Glosse
Posse um Zaun im Herisauer Heinrichspark: Ein Weiher bleibt hinter Gittern

Seit nicht einmal drei Monaten dämmt ein Gitterzaun um den Weiher im Heinrichsbadpark das Risiko, dass Kinder im Gewässer ertrinken können.

Mea McGhee
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Der hohe Zaun stört die Sicht auf den Weiher im Heinrichsbad – nicht nur wenn man auf dem Bänklein sitzt. (Bild: Mea Mc Ghee)

Der hohe Zaun stört die Sicht auf den Weiher im Heinrichsbad – nicht nur wenn man auf dem Bänklein sitzt. (Bild: Mea Mc Ghee)

Durch tristgraue Metallstäbe blickt man auf Seerosen, Schilfhalme und Goldfische. Wer auf einem der Bänklein im Herisauer Heinrichsbad sitzt, hat buchstäblich ein Gitter vor der Nase. Die Sicht auf den Weiher ist eingeschränkt. Seit diesem Frühling steckt die Natur hinter Gittern. Die Gemeinde, als Besitzerin der Parkanlage, liess den brusthohen Zaun errichten, um die Sicherheit zu erhöhen.

Das Gewässer ist ein Risiko

Es hätte ja sein können, dass ein Kleinkind sich vom nahen Generationenspielplatz unbemerkt davongemacht hätte, um im Weiher zu «tögglen». Die Gefahr, in einem auch noch so seichten Gewässer zu ertrinken, ist hinlänglich bekannt. Wenig verwunderlich hatte die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) bei der Abnahme des Spielplatzes den nahen Weiher als Sicherheitsrisiko genannt. Da die Gemeinde nach einem Unglück haftbar gemacht werden könnte, ist es verständlich, dass der zuständige Gemeinderat reagierte.

Mehrere Varianten standen zur Wahl

Mehrere Varianten wurden geprüft, etwa ein maximal zwanzig Zentimeter unter der Wasseroberfläche liegendes Podium. Wegen der Teichgrösse entschied man sich aber gegen dieses Vorgehen, das die Ästhetik wohl kaum beeinträchtigt hätte. Auch an einen Maschendrahtzaun dachte man, dieser erschien aber zu instabil. Zudem hätten Klettermaxe das Objekt überwinden können. So liess die Gemeinde schliesslich für 14 000 Franken einen Gitterzaun ums Gewässer errichten: solid, gradlinig, Farbe «Anthrazit 7016».

Kritik und Unverständnis

Die Reaktionen blieben nicht aus: Passanten und Bewohner des benachbarten Alterszentrums Heinrichsbad trauten ihren Augen kaum, und ein Leserbriefschreiber meinte, es mache ihn traurig, dass er das Paradies hinter Gittern sehen müsse. Der Sicherheitswahn trenne uns zunehmend von der Natur.

Demontage im September

Angesichts der Kritik macht Florian Hunziker, Ressortchef Technische Dienste, jetzt einen Rückzieher. Der Gitterzaun steht noch keine drei Monate, da wird seine Demontage angekündigt. Im September soll der modulare Zaun entfernt und eingelagert werden. Versenkt sind die
14 000 Franken aber nicht: Es bestehe anderweitig Bedarf für den Zaun. Wo, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen.

Der Zaun kommt zwar weg, das Sicherheitsrisiko, das vom Wasser ausgeht, bleibt! Anstelle des Gitters setzt die Gemeinde nun doch auf Maschendraht.

Nur 80 Zentimeter hoch, soll der neue Hag freien Blick auf den Teich gewähren. Optisch elegant, soll er zudem dem Uferverlauf folgen. Angesichts dieser naturnahen Gestaltungsmassnahme dürften keine Gedanken mehr an den Spazierhof eines Gefängnisses aufkommen. Knifflig war die Farbwahl der Materialisierung: «Anthrazit metallic», «Anthrazit 7016», «Grün» und «verzinkt/Grau» erhielten von verschiedenen Parteien Zuspruch. Die Firma, welche den Auftrag ausführen wird, empfahl jene Variante zu wählen, die optisch den Blick auf den Weiher am wenigsten störe. Es ist nicht etwa sumpfgrün, sondern «anthrazit metallic».

Sicherheitsdenken in Ehren


Mit dem farblich bestens abgestimmten Maschendrahtzaun wähnt sich der Gemeinderat auf der sicheren Seite. Sicherheitsdenken in Ehren – angesichts der Tatsache, dass Kleinkinder heute von Helikoptereltern eher zu viel statt zu wenig begleitet und überwacht werden, hätte sich die Gemeinde Herisau wohl den Zaun um den Teich im Heinrichsbad sparen können, egal ob rosa, sumpfgrün oder behördengrau.

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