«Prägende Konstante im Betrieb»

Er hat seit Anfang der 1980er-Jahre beim Aufbau der Ceka Elektrowerkzeuge AG in Wattwil mitgewirkt. Im Jahr 2010 beteiligte er sich an einem Management-Buy-out und ist Mitbegründer der Cekatec AG. Am Freitag, nach 34 Jahren Betriebszugehörigkeit, ging Peter Etterlin in Pension.

Urs M. Hemm
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Peter Etterlin an seinem letzten Arbeitstag in den Büroräumlichkeiten der Cekatec AG in Wattwil. (Bild: Urs M. Hemm)

Peter Etterlin an seinem letzten Arbeitstag in den Büroräumlichkeiten der Cekatec AG in Wattwil. (Bild: Urs M. Hemm)

WATTWIL. «Wenn ich an diesem Abend mein Büro verlasse, kann ich mit der Gewissheit gehen, alles getan und mein Ziel erreicht zu haben. Nämlich, dass die Ceka weiterhin als verlässlicher Arbeitgeber im Tal besteht», sagt Peter Etterlin. Seit 1981 war er massgeblich am Erfolg dieses Unternehmens beteiligt, welches sich in dieser Zeit vom Entwickler und Hersteller von Elektrowerkzeugen zum modernen Engineering-Unternehmen entwickelte. Noch mit 62 Jahren, einem Alter, in welchem manch anderer eine frühzeitige Pensionierung erwägen würde, beteiligte sich Peter Etterlin an einem Management-Buy-out und gründete zusammen mit dem damaligen Geschäftsführer der Ceka, Stefan Jud und dem Entwickler Tino Scacchi die Cekatec. Diese neue Firma konzentrierte sich fortan, losgelöst von den Elektrowerkzeugen wie Bohrmaschinen und Winkelschleifer, auf die Produktion von Brennstoffzellen und die Entwicklung von Geräten für Küche, Büro und Gastronomie. Am Freitag hatte Peter Etterlin seinen letzten Arbeitstag. «Mit Peter verlässt eine tragende Stütze, die prägende Konstante über viele Jahre hinweg, den Betrieb», sagt Stefan Jud, Geschäftsführer der Cekatec, mit einigem Bedauern zu Etterlins Pensionierung.

Mit Anstand und Respekt

Auf seinem erlernten Beruf als Elektromaschinenbauer hat Peter Etterlin nie gearbeitet. «Damals, Mitte der 60er-Jahre, wurde man nicht gefragt, was man lernen wollte, Hauptsache man hatte eine abgeschlossene Lehre», sagt er. So habe er denn seine Ausbildung mehr schlecht als recht hinter sich gebracht und sich danach von Stelle zu Stelle gehangelt. Zunächst arbeitete er als Elektroinstallateur und danach als Beleuchter beim Schweizer Fernsehen, dann als Unterhaltselektriker im Kongresshaus Zürich und schliesslich als Schalttafel-Monteur. «1971 zog es mich in die Ferne.» So habe er sich eines Abends ins Flugzeug gesetzt und ist nach Johannesburg in Südafrika geflogen. Zwar habe er ein Visum und eine Arbeitserlaubnis gehabt, aber – naiv wie er gewesen sei – ohne ein Wort Englisch im Gepäck. «Für mich als Schweizer war es sehr befremdend zu sehen, wie die Weissen damals mit den Einheimischen umgegangen sind. Von Zusammenarbeit konnte keine Rede sein.» Er habe immer versucht, allen Menschen mit Anstand und Respekt zu begegnen, was ihm die Einheimischen ebenso mit Respekt, guten Leistungen und Loyalität zurückgegeben haben. Während dreier Jahre war Etterlin unter anderem als Kranbauer auf verschiedenen Baustellen oder als Mechaniker für Bagger in Diamantminen in ganz Süd- und Südwestafrika anzutreffen. In dieser Zeit lernte er auch seine Frau Liselotte kennen, eine Berner Oberländerin, die in Kapstadt als Coiffeuse arbeitete.

