Pipo Belano in der Badewanne

Pipo Belano nahm ein Vollbad, wusch sich das schwarze Kraushaar, blies vergnügt in den Schaum, trällerte melodietrunken ein Liedchen, reckte und räkelte sich, erinnerte sich an die Mississippiraddampferfahrt mit O'Luno, dem Stammesfürsten aus São João del Rei, lachte, zündete sich eine

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Pipo Belano nahm ein Vollbad, wusch sich das schwarze Kraushaar, blies vergnügt in den Schaum, trällerte melodietrunken ein Liedchen, reckte und räkelte sich, erinnerte sich an die Mississippiraddampferfahrt mit O'Luno, dem Stammesfürsten aus São João del Rei, lachte, zündete sich eine Zigarre an, fühlte sich ganz fibbelig, als ihm Prinzessin Muhanda, die er in der Hafenstadt Sidi Ifri liebte, in den Sinn kam, er erinnerte sich (oder war es ein Traum? was ja auch nichts anderes wäre als

eine Erinnerung aus den Tiefen des Unterbewusstseins), wie er mit Richard Löwenherz die von Aladin gehaltene Burg Akan eroberte, Pipo Belano spazierte mit dem provenzalischen Insektenforscher Jean-Henri Fabre der Durance entlang, Pipo Belano hiess im Orient Madschnun und liebte Leila, Pipo Belano schrieb unter dem Pseudonym Georg Friedrich Lichtenberg die berühmten «Sudelbücher», unter dem freiberuflichen Namen Carl von Linné über das Sexualleben der Pflanzen,

jaja, Pipo Belano in der Badewanne war ein Teufelskerl, ein echter Mückebold, der in den letzten Jahrhunderten einiges erlebt hatte, Pipo Belano dachte, dass er auf seinem langen Lebensweg rund um die Welt fast nur Piesepampels begegnet sei, er jebumfiedelte keinem Menschen, er war stets sein eigener Herr und Meister und Knecht, doch jetzt sass Pipo Belano in der Badewanne, nahm entspannt lustvoll ein grosswellenschaumiges Vollbad, hörte eine Celloballade von Glazunov,

fühlte sich wohl und dachte, dass er, sobald er aus der Badewanne entstiege, Ordnung in seine Zeit bringen würde, dass er sichten, entwerfen, verwerfen, zusammenfassen, entfalten, sortieren, aussortieren müsste, doch er zögerte das hinaus, betrachtete seine Zehen, die mit dem Schaum spielten, überlegte sich, dass es eigentlich keinen Grund gäbe, aus der Badewanne zu steigen, fühlte sich wie ausgelatschte Pantoffeln sauwohl, so war es halt mit unserem Helden Pipo Belano in der Badewanne.

Die Fischer schlagens uff die Kübeln – Pipo Belano ward von niemandem mehr gesehen, da er in der Badewanne blieb. Paul Gisi

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