könne Suchterkrankungen vorgebeugt und Arbeitslosigkeit bekämpft werden, sagt ein Experte.

Marcel Jud
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Präventionsforscher Martin Hafen von der Hochschule Luzern im Gespräch mit Teilnehmenden der «Plattform08: Frühe Förderung». (Bilder: maj)

Präventionsforscher Martin Hafen von der Hochschule Luzern im Gespräch mit Teilnehmenden der «Plattform08: Frühe Förderung». (Bilder: maj)

TEUFEN. Gleich zu Beginn seines Referats betonte der Soziologe Martin Hafen, dass frühkindliche Förderung nichts mit einer Verschulung der frühen Kindheit zu tun habe: «Es geht dabei nicht um Frühchinesisch oder ähnliches», sagte der Präventionsforscher und Hochschuldozent. Die gezielte Förderung von Kindern im Alter zwischen null und fünf Jahren sei vielmehr ein wichtiges Handlungsfeld der Prävention und Gesundheitsförderung und deshalb von gesamtgesellschaftlichem Interesse.

Soziale Verantwortung üben

Martin Hafens Vortrag über «Frühe Förderung als Investition» stand am Anfang der Plattform08 des Ausserrhoder Amts für Gesellschaft. Ziel des Anlasses im Teufner Zeughaus war «das Skizzieren und Diskutieren von aktuellen Fragen, Problemstellungen und Trends zum Thema frühe Förderung», wie Carina Zehnder erklärte, die innerhalb des Amts für Gesellschaft den Fachbereich Familien, Kind, Jugend verantwortet.

Eine Skizze des Themenfelds lieferte Martin Hafen. Er plädierte dafür, die Förderung von Kleinkindern nicht nur als Privatangelegenheit anzusehen: «Die individuelle Verantwortung der Erziehungsberechtigten sollte durch die soziale Verantwortung des Staates und der Gesellschaft ergänzt werden.» Die ersten Lebensjahre eines Kindes seien nämlich fundamental für dessen spätere Entwicklung. Deshalb sei es umso wichtiger, Kindern ein Umfeld zu bieten, das sie vor negativen Faktoren wie Stress schütze und ihnen gleichzeitig helfe, Fähigkeiten aufzubauen, die ihnen den weiteren Lebensweg erleichtern. «Jedes Kind wird zumindest mit einer gewissen Neugier geboren. Dieser muss aber auch der Raum und die Zuwendung geschenkt werden, damit sie sich entfalten kann», sagte Hafen.

Kosten einsparen

Sozial benachteiligte Familien falle es oft schwer, Kindern ein solches Umfeld zu bieten. Ergänzende Betreuungs- und Förderangebote für Kleinkinder würden aber auch bessergestellten Familien zugutekommen, betonte Hafner: «Verschiedene Studien zeigen, dass die frühkindliche Förderung ein wirksames Mittel der Prävention ist.» Dabei könne nicht nur die Anfälligkeit für Suchterkrankungen und psychische Langzeitfolgen gemindert werden. Auch die schulischen und später beruflichen Chancen würden sich verbessern. Ökonomisch angelegte Studien hätten zudem gezeigt, dass sich frühkindliche Förderangebote wirtschaftlich lohnen. Dank ihrer präventiven Wirkung spare eine Gesellschaft soziale Folgekosten. Ihm sei es unverständlich, dass in der Schweiz nicht mehr in die frühkindliche Förderung investiert werde, schloss Martin Hafner seinen Vortrag. In den anschliessenden Gruppendiskussionen überwog die Forderung nach mehr Förderung.

Ideen politisch einbringen

Dabei tauschten sich Fachleute aus dem Bildungs- und Sozialbereich mit Gemeinde- und Kantonspolitikern aus. Sie diskutierten verschiedene Aspekte der Frühförderung und sammelten Ideen zu deren Verbesserung. Landammann Matthias Weishaupt ging in seinem Schlusswort auf die Inputs aus den Diskussionen ein und rief die Teilnehmenden dazu auf, die eigenen Ideen und Forderungen nicht nur zu formulieren, sondern sie auf lokaler und kantonaler Ebene in die «knallharte Politik» einzubringen und sich für sie zu engagieren.

Bildungsdirektor Alfred Stricker beteiligt sich an den Diskussionen.

Bildungsdirektor Alfred Stricker beteiligt sich an den Diskussionen.