Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

PODIUM: "Die Vierte Gewalt" diskutiert seine Zukunft

Im Kino Passerelle in Wattwil traf am 1. März Regisseur Dieter Fahrer auf Stefan Schmid, Chefredakteur des "St. Galler Tagblatts". Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion über Sinn und Zweck des Journalismus.
Sascha Erni
Der Kulturredaktor Hansruedi Kugler (rechts) leitete durch das Gespräch zwischen Stefan Schmid und Dieter Fahrer (Mitte). (Bild: Sascha Erni)

Der Kulturredaktor Hansruedi Kugler (rechts) leitete durch das Gespräch zwischen Stefan Schmid und Dieter Fahrer (Mitte). (Bild: Sascha Erni)

Dieter Fahrer schuf mit «Die Vierte Gewalt» eine sehenswerte Dokumentation über die Deutschschweizer Medienlandschaft, die mit der «No Billag»-Abstimmung von morgen Sonntag an besonderer Relevanz gewonnen hat. Wozu benötigen wir überhaupt Journalismus, und wie entstehen die Medienerzeugnisse, mit denen wir uns tagtäglich auseinandersetzen? Hier gibt der Film Einblicke – Einblicke, die mit einem Podiumsgespräch vertieft werden könnten, dachte sich das Passerelle-Team um Peter Bötschi und lud neben Regisseur Dieter Fahrer auch Stefan Schmid, Chefredaktor des «St. Galler Tagblatts», zum Publikumsgespräch ein. Der Kulturjournalist Hansruedi Kugler, ebenfalls fürs «Tagblatt» tätig, moderierte die lebhafte und interessante Diskussion.


Die Medien sind im Wandel

Der Abend stand im Zeichen des Medienwandels: Druck zu Online, langwierige Recherche zu Newsticker. Diese Dinge müssen keine Gegensätze sein, wurde aber schnell klar. Stefan Schmid zeigte sich zum Beispiel «Watson» gegenüber skeptisch, bezeichnete solche Online-Formate aber auch als Chance. «Wir dürfen auch mal unterhaltsam sein, aber es muss eine gesellschaftliche Relevanz haben», erklärte er. Hier herrschte Einigkeit im Saal – Journalismus ist kein Selbstzweck, er hat eine Aufgabe zu erfüllen. Fehlt ihm das Publikum, dann findet Journalismus irgendwann nicht mehr statt.

Für Dieter Fahrer handelt es sich bei dieser Aufgabe um eine soziale. Sein Film illustriert dies gekonnt, indem er den Lebensabend seiner Eltern mit dem schleichenden Niedergang ihrer Stammzeitung, «Der Bund», verbindet. Vor Publikum wurde er deutlicher: «Mit der Zeitung verortet man sich in der Welt, erschafft daraus heraus seine eigene Welt.» Aber da Menschen soziale Wesen sind, wird dieser persönliche Zugang zu einer gesellschaftlich notwendigen Funktion, so Fahrer. Er sieht diese Funktion unter anderem bedroht durch die Unmengen an irrelevanten News, die ununterbrochen um unsere Aufmerksamkeit kämpfen. Wir leben heute eigentlich in einer Kultur eines dauernden Gegenwartsschocks, wie er sagte. Um so wichtiger sei in dieser «hyperventilierenden Welt» guter Journalismus, der einordnet. Schmid gab zu bedenken, dass man die gesellschaftlichen Einflussmöglichkeiten der Presse nicht überschätzen dürfe. Er kritisierte damit besonders die «Republik», die sich im Vorfeld ihrer Gründung gleich als Retterin der Schweiz präsentiert hatte.


Journalismus als gesellschaftliche Aufgabe

Das Podium war eine gelungene Ergänzung zum vorher gezeigten Film. «Die Vierte Gewalt» begleitet vier Redaktionen durch den Alltag, jede Redaktion ihr eigener Mikrokosmos. So grundverschieden die Journalistinnen und Journalisten ihre Aufgaben erledigen, so ähnlich sind sie sich doch im Berufsverständnis. Wenn die Redakteurin bei «Watson» neben einer Reportage zur Kesb eine Bildstrecke mit lustigen Tierbildern zusammenstellt, wirkt das vielleicht «verblüffend frivol», wie es Hansruedi Kugler während des Podiums nannte. Aber «Watson» verfolgt damit dieselbe Absicht wie «Republik», «Der Bund» oder «Echo der Zeit»: Wahrgenommen zu werden, sich mit Herzblut und Verstand in die öffentliche Diskussion einzubringen und so der Gesellschaft zu dienen. Das ist trotz des Medienwandels und verändertem Nutzungsverhalten der Leserschaft etwas, das es zu erhalten gilt, so das Fazit von Film und Podium.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.