Podestplatz nach der Enttäuschung

UNTERWASSER. Der Skirennfahrer Marco Fischbacher steht mit beiden Füssen auf dem Boden und kämpft sich in den technischen Disziplinen fast unbemerkt Schwung für Schwung näher an die Spitze. Er ist sich dabei stets bewusst, dass Talent hartes Training nicht ersetzt.

Urs Huwyler
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Der erst 18jährige Marco Fischbacher gilt als Toggenburger Skitalent. (Bild: Urs Huwyler)

Der erst 18jährige Marco Fischbacher gilt als Toggenburger Skitalent. (Bild: Urs Huwyler)

Als grossen Brüller empfand Marco Fischbacher (Unterwasser) seinen 27. Platz beim ersten FIS-Slalom auf der «Ruestel»-Piste Alt St. Johann nicht. Wird die Rangliste nach Jahrgängen allerdings aufgeschlüsselt, sieht vieles etwas anders aus.

Nur ein gleichaltriger Junior carvte schneller durch die 54 Tore als der Einheimische. «Grundsätzlich achte ich weniger auf die Plazierung, sondern die Zeit. Der Rückstand und die Punkte sind entscheidend», weiss der Mitte Januar 18 Jahre alt gewordene Davoser Sportschüler, worauf es auf dem Weg nach oben ankommt. Verbessern konnte er sich am zweiten Tag zwischen den Stangen nicht mehr. 39 Grad Fieber kippten ihn ins Bett.

Selektion nur knapp verpasst

Eigentlich sollte Junior Marco Fischbacher statt bei den Heimrennen am European Youth Olympic Winter Festival (EYOF) in Malbun starten, doch er verpasste die Selektion für das Schweizer Team knapp. «Es wäre möglich gewesen. Der Ärger über mich selbst war ziemlich gross. Ich hatte einige Tage Mühe, mit der Enttäuschung fertig zu werden», erzählt der Alpin-Allrounder. Das nächste Rennen bestritt er auf der vom Langlauf (Tour de Ski) bekannten Alpe Cermis (It) und wurde unter Fahrern aus elf Nationen dank Bestzeit im zweiten Lauf Riesenslalomzweiter. Der 16 Hundertstel schnellere Sieger war drei Jahre älter.

Weitere neun Tage später war der Atomic-Fahrer des SSC Toggenburg an der SM in Crans Montana wieder nahe dran, verpasste in der Kombination als Vierter die Bronzemedaille jedoch um 21 Hundertstel. Dabei bestritt das Mitglied des Nationalen Leistungszentrums Ost (NLZ Ost) seine erste Abfahrt. «Slalom und Riesenslalom geniessen weiterhin Priorität. Sollte es sich ergeben», so Marco Fischbacher, «möchte ich daneben vor allem im Super-G starten und die eine oder andere Abfahrt bestreiten.» Im Zentrum steht während der nächsten Jahre allerdings die technische Weiterentwicklung. Wer sicher auf dem Ski steht, vermag auch in den Speed-Disziplinen zu punkten.

In der Schweiz gibt es derzeit keinen Athleten, der sich als Vorbild für einen Riesenslalomspezialisten aufdrängt. Anders in der östlichen Alpenrepublik. Marco Fischbacher fährt wie viele Talente auf Marcel Hirscher ab. Als schweizerisch-österreichischer Doppelbürger sieht er die Siege des weltbesten Technikers nicht nur durch die eidgenössische Brille. Wäre sogar ein Nationenwechsel denkbar, ergäbe sich die Chance, in einem Austria-Kader gefördert zu werden? Für das (auch) äusserlich an Marcel Hirscher erinnernde Talent stellt sich die Frage nicht. «Ich bin hier ausgebildet worden, möchte für die Schweiz fahren», betont der künftige Jäger und patentierte Fischer im Bach.

Andererseits wäre es ein Traum, einmal im gleichen Team mit Marcel Hirscher – oder gegen ihn – fahren zu können. Was sich zeitlich kaum ausgehen dürfte. Marco Fischbacher mag die Idee nicht weiter spinnen. Er steht mit beiden Skischuhen auf dem Boden, weiss, wie weit weg ein Einsatz auf der obersten Stufe ist. Da nützt Schönreden und sich als Talent feiern lassen nichts. In zwei, drei Jahren möchte er den Sprung ins C-Kader schaffen, vielleicht für die Junioren-WM aufgeboten werden.

Zuerst Leistung bringen

Sponsoren? Bisher handelte es sich wie bei Christian Bättig vorwiegend um Goodwill. «Ich möchte zuerst Leistungen erbringen, dann ergibt sich vielleicht etwas», lautet das Motto. An den Resultaten fehlt es nicht mehr.

Neu kann die Sporthilfe-Patenschaft (2500 Franken; 2000 Franken gehen an den Sportler) für den Sohn von Sonja und Norbert Fischbacher übernommen werden. «Ich war nie erfolgsverwöhnt und habe gelernt, dass ich für Erfolge hart kämpfen muss. Ich bin zuverlässig und zielstrebig», charakterisiert sich der Zweitbeste beim nationalen Konditionstest. Auch im Gymnasium erledigt er die Aufgaben konsequent und pflichtbewusst, hält sich dadurch den schulischen Rücken frei. «An den Wochenenden fahre ich gerne im Toggenburg. Unter der Woche ist es ein grosser Vorteil, in Davos stationiert zu sein. Die Trainingsbedingungen sind ideal.»

Dies sollte sich in den kommenden Jahren auszahlen. «Talent allein ist nicht genug», schrieb Jahrhundert-Sportlerin Vreni Schneider einst. Marco Fischbacher ist sich dessen bewusst.

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