Potenzial für besseren Lebensraum ist vorhanden

Ein grosser Kran steht auf der Strasse und zieht gefällte Bäume das Wiesenbord hinauf. Oben werden die Stämme maschinell entastet und Heiri Ammann lädt sie auf. Mit seinem Traktor bringt er die tonnenschwere Ladung hinunter nach Starkenbach.

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Ein grosser Kran steht auf der Strasse und zieht gefällte Bäume das Wiesenbord hinauf. Oben werden die Stämme maschinell entastet und Heiri Ammann lädt sie auf. Mit seinem Traktor bringt er die tonnenschwere Ladung hinunter nach Starkenbach. Die Buchenstämme werden zu Brennholz gescheitet und unter den Waldbesitzern, den Mitgliedern der Privatwaldkorporation Hinterstarkenbach verteilt.

Artenvielfalt fördern

Der Holzschlag in der Langenegg wird im Rahmen des Vernetzungsprojektes in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann gemacht. Das Ziel dieses Projektes ist es, die Artenvielfalt zu erhalten und zu fördern. «Mit den Holzerarbeiten bringen wir mehr Licht auf dem Waldboden», erklärt Markus Wortmann, der vom Ingenieurbüro Scherrer in Nesslau für das Vernetzungsprojekt zuständig ist.

Ein lichter Waldrand ist ein idealer Übergangsbereich von der landwirtschaftlich genutzten Fläche in den Wald. Er übernimmt eine Korridorfunktion, das heisst, er verbindet unterschiedliche Lebensräume. Im Waldrand fühlen sich verschiedene Tierarten wohl, beispielsweise der Grünspecht. «Er hat einen positiven Einfluss auf die Landwirtschaft und auch auf den Wald. Er frisst nämlich Schädlinge und verbreitet Samen», sagt Förster Thomas Abderhalden.

Auf gutes Echo gestossen

Das Vernetzungsprojekt in den vormaligen Gemeinden Wildhaus und Alt St. Johann wurde 2004 gestartet. «Wir wurden von Anfang an von den Waldbesitzern und den Landwirten unterstützt, denn mit den Massnahmen wird das Land aufgewertet», sagt Markus Wortmann. Die Massnahmen werden aber nicht nur seitens der Forstwirtschaft gemacht, welche Aufforstungen vornimmt. Auch die Landwirte müssen ihren Teil dazu beitragen.

Beispielsweise, indem sie gewisse Wiesenflächen extensiv, das heisst mit geringerem Aufwand, bewirtschaften oder später mähen. Dafür erhalten sie vom Staat einen speziellen Förderbeitrag.

Nach rund sechs Jahren, in welchen das Vernetzungsprojekt läuft, zieht Markus Wortmann eine positive Bilanz. «Ursprünglich setzten wir als Ziel fest, den Anteil in der heutigen Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann von 12 auf 18 Prozent zu vergrössern.

Nach drei Jahren konnten wir schon 17 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche den ökologischen Ausgleichsflächen zuordnen.» Obwohl das erste Ziel für das Jahr 2010 festgelegt wurde, soll das Vernetzungsprojekt weitergeführt werden. Für die Nachhaltigkeit verbürgen sich auch die Landwirte, denn sie verpflichten sich in einem Vertrag, die Ökoflächen während sechs Jahren zu bewirtschaften. «Die Bauern machen gerne mit», weiss Markus Wortmann. Er fügt hinzu, dass das Beispiel der Gemeinde Wildhaus-Alt St.

Johann Schule macht. Derzeit laufen nämlich in mehreren Toggenburger Gemeinden solche Vernetzungsprojekte.

Eingriff zugunsten der Natur

Wie gross der Erfolg des Vernetzungsprojekts ist, hängt aber nicht nur mit der Grösse der Ökoflächen zusammen. Auch die Qualität auf den Flächen wird überprüft. Nicht die Vielzahl der Arten ist entscheidend, sondern, ob die Arten an diesem Standort natürlich vorkommen. «Das Potenzial dafür ist überall vorhanden. Wir schaffen nun einfach bessere Bedingungen», bringt es Markus Wortmann auf den Punkt.

Dazu setzen sie verschiedene Massnahmen um. Durch das Fällen von Bäumen schaffen sie mehr Licht am Boden. Aufgehäufte Äste oder Steine bieten zusätzlichen Lebensraum. Dies kann zur Folge haben, dass Tiere wieder zu sehen sind, die einmal weg waren. In Wildhaus beispielsweise kann man wieder den Neuntöter beobachten, weiss der Wildhauser Revierförster Richard Tobler. Diese einheimische Vogelart braucht Pflanzen mit Dornen, in welche sie ihre Nester baut. «Durch die Lichtung eines Waldrands haben sich Dornarten vermehrt», sagt Richard Tobler.

Markus Wortmann und alle am Projekt Beteiligten sind sich bewusst, dass dies nicht von heute auf morgen geht. «Auf dieser Höhe und auf der Schattenseite geht es länger, bis die Pflanzen wachsen», erklärt Thomas Abderhalden.

Zusätzlicher Nutzen

Rund 600 Meter lang ist der Waldrand in der Langenegg, in welchem die Verjüngung vorgenommen wurde. Richard Tobler sieht in den Arbeiten noch einen zusätzlichen Nutzen. Das Bächlein könne leicht die Böschung unterspülen, durch die Verjüngung werde diese Gefahr kleiner.

Derzeit sieht die gelichtete Fläche kahl aus. Doch schon bald werden die ersten Pflanzen spriessen, es wird grünen und verschiedene Tiere, unter ihnen auch der Grünspecht, werden diesen Waldrand als ihren Lebensraum in Besitz nehmen.

Sabine Schmid

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