Präsenzunterricht untersagt: Im Appenzellerland gibt es Fernunterricht und Betreuungsangebote

Bis zum 17. April findet keine Schule vor Ort statt. Die Betreuungsmöglickeiten für Schulkinder erwerbstätiger Eltern in Ausserrhoden sind aber aufgegleist.

Alessia Pagani & Janine Bollhalder
Drucken
Teilen
Die Klassenzimmer bleiben bis auf Weiteres leer.

Die Klassenzimmer bleiben bis auf Weiteres leer.

Bild: Benjamin Manser

Seit Montag steht der Schulbetrieb in der Schweiz still. Vor allem berufstätige Eltern fragen sich: Wohin mit meinem Kind?

In Ausserrhoden sind die Gemeinden für die Betreuung der Primarschulkinder während der Unterrichtszeit verantwortlich. Herisaus Schulleiter Michael Häberli traf sich am Montag um 8 Uhr mit den Gemeindeverantwortlichen. Am frühen Morgen stand zudem eine Sitzung mit den Schulvorstehern an. «Wir mussten einiges aufgleisen und sind noch mit Hochdruck daran.»

Konkret geht es in Herisau um 22 Kinder, welche ein schulisches Betreuungsangebot benötigten. Häberli spricht von einer bewältigbaren Zahl.

Michael Häberli, Schulleiter in Herisau

Michael Häberli, Schulleiter in Herisau

Bild: PD
«Das Wichtigste ist, dass wir parat sind. Wir haben genügend Ressourcen. Vielleicht am Anfang zu viele, aber das ist mir lieber.»

Ab Dienstag wird in allen neun Schulhäusern je eine Lehrperson anwesend sein. Eine Zweite hat Pikettdienst. Von der Schulleitung ist vorgegeben, dass maximal zehn Kinder in einem Raum vereint sein sollen. «Noch sammeln und koordinieren wir die Anmeldungen.»

Eine Lehrperson für jedes Schulhaus

Wer sich heute noch für eine Betreuung in einer der Herisauer Schulen melden möchte, hat schlechte Karten, sagt Häberli. «Wir überprüfen die Situation aber laufend. Die Voraussetzung eines Notfalls muss immer gegeben sein.»

Das unter allen Umständen verhindert werden sollte, war, dass zu Beginn der Umstellung wegen Missverständnissen oder der Kurzfristigkeit der Massnahmen die Kinder keinen Ort wussten, wo sie hin können. Auch darum war es den Herisauer Schülern am Montag noch erlaubt, gemäss Stundenplan in die Schule zu gehen.

Die meisten Kinder beschränkten den Besuch im Schulhaus allerdings darauf, die bereitgestellten Aufträge zu fassen, und traten danach wieder den Heimweg an. Wie genau die Lerninhalte vermittelt werden, vermag Häberli noch nicht zu sagen. Die Lehrpersonen seien momentan intensiv daran, sich an die neue Situation anzupassen. Die Schulleitung hat Tipps und Leitlinien abgegeben.

Sicher ist, dass die Unterlagen vor allem in der Oberstufe teilweise online oder per E-Mail bereitgestellt werden. Zudem werden am Mittwoch die Herisauer Schüler nochmals zur Abholung von Aufträgen in die Schulhäuser aufgeboten – vielleicht nicht zum letzten Mal, wie Häberli antönt.

«Es ist ein laufender Prozess, dem wir uns immer wieder anpassen müssen.»

Betreuung anbieten, kein pädagogischer Auftrag

In Teufen erfolgt die Betreuung der Kinder in kleinen Gruppen und durch Lehrpersonen sowie durch Betreuerinnen. Beatrice Weiler, zuständige Gemeinderätin Teufens, sagt: «Der Auftrag lautet: Betreuung anbieten. Es besteht also kein pädagogischer Auftrag.» Die Eltern haben ihre Kinder bis am späten Sonntagnachmittag anmelden müssen. «Die Schule kann die Anzahl der nun zu betreuenden Kindern aber gut bewältigen», sagt Weiler.

Von Seiten der Eltern habe sie verständnisvolle und dankbare, allerdings auch einige verunsicherte Rückmeldungen erhalten. Neben dem Betreuungsangebot werde auch daran gearbeitet, den Schulstoff via Online-Lösungen vermitteln zu können. Beatrice Weiler befürchtet dennoch, dass es einen gewissen Leistungseinbruch geben wird:

«Die Kinder sind nicht vor Ort und wenden weniger Zeit für den Schulstoff auf.»

Sie weist aber auch darauf hin, dass die Kinder aufgrund der aktuellen Situation andere, ebenfalls wichtige, Erfahrungen machen und der Leistungseinbruch nach dieser Phase aufgefangen werden könne.

Fernunterricht via Teams, Kommunikation via App

Hans-Peter Hotz, pädagogischer Schulleiter

Hans-Peter Hotz, pädagogischer Schulleiter

Bild: PD

In Heiden gilt für alle Kinder Fernunterricht. Für die Sekundarschüler über die Software «Teams» und für die jüngeren Kinder gibt es Lese- oder Mathematikübungen sowie Bastelarbeiten. Die Kommunikation laufe via E-Mail oder Whatsapp. Der pädagogische Schulleiter Hans-Peter Hotz sagt:

«Positiv an dieser Situation ist, dass wir Erfahrungen mit der Digitalisierung des Unterrichts sammeln können»

Er denkt nicht, dass das Corona-Virus für einen Leistungseinbruch sorgen wird. «Wir versuchen, durch gezielte Schwerpunktsetzung den Kompetenzaufbau nach Lehrplan so gut wie möglich fortzusetzen.» Auch Hotz trifft auf Verständnis seitens der Eltern und erzählt: «Sie organisieren selbst aktiv nachbarschaftliche Betreuungsmöglichkeiten.» Er hofft trotzdem, dass der Unterricht ohne Präsenz vor Ort bald wieder aufgehoben wird: «Effizientes Lernen hat auch soziale Aspekte.»

«Es finden keine Schulschliessungen statt», sagt Ingrid Brühwiler, Abteilungsleiterin Volksschule Ausserrhoden über die aktuelle Situation:

«Der Präsenzunterricht ist untersagt und wir stellen bis zum 4. April auf Fernunterricht um.»

Sie weist darauf hin, dass viele Lehrmittel über einen digitalen Aspekt verfügen, so, dass die Lehrpersonen auch bei Fernunterricht einen Überblick behalten können, wer was wo und wie mache.

Dazu, wie es nach den Frühlingsferien – nach dem 17. April – weitergeht, sagt Brühwiler: «Sobald der Bundesrat Weisungen diesbezüglich erlässt, werden wir diese umsetzten.»

Mehr zum Thema