PIONIERE: Klassenzimmer im Steineggwald

Die Schule Teufen führt ab dem kommenden Schuljahr einen öffentlichen Waldkindergarten. 17 Kinder werden ab August im Steineggwald von zwei Naturpädagoginnen unterrichtet – bei fast jedem Wetter.

Mea Mc Ghee
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Oliver Menzi, Leiter des Schulkreises Landhaus Teufen, im Steineggwald, wo ab August ein Waldkindergarten betrieben wird. (Bild: Mea Mc Ghee)

Oliver Menzi, Leiter des Schulkreises Landhaus Teufen, im Steineggwald, wo ab August ein Waldkindergarten betrieben wird. (Bild: Mea Mc Ghee)

Mea Mc Ghee

mea.mcghee@appenzellerzeitung.ch

Noch 94 Mal schlafen, dann beginnt das neue Schuljahr. Für ­ 17 Kinder, ihre Eltern, für zwei Kindergärtnerinnen und für die Schule Teufen wird der 14. August ein besonderer Tag sein. Dann wird der Steineggwald zwischen Teufen und Speicher zum Klassenzimmer, denn Teufen eröffnet als erste Ausserrhoder Gemeinde einen öffentlichen Waldkindergarten.

«Eltern trugen immer wieder den Wunsch nach einem Waldkindergarten an die Schulkommission heran und sammelten schliesslich Unterschriften», sagt Schulpräsidentin Ursula von Burg. Im Rahmen der Strategieplanung sei die Einführung eines solchen Angebotes 2015 geprüft worden. Eine Arbeitsgruppe mit Schulleiter Oliver Menzi an der Spitze entwickelte unter Einbezug von Experten, darunter Naturpädagoge Marius Tschirky und Gemeindeförster Thomas Wenk, ein Konzept. Im vergangenen Sommer wurden zwei in Naturpädagogik ausgebildete Kindergärtnerinnen eingestellt und in die Planung einbezogen. Das Departement Bildung genehmigte den Waldkindergarten Teufen, der nach dem kantonalen Lehrplan geführt wird. Schulpräsidentin von Burg sagt: «Es ist ein gutes Angebot, und die Naturpädagogik bietet einen interessanten Ansatz.»

Ein komplexes Projekt wird realisiert

Im November 2016 fand ein Informationsabend für Eltern statt und Anfang Januar besuchten über 20 Kinder den Wald-Schnuppermorgen. 17 Kinder werden den Waldkindergarten besuchen. Insgesamt zählen Teufen und Niederteufen knapp ­ 120 Kindergärtler. Bei zu vielen Anmeldungen hätte das Los über die Vergabe der Plätze entschieden, so Oliver Menzi.

Der Leiter des zuständigen Schulkreises Landhaus nennt die Gründung des Waldkindergartens «ein komplexes Projekt». Die Suche nach einem geeigneten Waldstück, die Frage des Transportes, die Erarbeitung eines Notfallkonzeptes oder eine moderate Anpassung der Unterrichtszeiten sind nur einige Punkte, die es zu berücksichtigt galt. Als Alternative zum Wald steht bei stürmischem Wetter im Kindergarten Altes Feuerwehrhaus Unterrichtsraum zur Verfügung. Die Kinder, welche aktuell diesen Kindergarten besuchen, wechseln im August in den Kindergarten Hörli 2.

Ein Praktikant wird eingestellt

Da im Wald stets zwei Erwachsene anwesend sein müssen, wird ein Praktikant eingestellt. Die Mehrkosten, welche der Waldkindergarten verursacht beruhen einerseits auf den höheren Personalkosten, andererseits fallen Transportkosten an, welche die Gemeinde trägt. So werden Kinder aus Niederteufen mit dem Schulbus an den Besammlungsort im Dorf gebracht. Von dort fährt die Gruppe mit dem Bus der Appenzeller Bahnen zur Haltestelle Steineggwald. Der Gemeinderat Teufen hat für das laufende Jahr eine Kostenüberschreitung von rund 15 000 Franken und jährlich wiederkehrende Mehrkosten im Umfang von 31 000 Franken genehmigt. Der Stundenplan des Waldkindergartens ist so gestaltet, dass die Kinder die Tagesstrukturangebote der Gemeinde nutzen können.

Am 1. Juli werden die Kinder, ihre Eltern und die Kindergärtnerinnen gemeinsam das Waldsofa bauen – das Herzstück des natürlichen Klassenzimmers. Ab August werden die Kindergärtler den Steineggwald mit seinen Pflanzen und Tieren erkunden.