«Paradies hinter Gittern»: Herisau sorgt mit der Einzäunung von Teichen für Ärger

Die Gemeinde hat um die beiden Teiche beim Heinrichsbad eine Umzäunung angebracht. Manche finden dies unnötig. Die Bewohner des angrenzenden Altersheims indes wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.

Alessia Pagani
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Seit einigen Tagen versperrt ein Gitter den Zugang zu den Teichen beim Heinrichsbad. (Bild: Alessia Pagani)

Seit einigen Tagen versperrt ein Gitter den Zugang zu den Teichen beim Heinrichsbad. (Bild: Alessia Pagani)

Sie stechen einem beim Vorbeigehen sofort ins Auge, die Gitter, die seit Kurzem die beiden Teiche beim Altersheim Heinrichsbad einzäunen. Mit einer Höhe von geschätzten eineinhalb Metern und der massiven Bauweise sind sie kaum zu übersehen.

Auch Leser Peter Schmid ist die Umzäunung nicht entgangen. In einem Schreiben an die «Appenzeller Zeitung» stört er sich am heutigen Sicherheitswahn, der «uns zunehmend von der Natur trennt». Für Schmid war die «stimmungsvolle Parkanlage mit imposanten Baumbeständen, lauschigen Gehwegen, zwei malerischen Teichen, Tieren und Pflanzen und zahlreichen einladenden Sitzbänken» der schönste Flecken Herisaus. Schmid sagt auf Nachfrage:

«Ich war stolz auf die Parkanlage. Jetzt macht es mich traurig, das Paradies hinter Gittern sehen zu müssen.»

Der Herisauer stellt die rhetorischen Fragen in den Raum: Soll auch der Wasserlauf zwischen Park und Strasse wieder überdacht werden? Wird die Glatt bald eingemauert? Wann werden alle Trottoirs mit Zäunen von den Fahrbahnen abgetrennt? Und was ist mit dem Bodensee und unseren Wanderwegen? Schmid:

«Wir sollten lernen mit der Natur nachhaltig umzugehen, statt sie sicherheitshalber wegzusperren.»

Bundesamt hat Situation beanstandet

Aber wer hat denn nun die engmaschige Umzäunung in Auftrag gegeben? Mehrere Anrufe bei Gemeindeverantwortlichen und eine Nachfrage bei der Geschäftsleitung der Stiftung Altersbetreuung Herisau geben schliesslich Aufschluss: Die Parkanlage ist im Eigentum der Gemeinde. Für den Unterhalt ist das Gartenbauamt zuständig.

Der Zaun für rund 14'000 Franken wurde durch eine externe, in der Region ansässige Firma erstellt. Grund: der Generationenspielplatz. Das Bundesamt für Unfallverhütung habe den Sicherheitsmangel bei der Abnahme des Spielplatzes beanstandet, sagt Gemeinderat Florian Hunziker. Gemäss des Ressortleiters Volkswirtschaft hätten nebst der jetzigen noch zwei weitere Lösungen bestanden: erstens ein maximal 20 Zentimeter unter der Wasseroberfläche liegendes Podium.

Beim Heinrichsbad entschied man sich aufgrund der Teichgrössen gegen ein solches Vorgehen. Zweitens hätte ein Maschendrahtzaun erstellt werden können. Ein solcher sei allerdings nicht so stabil und die Kinder würden weniger daran gehindert, darüber zu klettern, so Hunziker. Wie der Präsident des Generationenspielplatzes, Glen Aggeler, sagt, war der Entschluss, Sicherheitsvorkehrungen vorzunehmen, kein kurzfristiger:

«Bereits vor zwei Jahren, noch vor Baubeginn, haben wir mit der Gemeinde das Sicherheitsrisiko eruiert.»

«Die Gefahr, dass jemand ins Wasser fallen könnte, bestand schon vorher. Durch den Spielplatz hat sich das Risiko nochmals erhöht.» Die Bewohner des Altersheimes zeigten sich erstaunt. «Sie haben mich darauf angesprochen, weshalb der Zaun da ist. Ich konnte ihnen keine Antwort geben», so Andreas Spitz, Geschäftsführer der Stiftung Altersbetreuung Herisau. «Unsere Bewohner finden es schade, zeigen im Wissen, dass es sich um eine Sicherheitsmassnahme handelt, nun aber Verständnis.»