1974 kehrten die beiden in die Schweiz zurück. Dort fand Peter Etterlin zuerst eine Anstellung bei der Firma Bühler in Uzwil – parallel absolvierte er die Handelsschule – bevor er zur Hetex Garn AG in Wattwil als Disponent wechselte. Gleichzeitig besuchte er die Textilfachschule in St. Gallen und fand nach erfolgreichem Abschluss schliesslich eine Anstellung als Betriebsleiter bei der Strumpffabrik Bodmer in Niederwil. «Weil sich die Textilindustrie schon damals auf dem absteigenden Ast befand, entschloss ich mich, eine Ausbildung als Betriebsfachmann zu machen, um meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern», sagt Etterlin. 1981 habe er dann ein Inserat in der Zeitung gelesen, dass die Firma Ceka in Wattwil Mitarbeiter suche.

Von Anfang an dabei

Als Peter Etterlin zur Ceka stiess, war die junge Firma noch mitten in der Aufbauphase. 1979 gegründet, begann das Unternehmen damit, für das deutsche Unternehmen Kress Elektrowerkzeuge GmbH, Stichsägen und Hobel herzustellen. «Die ersten zwei Jahre war ich vor allem damit beschäftigt, neue Verfahren für die Motorenfertigung, die Umpresserei sowie die Montage für diese Produkte einzuführen.» In der Zeit habe die Ceka zudem einen Grossauftrag der Firma Hilti erhalten, in dessen Rahmen Etterlin für die Planung und Realisierung neuer Montageanlagen für eine ganze Geräte-Familie verantwortlich war. «In dieser Zeit habe ich mir auch meinen ersten Computer gekauft, privat, nicht auf Geschäftskosten», betont er. Bei der Planung und Überwachung der Montage der Hilti-Geräte – immerhin liefen acht verschiedene Werkzeuge parallel – habe sich der Computer als sehr hilfreich erwiesen. Bis 1996 – zwischenzeitlich absolvierte er die Ausbildung zum eidgenössischen Betriebstechniker – stieg Peter Etterlin bis zum Betriebsleiter mit den Bereichen Arbeitsvorbereitung, Einkauf, Wareneingang, Lager sowie Montage und Kalkulation auf und wurde schliesslich Leiter Supply Chain.

In den 34 Jahren bei der Ceka erlebte Peter Etterlin vier Geschäftsführer, zweimal hatte er die Leitung des Geschäfts ad interim selber inne. Dass ihm der Posten des Geschäftsführers nicht permanent übertragen worden war, habe mit seinem persönlichen Umgang mit dem Personal zu tun gehabt, vermutet er. «Die Besitzer der Ceka, die Familie Kress, pflegt einen hierarchisch geprägten, distanzierten Umgang zu ihren Mitarbeitern. Ich war immer mit allen per Du», sagt Etterlin. Diese Nähe eines Geschäftsführers zu seinen Angestellten sei für die Besitzerfamilie – wohl aus traditionellen Gründen – nicht denkbar gewesen.

«Es passte einfach zusammen»

Dass es am Ende 34 Jahre werden würde, die er für die Ceka und jetzt für Cekatec arbeite, war nicht vorauszusehen. Dennoch habe es für ihn nie einen Grund gegeben, weiterzuziehen. «Ich hatte immer Freude am Beruf und ich durfte mit einem guten Team zusammenarbeiten – es passte einfach zusammen», sagt er. Dies seien auch die Voraussetzungen dafür gewesen, sich am Management-Buy-out zu beteiligen und sich noch auf dieses Abenteuer einzulassen.

Dennoch freue er sich jetzt auf sein Dasein als Pensionär. «Die Familie musste wegen der Arbeit oft auf mich verzichten und wenn ich daheim war, habe ich die Zeit häufig mit der Renovation unseres Hauses verbracht, das wir Mitte der 90er-Jahre gekauft hatten.» Jetzt möchte er die Zeit nutzen und mit seiner Frau wieder einmal auf Reisen zu gehen.» Auch zu Hause in Wattwil werde es ihm nicht langweilig. «Ich fotografiere sehr gerne und im Keller habe ich noch ein paar alte Uhren liegen, die ich restaurieren will.» Zudem: Ganz weg sei er ja nicht. «Für meine alten Kollegen steht meine Tür immer offen», sagt Peter Etterlin.

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