potzt ond gschtrählet

Hörnli im Angesicht der Churfirsten Das Obertoggenburg ist zweifellos eine bemerkenswerte Region. Es generiert Wundersportler, die allen anderen davonspringen oder alle anderen ins Sägemehl betten. Erstere heissen Steiner oder Ammann, Letztere Abderhalden oder Forrer.

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Hörnli im Angesicht der Churfirsten

Das Obertoggenburg ist zweifellos eine bemerkenswerte Region. Es generiert Wundersportler, die allen anderen davonspringen oder alle anderen ins Sägemehl betten. Erstere heissen Steiner oder Ammann, Letztere Abderhalden oder Forrer. Dann bringt der Landstrich zu Füssen der Churfirsten auch Politiker hervor, die den Sprung vom Melkstuhl auf den Nationalratssessel geschafft haben – was man nicht per se als Aufstieg werten muss – und denen man zumindest ihren Frohmut zugutehalten kann.

Und prächtig ist die Gegend obendrein. Aber ob ich will oder nicht, bei mir lässt der Begriff «Obertoggenburg» stets auch ambivalente Gefühle entstehen. Mir ist es so ergangen wie jedem Füsilier, der bei einer Ostschweizer Einheit Militärdienst leistete: Ich habe das Obertoggenburg vorab als Infanteriegelände ersten Ranges kennengelernt. So sind mir denn die sieben Churfirsten und ihr Vorgelände weniger durch ihre Schönheit in der Erinnerung haften geblieben als durch ihre Steilheit,

die sich mir etwa beim Hochbuckeln von Minenkisten oder von Stellscheiben auf ziemlich nachhaltige Weise einprägte. Nie bin ich mir unnützer vorgekommen als in Alt St. Johann, wenn ich nachts auf Wache war und mir die von den Kirchtürmen herabhallenden Viertelstundenschläge bewusst werden liessen, wie unendlich langsam doch Zeit verstreicht.

Wenig empfehlenswert scheinen mir sodann die weit unter dem Null-Sterne-Niveau liegenden Übernachtungsmöglichkeiten in den Viehställen auf Alp Tesel. Und wenn ich «Obertoggenburg» höre, steigt mir stets auch der Geruch von zusammengepappten Hörnli aus der Gamelle und von Pot-au-feu, angereichert mit Undefinierbarem, von dem es hiess, es handle sich um Fleisch, in die Nase.

Aber das alles ist ja nun doch schon eine Weile her, so dass es überfällig wurde, mich mit dem Obertoggenburg wieder zu versöhnen.

Martin Hüsler

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