POSTENCHEF: Zurück zur Uniform

Wachtmeister Jürg Hollenstein ist der Nachfolger von Andreas Breitenmoser als Chef Polizeistation Brunnadern. Die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten bei der Kantonspolizei begeistern ihn.

Cecilia Hess-Lombriser
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Wachtmeister Jürg Hollenstein, neuer Postenchef in Brunnadern. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Wachtmeister Jürg Hollenstein, neuer Postenchef in Brunnadern. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Cecilia Hess-Lombriser

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Wachtmeister Andreas Breitenmoser ist kürzlich in Pension gegangen. Seit dem 1. Dezember hatte er seinen Nachfolger, den 45-jährigen Jürg Hollenstein, in die Aufgaben als Chef Polizeistation eingeführt. Für diesen ist es eine weitere neue Aufgabe in seiner Polizistenlaufbahn. Seit der Polizeischule, die er vor 20 Jahren absolvierte, hat er verschiedene Bereiche der Kantonspolizei St. Gallen kennen gelernt. Zuletzt war er während sechs Jahren Instruktor für Technik und Taktik bei der Sicherheitspolizei.

Kantonspolizei als vielseitiger Arbeitgeber

«Nach 13 Jahren weg von der Front hat es mich wieder dahin zurückgezogen», bekennt Jürg Hollenstein in seinem Büro im ehemaligen Gemeindehaus Brunnadern, wo der Polizeiposten untergebracht ist. Die Nähe zu den Bürgerinnen und Bürgern jeden Alters, verschiedener Herkunft und unterschiedlicher Lebenssituationen habe ihm zunehmend gefehlt, wie er sich eingestehen musste. «Ich brauchte eine Veränderung.» Um sicherzugehen, dass er es an der Front wieder packen könnte, absolvierte er ein Stage beim Polizeiposten Uzwil. Diese Erfahrung hat ihm bestätigt, dass sein Ansinnen richtig war. «Vorher hatte ich immer den gleichen Auftrag und ich hatte es nur mit angehenden Polizisten zu tun oder mit Polizisten, die sich weiterbildeten. Ich merkte, dass es mich zurück zum eigentlich Auftrag der Polizei zieht», erklärt er. Polizist zu werden, sei ein Bubentraum gewesen, auch wenn er diesen wieder aus dem Auge verloren habe, als er die Lehre als Elektromonteur begonnen habe. Nach der Lehre habe er schnell gemerkt, dass er Abwechslung brauche, aber nicht jahrelang studieren wolle. «Da kam die Polizei wieder ins Spiel, weil die Kantonspolizei als Arbeitgeber vielseitige Möglichkeiten bietet.» Jetzt hat Jürg Hollenstein nach vielen Jahren im Hintergrund wieder die Uniform der Kantonspolizei St. Gallen angezogen. Er bekennt, dass die neue Verantwortung immer noch eine Herausforderung sei, insbesondere, was die Administration betreffe. Unterdessen habe beispielsweise die Strafprozessordnung geändert. Er habe sich mit viel Aufwand einlesen müssen. Auch das Computersystem sei neu für ihn gewesen und die Verantwortung für das Team mit Markus Engler und Yves Holen­stein. Anders ist auch, dass er mehr unterwegs ist und schneller und näher Kontakt mit den Menschen seines Gebietes hat, zu dem die Gemeinden Neckertal, Oberhelfenschwil und Hemberg gehören. «Ein weitläufiges Gebiet, in dem wir täglich auf Pa­trouille sind. Dabei haben wir Augen und Ohren offen und werden da und dort angehalten», hat er bereits erfahren. Die Präsenz und der niederschwellige Kontakt mit den Menschen sind ihm wichtig. «Wenn wir einkehren, sitzen wir an den Stammtisch. Und wenn wir schon am Stammtisch sitzen, dann kommt der nächste Gast zu uns an den Tisch. Das ist hier selbstverständlich.» Ansprechbar und offen zu sein, vermitteln zu können, dass die Polizei bei Unsicherheit und Auffälligkeiten gerufen werden soll, ist ihm wichtig, im Sinne von «In der Krise Köpfe kennen». Sein kommunikatives und zugängliches Wesen dürfte diesen Schritt erleichtern.

«Es ist interessant auf einem kleinen Posten»

Nach der Polizeischule hatte Jürg Hollenstein auf dem Polizeistützpunkt Oberbüren gearbeitet, danach auf dem Polizeiposten Flawil, während über fünf Jahren bei der Kriminalpolizei im Bereich Betäubungsmitteldelikte und, bis er Instruktor wurde, im Stabsdienst. Damit hat er eine reiche und breite Erfahrung gesammelt, die ihm in Brunnadern zugutekommt. Trotzdem müssen er und seine Kollegen nicht alles alleine bewältigen, sollten sie einmal eine schwierige Situation meistern müssen. Das Gespräch im Team ist wichtig, es können jedoch auch sogenannte Peers, Kollegen, beigezogen werden oder ein psychologisches Angebot genutzt werden. Einen gewöhnlichen Alltag auf dem Polizeiposten Brunnadern kann der neue Postenchef nicht beschreiben. «Jeder Tag bringt etwas anderes. Wir machen zwar täglich unsere Patrouille, aber sonst können Aufträge aller Art kommen.» Dazu gehören etwa Abklärungen, verschiedene Aufträge der Staatsanwaltschaft, des Migrationsamtes oder aus anderen Kantonen. Versuchsweise ist der Stützpunkt Oberbüren, der alle Tatbestände abdeckt und zu wenig Personal hat, eine Zusammenarbeit mit den Polizeiposten der Region Fürstenland eingegangen. Abwechslungsweise sind deshalb Mitarbeiter der Polizeiposten gemäss Dienstplan vom Stützpunkt aus im Einsatz. «Es ist interessant auf einem kleinen Posten», ist das Fazit des Neuen, der in der Freizeit einen Ausgleich mit der Familie, beim Sport, beim Musizieren, Kochen, Töfffahren oder als Präsident eines Dorfvereins findet.