Pilzschutzverordnung aufheben?

Die ersatzlose Aufhebung des Pilzschutzreglements kommt bei Richard Tobler nicht gut an. Der Revierförster und Jäger befürchtet mehr Unruhe im Wald und vor allem in den Wildeinstandsgebieten.

Adi Lippuner
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Revierförster und Jäger Richard Tobler möchte die Pilzschutzverordnung in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann beibehalten. (Bild: Adi Lippuner)

Revierförster und Jäger Richard Tobler möchte die Pilzschutzverordnung in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann beibehalten. (Bild: Adi Lippuner)

WILDHAUS. Bereits im November befasste sich der Gemeinderat von Wildhaus-Alt St. Johann mit dem Thema Pilzschutz. Auf Anfrage des Pilzvereins Toggenburg wurde die Aufhebung der Schontage in Erwägung gezogen. Wie im Protokoll des Gemeinderats nachzulesen ist, tagten die Gemeinderatsschreiberinnen und -schreiber am 11. März in Wildhaus. «Man ist einhellig zur Auffassung gelangt, in den Gemeinden, in denen ein Reglement besteht, dieses ersatzlos aufzuheben.»

Eine Nachfrage bei Gemeindepräsident Rolf Züllig zeigt, dass die Argumente für die Aufhebung sprachen. «Eine europäische Studie zeigt auf, dass die Schonzeit und zeitliche Beschränkung beim Pflückverbot keinen Gewinn für die Pilzvorkommen bringt.» Die bestehenden Pilzschutzbestimmungen seien deshalb aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar.

Mehr Unruhe im Wald

Richard Tobler betrachtet den Lebensraum Wald aus der Sicht eines Försters und Jägers. «Bisher war Pilze sammeln von acht Uhr am Morgen bis acht Uhr abends erlaubt, und die ersten zehn Tage des Monats galten als Schonzeit. Wenn diese Einschränkungen wegfallen, ist mehr Unruhe im Lebensraum und vor allem in den Einstandsgebieten des Wildes zu erwarten.» Gerade die Ruhe am frühen Morgen und späteren Abend sei aber wichtig. Pilzsammler sind ab Ende Juli vor allem auf der Schattenseite des Tals in den Wäldern und Alpwaldungen bis zur Waldgrenze unterwegs. «Sie bewegen sich quer durch den Wald und sind somit in den Einstandsgebieten des Rotwilds, aber auch der Raufusshühner und Schneehasen unterwegs.» Diese Störungen veranlassten das Wild zur Flucht, und dies oft über längere Strecken. «Dem gegenüber haben wir Jäger Auflagen, denn es sollte mehr Rotwild geschossen werden. Wenn das Wild aber ständig gestört wird, können die Abschusszahlen kaum erreicht werden.» Einen Grund zur Aufhebung der Pilzschutzverordnung sieht der Gemeinderat in der fehlenden Kontrollmöglichkeit. Für Richard Tobler kein schlagendes Argument. «Wer ins Feld führt, dass der Vollzug nicht gewährleistet ist, müsste sich für die Abschaffung zahlreicher Gesetze stark machen.» Seiner Ansicht nach setzt der Pilzverein egoistische Eigeninteressen durch. «Im Gegensatz zur Jagd- und Forstwirtschaft hat ein Pilzsammler weder finanzielle noch rechtliche Pflichten.»

Mindestens 90 Prozent der Pilzsammler haben sich in der Vergangenheit korrekt verhalten, «aus meiner Sicht sind die Erfahrungen mit dem bisher geltenden Reglement deshalb gut». Ohne zeitliche und mengenmässige Einschränkungen bestehe zudem die Gefahr des organisierten und gewerbsmässigen Pilzpflückens. Dazu Rolf Züllig: «In der Naturschutzverordnung ist festgehalten, dass die politische Gemeinde durch Schutzverordnungen das Sammeln bestimmter oder aller Pilzarten auf dem Gemeindegebiet oder Teilen davon vorübergehend einschränken oder verbieten kann.» Deshalb wäre es durchaus möglich, sollten Befürchtungen bezüglich Raubbau auftreten, die Einführung einer Mengenbeschränkung beim Pilzesammeln, beispielsweise zwei Kilo pro Person und Tag, zu prüfen.

Situation im Toggenburg

Die Gemeinden Ebnat-Kappel, Hemberg, Mosnang, Wildhaus-Alt St. Johann, Wattwil und Nesslau hatten bisher eine Pilzschutzverordnung, kein Reglement gibt es in Lütisburg, Bütschwil-Ganterschwil, Kirchberg, Oberhelfenschwil und Lichtensteig.

Gemäss Beschluss des Gemeinderats wird die Verordnung über den Schutz der Pilze in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann aufgehoben. Im Protokoll ist festgehalten, dass die Ratskanzlei beauftragt wird, zu gegebener Zeit das notwendige fakultative Referendum mit einer Frist von 40 Tagen über die Aufhebung zu publizieren.