«Jetzt braucht es eine Lösung»: Ausserrhoder Jäger und Pro Natura-Geschäftsführer streiten an einem Podium in Gais über den Wolf

Für die Landwirte ist der Wolf ein Dorn im Auge. Für die Umweltverbände gehört er zu einem gesunden Ökosystem. Für eine angeregte Diskussion im Kronensaal in Gais zum neuen Jagdgesetz war also gesorgt.

Martin Brunner
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Christian Meienberger, Geschäftsführer von Pro Natura St.Gallen-Appenzell, Matthias Tobler, Bauernverband, und Felix Ludwig, Patentjäger, (von links) diskutierten über das Jagdgesetz.

Christian Meienberger, Geschäftsführer von Pro Natura St.Gallen-Appenzell, Matthias Tobler, Bauernverband, und Felix Ludwig, Patentjäger, (von links) diskutierten über das Jagdgesetz.

Bild: Martin Brunner

Platz war eigentlich genügend vorhanden im Kronensaal in Gais. Doch immer mehr Leute strömten herbei, immer mehr Stühle und Tische mussten die Veranstalter herantragen. Der Grund für diesen Andrang war die Podiumsdiskussion zum neuen Jagdgesetz unter der Leitung von Stefan Schmid, Chefredaktor des St.Galler Tagblatts, zu der der Bauernverband AR und der Patentjägerverein AR eingeladen hatten. Einander gegenüber standen auf der Nein-Seite Christian Meienberger, Geschäftsführer von Pro Natura St.Gallen-Appenzell, auf der Ja-Seite Matthias Tobler vom Bauernverband und Felix Ludwig von den Patentjägern.

Rund 80 Wölfe leben in acht Rudeln in der Schweiz. Das sind für den Landwirt Matthias Tobler mehr als genug. «Jetzt braucht's eine Lösung», sagte er. Er forderte einen kompromisslosen Schutz der Tiere auf einer Alp.

«Wir müssen unseren Älplern helfen und den Wildtieren Grenzen setzen.»

Er befürchtete, dass sich der Wolf ohne klare Regulierung stark ausbreiten und auch grosse Tiere bedrohen könnte. Herdenschutzhunde erachtete er zwar als eine Möglichkeit zur Bewachung der Tiere, die aber teuer und sehr aufwendig sei. Die Jäger seien von diesem Gesetz nicht direkt betroffen, sagte Felix Ludwig. Er begrüsste aber die Erweiterung der Kompetenzen der Kantone, die das neue Gesetz mit sich bringe. Dadurch sei eine wirksame Regulierung möglich. Denn wie überall gehe es darum, Schaden zu vermeiden und nicht erst zu reagieren, wenn er bereits entstanden sei.

Regulierung müsse national gelöst werden

In diesen Argumenten konnte Christian Meienberger nichts Positives sehen. Zwar sei auch für ihn klar, dass in gewissen Situationen Wolfsabschüsse nach wie vor möglich sein müssten, sagte er. Das neue Gesetz verschlechtere aber grundsätzlich den Schutz des Wolfes. Nicht nur das. Auch die Entschädigung der Landwirte bei einem Riss verschlechtere sich. Mit einer Annahme des Gesetzes müsse nachgewiesen werden, dass der Schutz ausreichend gewesen und der Wolf für den Tod eines Nutztieres verantwortlich sei.

Störend sei zudem, dass sich der Bund mit der Kompetenzerweiterung der Kantone aus der Verantwortung ziehe. Die Regulierung einer Wolfspopulation könne nur grossräumig, also national, erfolgen. Nicht zuletzt müsse man die Relationen sehen. Rund 4700 Schafe würden jährlich sterben in den Bergen, lediglich 400 davon durch den Wolf.

Lernen, mit dem Wolf zu leben

Besorgte und zum Teil bewegte Zuhörerinnen und Zuhörer gab es einige im Saal. Wie jener Schafhirt, der auf den Flumserbergen 19 Schafe verloren hatte. In einem Gebiet, das auf den Tourismus mit Wanderern und Bikern angewiesen sei, sei der Herdenschutz fast unmöglich, sagte er. Zudem werde die Alpung für viele Schafbesitzer zu riskant. Ein Bauer ärgerte sich, dass von nicht Betroffenen Massnahmen beschlossen würden, die Landwirte diese aber mit viel Aufwand umsetzen müssten.

Eine junge Frau befürchtete, dass sich der Wolf schon bald an den Menschen gewöhne und für diesen gefährlich werden könnte. Daran änderte auch der Hinweis Meienbergers nichts, dass nur solche Wölfe gefährlich wurden, die gefüttert worden waren. Klar war letztlich allen, dass sie sowohl mit dem alten als auch mit dem neuen Jagdgesetz werden lernen müssen, mit dem Wolf leben zu müssen, denn auch das neue Jagdgesetz wird ihn nicht zum verschwinden bringen.

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