Porträt
«Ich habe im Kantonsparlament gesehen, wie wichtig eine Zusammenarbeit über den Gartenzaun hinaus ist»: Wie der neue AüB-Präsident das Vorderland stärken will

PU-Kantonsrat Martin Ruppanner ist neuer Präsident des Vereins Appenzellerland über dem Bodensee. Er will die Region besser vernetzen. Der 51-Jährige äussert sich auch zur Frage, warum sich die Standortorganisation nicht zur Spitalschliessung äussert.

Jesko Calderara
Drucken
Teilen
Martin Ruppanner wurde 2019 in den Kantonsrat gewählt. Nun übernimmt er das Präsidium von «Appenzellerland über dem Bodensee».

Martin Ruppanner wurde 2019 in den Kantonsrat gewählt. Nun übernimmt er das Präsidium von «Appenzellerland über dem Bodensee».

Bild: Jesko Calderara

Parteien, Gewerkschaften, Gemeinden, Bürgerkomitees. Zur Schliessung des Spitals Heiden und zur künftigen Grundversorgung im Vorderland haben sich in den vergangenen Monaten zahlreiche Gruppierungen sowie Institutionen zu Wort gemeldet. Eine Stimme fehlt aber: jene des Vereins Appenzellerland über dem Bodensee (AüB). «Es ist ein bewusster Entscheid, dass wir uns politisch nicht engagieren», sagt der neue AüB-Präsident Martin Ruppanner. Dafür gebe es die Gemeindepräsidienkonferenz der Vorderländer Gemeinden. Diese Rollenverteilung soll auch beibehalten werden.

Der Wolfhälder PU-Kantonsrat löst an der Spitze von AüB den ehemaligen Lutzenberger Gemeinderat Peter Schalch ab, der auf die diesjährige Generalversammlung hin seinen Rücktritt eingereicht hatte. Der Vorstand machte sich in der Folge auf die Suche nach einer vernetzten und mit der Region verbundenen Persönlichkeit als Nachfolger. Ein weiterer Wunsch war, ein Kantonsratsmitglied als AüB-Präsidenten zu gewinnen. Nach einiger Bedenkzeit sagte Ruppanner schliesslich zu. «Ich habe im Kantonsparlament gesehen, wie wichtig eine Zusammenarbeit über den Gartenzaun hinaus ist.»

Primarlehrer in seiner Heimatgemeinde

Für Kooperationen über Gemeindegrenzen hinweg, will er sich nun im Vorderland einsetzen. Ruppanner sagt:

«Es geht darum, Chancen zu ergreifen und die Region zu stärken.»

Wie genau dies geschehen soll, lässt er offen. Noch ist der neue AüB-Präsident dabei, sich einzuarbeiten. Eines wird beim Gespräch in seinem am Witzweg gelegenen Wohnhaus mit herrlichem Rundblick über den Bodensee aber deutlich: Das Vorderland liegt Ruppanner am Herzen. Der 51-Jährige ist in Lutzenberg aufgewachsen, wo er heute als Primarlehrer tätig ist. Zuvor arbeitete er für das Unternehmen Fit4job in Heiden. Dieses Projekt bietet jugendlichen Stellensuchenden die Möglichkeit, falls sie keine Lehrstelle gefunden oder eine Ausbildung abgebrochen haben, ein Motivationssemester zu besuchen.

Bei AüB wird sich Ruppanner indes mit anderen Themen beschäftigen. Ursprünglich ist die Standortorganisation zur Vermarktung des Tourismus gegründet worden. Um Appenzellerland Tourismus AR nicht zu konkurrenzieren, wurde das Betätigungsfeld dann gewechselt. Gemäss Ruppanner ist es jedoch denkbar, dass sich AüB künftig mit touristischen Fragen wie beispielsweise den ungenutzten Hotelgrundstücken im Vorderland beschäftigen wird. «Wir sind offen für entsprechende Inputs von aussen.»

Geschäftsführerin hat gekündigt

Spuren hinterlassen hat AüB in den vergangenen Jahren dagegen in der Energiepolitik. So haben sich die Vorderländer Gemeinden Heiden, Grub, Rehetobel, Reute und Walzenhausen zur ersten Energiestadt-Region im Appenzellerland zusammengeschlossen. Zudem wurde der Berufserkundungstag für Schulabsolventen ins Leben gerufen. Ein weiteres Schwerpunktthema ist die Nahversorgung. Dazu sollen sich die Produzenten untereinander vernetzen und in der Öffentlichkeit bekannter gemacht werden.

Diese Projekte will Ruppanner weiterverfolgen. Zuerst einmal wird er aber die Nachfolge von Katja Breitenmoser regeln müssen. Die Geschäftsführerin hat ihre 40-Prozent-Stelle per Ende September gekündigt. Wer ihre Nachfolge antritt, hat der Vorstand noch nicht entschieden. Dem Gremium gehören nebst Ruppanner auch Susanne Lutz, Michael Litscher, Hannes Bruderer, Werner Rüegg, Walter Kugler, Rita Fisch, Daniel Frunz und Adeline Züst an.

Ruppanner befürwortet Gemeindefusionen

Bei der Bewältigung seiner neuen Aufgabe wird ihm die politische Erfahrung hilfreich sein. Ruppanner wurde 2019 in den Kantonsrat gewählt, nachdem er sich auf einen öffentlichen Aufruf der Gemeinde Wolfhalden gemeldet hatte. Seine Bilanz fällt positiv aus. Vor allem die Diskussionen in der breit zusammengesetzten Fraktion gefallen ihm. Ruppanner sagt:

«Wir haben bei den Parteiunabhängigen für jedes Thema einen Experten, davon profitiere ich.»

Er gehört der Kommission Finanzen an.

In seiner zweijährigen Amtszeit als Kantonsrat standen verschiedene Themen auf der politischen Traktandenliste, welche das Vorderland unmittelbar betrafen. Bei den Diskussionen über den Spitalverbund Appenzell Ausserrhoden (Svar) und über das Aus des Spitalstandorts in Heiden fühlt sich Ruppanner ohnmächtig. Dem Kantonsrat stehen zum Svar-Geschäftsgang kaum Informationen zur Verfügung, bemängelt er. Das im Vorderland verbreitete Gefühl, politisch von Herisau abgehängt zu werden, teilt Ruppanner hingegen nicht. Die Region müsse selbst die Initiative ergreifen und bei Vakanzen im Regierungsrat Kandidierende aufstellen, findet er.

Eine klare Meinung hat er auch zum Vorschlag der Regierung, dass der Kanton künftig nur noch aus vier Gemeinden bestehen soll. Der neue AüB-Präsident könnte sich eine Fusion zu einer Grossgemeinde Vorderland «gut vorstellen». Kleinräumige Strukturen machen seiner Ansicht nach keinen Sinn. Ruppanner betont, dass dies seine Meinung sei. Denn der Gegenvorschlag zur Initiative der IG Starkes AR ist innerhalb von AüB kein Thema.

Aktuelle Nachrichten