Podestplatz nach Tiefschlag

Die Leidenszeit begann vor 24 Monaten. Nun kämpft sich Mountainbike-Downhiller Janick Lieberherr nach einer verletzungsbedingten Pause an die nationale Spitze zurück. Am Parpaner Rothorn gelang ihm ein starkes Comeback.

Urs Huwyler
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Downhiller Janick Lieberherr gab mit Rang drei beim «Bike Attack» ein beeindruckendes Comeback. (Bild: Urs Huwyler)

Downhiller Janick Lieberherr gab mit Rang drei beim «Bike Attack» ein beeindruckendes Comeback. (Bild: Urs Huwyler)

MOUNTAINBIKE. The Original Freeride Race «Trek Bike Attack» findet jeweils gegen Ende der Sommerferien im Bike-Paradies Lenzerheide statt. Also dort, wo schon der Bike-Weltcup und Downhill-Cup ausgetragen wurde. «Ich besitze eine Saisonkarte für die Region Lenzerheide, kann nach 75 Minuten Anfahrt auf perfekten Strecken trainieren», betont der 25jährige Janick Lieberherr (Ebnat-Kappel). Daneben pedalt der Automechaniker abends als aktive Erholung rund ums Dorf. Die Vorstellung, er müsse wenig in die Fitness investieren, weil es abwärtsgehe, entlockt dem Zweiradabfahrer ein Lächeln. Wer so denke, meint er mit einem Schmunzeln, solle auf einem Berg mit Vollgas losfahren. Weitere Erklärungen brauche es nicht.

Taktisches Rennen

Zwei Jahre lang war vom einstigen Weltcup- und WM-Starter nichts zu hören und zu lesen. Oder nur, er sei weiterhin verletzt und erneut operiert worden. Janick Lieberherr verletzte sich vor zwei Jahren bei einem Sturz am Bike Attack vom Parpaner Rothorn (2861 m ü. M.) nach Churwalden (1240 m). Seither lief sportlich wenig. 2014 versuchte er, sich an die Spitze heranzutasten, fühlte sich recht gut, doch Zeiten und Ränge stimmten nicht. «Ich habe mir überlegt, ob ich nicht aufhören soll. Es ging nicht vorwärts», erinnert sich das einstige Talent aus dem Toggenburg an die schwierigen letzten Monate. «Doch ich sagte mir auch, so wolle ich nicht abtreten.»

Was dann geschah, überraschte selbst Insider. Nachdem es «JL» beim Heim-Weltcup auf der Lenzerheide Anfang Juli nicht gelungen war, sich für den Final zu qualifizieren, donnerte er beim diesjährigen Bike Attack mit Startnummer 752 auf Rang drei. Also in jenem Rennen, das ihn brutal zurückgeworfen hatte. «Im Training meisterte ich alle Stellen problemlos und ohne besondere Anspannung. Im Rennen war die Nervosität dann allerdings gross.» «Zudem», so der Downhiller aus dem iXS Gravity Union Team, «lief zu Beginn die Kette wie damals nicht rund, und an der Sturzstelle hätte ich wie 2013 überholen müssen. Diesmal habe ich gewartet, doch die Lockerheit war für einen Moment weg. Zum Glück fand ich den Rhythmus wieder.»

Janick Lieberherr fuhr ein taktisch kluges Rennen, nahm in den entscheidenden Passagen eine eigene Linie, konnte sich ab Talstation Rothornbahn (1500 m) darauf konzentrieren, ohne das letzte Risiko eingehen zu müssen, den dritten Rang abzusichern. «Als ich durchs Ziel fuhr, fühlte ich mich wie ein Sieger. Ich hatte es aufs Podest geschafft, obwohl das Niveau an der Spitze während der letzten Jahre weiter gestiegen ist. Nun bin ich leistungsmässig wieder dort, wo ich vor dem Sturz gewesen bin.» Rund drei Minuten später nach Lieberherr erreichte mit Andreas Kolp (Wattwil) der zweitbeste Toggenburger unter 552 klassierten Freeridern Churwalden.

Die Schweizer Meisterschaft

Inzwischen gehört der 100-Prozent-Amateur national erneut zu den Top 10. Rang zehn erreichte er auch beim Swiss Downhill Cup in der Lenzerheide. «Für 2015 muss es das Ziel sein, mich in diesen Positionen zu behaupten. Auch an der Schweizer Meisterschaft Ende August in Verbier. Ich darf nicht erwarten, bereits um die Medaillen mitkämpfen zu können. Aber ich fühle mich gut, die Leidenschaft für den Sport ist zurück, ich kann und werde wieder angreifen, in den Kurven bei Bedarf die Kampflinie fahren.» Bisher hielt er sich noch etwas zurück, dosierte das Tempo in kritischen Passagen. Mit dem neugewonnen Selbstvertrauen wird dies (wieder) anders sein.

Auf dem Programm steht daneben aus Freude – nicht Ambition aufs Podest – mit der Freundin zusammen das Mehretappenrennen Swiss Epic von Mitte September im Wallis. «Dort geht es um das Erlebnis, die Freude am Sport, nicht primär um die Leistung», sagt Janick Lieberherr. Er ist zehn Jahre nach dem Einstieg in den Wettkampfsport offensichtlich auch mental zurück.