Planung mit gleichem Trainerduo

800-m-Europameisterin Selina Büchel wird nicht an der Hallen-WM starten und sich nach einem intensiven Wettkampfprogramm im Februar 2016 auf die olympische Outdoorsaison konzentrieren.

Urs Huwyler
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Während der Wintermonate wird Selina Büchel wie im Curling wettkampfmässig ruhigere Steine schieben. (Bild: pd)

Während der Wintermonate wird Selina Büchel wie im Curling wettkampfmässig ruhigere Steine schieben. (Bild: pd)

MOSNANG. Auf die Frage, ob sie sportlich mit dem Jahr zufrieden sei, antwortet die von Mosnang nach Wil umgezogene Leichtathletin Selina Büchel lachend mit «Denke schon, war nicht so schlecht». Hallen-EM-Titel über 800 m, Schweizer Rekord in Paris (1:57.95), sieben Siege an internationalen Meetings (unter anderem Lausanne/Luzern), Bestzeiten über 400 m (54.76), 600 m (1:25.45) und 1500 m (4:18.57), Rang zehn an der WM in Peking, Position acht auf der Weltbestenliste, es fehlt nicht an Erfolgserlebnissen.

Und jetzt? «Trainiere ich weiter. Die Planung ist auf die Olympischen Spiele in Rio ausgerichtet. Deshalb lasse ich die Hallen-WM 2016 aus», sagt die 800-m-Spezialistin. Sie wird im Februar viermal Indoor starten und dabei auch einmal über 1500 m und 400 m (Schweizer Meisterschaft) laufen. Die WM Mitte März liesse zu wenig Platz, um die Freiluft-Phase optimal zu gestalten. «Es war schon 2014 eng, diesmal ist die WM eine Woche später. In einem Olympiajahr ist die Hallen-WM zweitrangig.»

Bis Rio werden weiterhin Marlis und Urs Göldi (Bütschwil) im Stammverein KTV Bütschwil mit Selina Büchel zusammenarbeiten. Weihnachtliche Gerüchte, es stehe nach der jahrelangen Aufbauarbeit vor dem vielleicht wichtigsten Wettkampf der Karriere ein Trainerwechsel bevor, können damit ad acta gelegt werden. «Ich weiss nichts davon. Und wir haben die Planung zusammen ausgearbeitet», gibt die Olympiakandidatin lächelnd Entwarnung.

Doping und Russland

In Rio soll es ein Finalplatz werden. Der Ausschluss der russischen Athletinnen wegen der Dopingvorwürfe dürfte keine Auswirkungen auf die 800 m haben. «Schon dieses Jahr spielten die Russinnen keine dominierende Rolle», hält die 24jährige Toggenburgerin fest. Anastasia Bazdirewa nimmt als beste 800-m-Läuferin ihres Landes im World Ranking Position 17 ein. Von hinten droht der gelernten Raumplanungszeichnerin eher Konkurrenz aus Kenia, Deutschland, Polen, Holland, Marokko oder der Ukraine.

Doch das Thema «Doping in der Leichtathletik» beschäftigt die Schweizer Mittelstrecken-Leaderin. «In der Öffentlichkeit hat die Leichtathletik wohl an Glaubwürdigkeit und Ansehen verloren. Trotzdem ist es richtig, dass alles aufgedeckt wird. Bedauerlich ist hingegen, dass wegen der Dopingdiskussionen die Spitzenleistungen sofort hinterfragt werden. In der Schweiz haben wir das Privileg, ohne Druck von aussen Sport treiben zu dürfen», betont die Partnerin von Silvan Rutz (Bazenheid).

Julia Stepanowa

Selina Büchel denkt im Zusammenhang mit den Machenschaften in Russland und den Vertuschungen durch den Weltverband IAAF an Julia Stepanowa (früher Russanowa). Die 800-m-Läuferin hatte die Lawine mit ihrem Mann Witali als Whistleblowerin in einer ARD-Fernsehdokumentation ausgelöst. «Julia war enorm mutig, die Missstände im eigenen Land aufzudecken. Dass sie nun nach all den Anfeindungen recht bekommen hat, freut mich besonders für sie.»

800-m-Olympiasiegerin Marina Sawinowa hätte 2012 in London nicht starten dürfen. «Für mich», so die EM-Neunte von 2014, «bleibt unverständlich, dass Athleten weiterhin zu unerlaubten Substanzen greifen.» Ebenso unverständlich bleibt, weshalb Mannschaftssportler nicht den gleichen Kriterien unterliegen wie Einzelathleten. «Wobei mich dies alles bei meinen eigenen sportlichen Aktivitäten nicht betrifft. Ich trainiere wie bisher ohne irgendwelche verbotenen Mittel weiter.» Zusammen mit Marlis und Urs Göldi.

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