Präsidium erstmals in CVP-Hand

Ursula Rütsche-Fässler aus Herisau ist seit gestern neue Ausserrhoder Kantonsratspräsidentin. Sie ist das erste CVP-Mitglied an der Spitze des Kantonsparlaments. Nur ungern schweigt sie bei politischen Debatten.

Roger Fuchs
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Ursula Rütsche-Fässler aus Herisau schätzt die Natur und Ruhe vor der Haustüre. Ein Jahr lang ist sie nun höchste Ausserrhoderin. (Bild: rf)

Ursula Rütsche-Fässler aus Herisau schätzt die Natur und Ruhe vor der Haustüre. Ein Jahr lang ist sie nun höchste Ausserrhoderin. (Bild: rf)

HERISAU. Ursprünglich stammt sie aus der Stadt St. Gallen, doch seit 35 Jahren lebt die gestern zur Kantonsratspräsidentin gewählte Ursula Rütsche-Fässler nun in Herisau. «Ich liebe die Ruhe und Natur vor der Tür», so die Politikerin, die zusammen mit ihrem Mann den Gemeindegutsbetrieb Kreckelhof gepachtet hat. Auch die Tatsache, dass man sich hier noch grüsse und alles weniger anonym sei als in der Stadt, schätzt die dreifache Mutter. Eine Aussage, die zu ihr passt. Mit ihr kommt man schnell ins Gespräch. Die 62-Jährige weiss zu allem etwas zu sagen – manchmal so viel, dass sie handkehrum dem Journalisten wieder zu verstehen geben muss, das Gehörte dann doch nicht zu schreiben.

Ihre Mimik verrät viel

In ihrer Funktion als Kantonsratspräsidentin bei politischen Debatten zu schweigen und die Geschäfte nicht mehr zu werten, werde ihr sicher schwerfallen, sagt sie. Doch weil sie eine impulsive Person sei, sehe man ihrer Mimik oft die eigene Meinung an. Und sie erzählt, wie es sie auch als Herisauer Gemeinderätin im Einwohnerrat immer wieder juckt, bei Abstimmungen die Hand zu heben. Als Kantonsratspräsidentin will Ursula Rütsche möglichst nahtlos den Stil ihres Vorgängers René Rohner (FDP, Grub) übernehmen und die Rituale, wie beispielsweise die klare Zuteilung der Worte, weiterpflegen. Sie gibt sich überzeugt, dass solches zur Würde im Parlamentsbetrieb beiträgt.

Nervös wegen ihrer neuen Rolle im Parlament war Ursula Rütsche bis vor wenigen Tagen nicht. «Doch je mehr Leute mich darauf angesprochen haben, desto mehr wurde es mir bewusst.» Als Person, die gerne führe, freue sie sich auf das Amtsjahr. Gleichzeitig habe sie Respekt vor der Herausforderung. «Man muss den ganzen Tag konzentriert sein und den Kopf bei der Sache haben», sagt sie. Einfach mal den Saal zu verlassen, sei nicht möglich.

Eine politische Karriere geplant hat Ursula Rütsche nie. Bei ihrem Rücktritt nach zehn Jahren im Herisauer Einwohnerrat im Jahr 2003 habe sie gedacht, mit ihrem politischen Engagement sei es nun vorbei. Doch drei Jahre später folgte die Wahl in den Gemeinderat, im Jahr darauf jene in den Kantonsrat. Dass mit ihr nun erstmals ein CVP-Mitglied den Kantonsrat präsidiert, freue sie auch für die Partei, sagt Rütsche. In diesem Monat könne die Ausserrhoder CVP ihr vierzigjähriges Bestehen feiern. «Grundsätzlich betrachtet hat die CVP im reformierten Ausserrhoden aber einen schwierigen Stand.»

Offene Politzukunft

Ihre politische Zukunft lässt Ursula Rütsche offen. «Ich geniesse dieses Jahr und schaue dann weiter», sagt sie. Und womöglich erinnert sie sich als Kantonsratspräsidentin ab und zu an den Spruch, der sich während dieses Gesprächs auf dem Wohnzimmertisch fand: «Jeder sieht ein Stückchen Welt, gemeinsam sehen wir das Ganze.»