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PILZSAISON: Pilzzeit mit Nebenwirkungen

Während des goldenen Oktobers spriessen die Pilze in den Wäldern in Massen. Nur: Einige Menschen machen sich einen Spass daraus, Pilze zu zertreten. Warum nur? Eine Spurensuche.
Margrith Widmer
Der Fliegenpilz ist giftig für Menschen. Man sollte ihn trotzdem stehen lassen; in dessen Nähe wachsen oft Steinpilze. (Bild: Margrith Widmer)

Der Fliegenpilz ist giftig für Menschen. Man sollte ihn trotzdem stehen lassen; in dessen Nähe wachsen oft Steinpilze. (Bild: Margrith Widmer)

Margrith Widmer

redaktion@appenzellerzeitung.ch

Lange wurden Pilze wegen ihrer «sesshaften Lebensweise» den Pflanzen zugeordnet. Heute hingegen gelten sie wegen phylogenetischer (stammesgeschichtlich), biochemischer und anatomischer Befunde als eigenes Reich und als enger mit Tieren als mit Pflanzen verwandt. Wie die Tiere gehören sie der Verwandtschaftsgruppe (Taxon) Opisthokonta an – soweit Wikipedia. Pilze sind also Lebewesen und keine Pflanzen. Und sie faszinieren, weil sie so plötzlich «über Nacht» erscheinen, manchmal in grossen, runden Formationen, die «Hexen-» oder «Feenringe» genannt werden, in Massen an Baumstrünken wachsen, sehr lecker sind, aber auch giftig sein können. Sehr viele höhere Pilze stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Zertrampelte Pilze

Jetzt ist Pilzzeit; die Wälder sind voller Pilze – und Menschen, die Pilze sammeln. Pilzsammler und -sammlerinnen gehen vorsichtig suchend durch den Wald. Und dann gibt es die anderen, oft ganze Familien, die sich grölend auf jede Pilzkolonie stürzen und sie zerstampfen. Fragt man sie nach dem Grund, werden sie ausfällig. Der Teufner Pilzkontrolleur Manuel Mettler sagt dazu: «Für Kinder ist es interessant, dass Pilze kaputt gehen, wenn sie drauf treten.» Er findet es allerdings schade, wenn Pilze mutwillig zertrampelt werden: «Die Pilze können nicht mehr sporulieren: Das bedeutet, Sporen bilden und sich damit neue Lebensräume erschliessen.»

Pilzsammlern, die nicht sicher sind, ob ein Pilz essbar ist oder nicht, rät Mettler, jeweils nur ein Exemplar zu pflücken und zur Pilzkontrolle zu bringen und die übrigen unversehrt zu lassen. An die Waldbesucher appelliert er, die faszinierenden Pilzkolonien stehen zu lassen, «damit sich auch andere Besucher noch an diesem wunderschönen Anblick erfreuen dürfen».

Eine Online-Umfrage in einem Pilzforum ergab: Die meisten nehmen «pure Ignoranz und Dummheit und keinen Respekt vor der Natur» als Gründe für die Zerstörungswut an. «Kinder finden das lustig, und die Eltern sind zu doof dazu, den Kindern zu erklären, dass Pilze auch Nahrung für Tiere sind», schreibt eine Frau. Eine andere fügt hinzu: «Kinder (nicht alle) finden es ­witzig, Pilze zu zertrampeln. Das ist ganz normal. Wenn man sich in ein kleines Kind hinein­versetzt, auch nachvollziehbar. Das gnatscht so witzig. Oder bei manchen Pilzen staubt es so schön.»

«Schutz» vor Giftpilzen?

«Vielleicht gibt es Menschen, die denken, andere zu schützen, wenn sie giftige Pilze vernichten?», vermutet eine Frau. Ein Mann pflichtet ihr bei: «Aus dem gleichen Grund, aus dem auch harmlose Schlangen und Blindschleichen erschlagen werden. Die Dumbatzen halten sie für giftig und gefährlich.» Ein Vater erzählt: «Wir sind auch immer mit unseren Jungs im Wald unterwegs, und wenn wir dann an Stellen kommen, wo alles platt getrampelt wurde (meistens von ­älteren Pilzsuchern), regt sich unser Achtjähriger immer auf, wie man so verantwortungslos mit der Natur umgehen kann – während unser Dreijähriger grade einen Pilz zertrampeln will. Wir klären unsere Kinder immer auf, welches Verhalten richtig ist in der Natur. Aber wenn sie dann von älteren Herrschaften das Gegenteil vorgemacht bekommen, ist es manchmal vergebliche Mühe.» Ein Pilzsammler traf eine Familie im Wald: «Für die Kinder ist es etwas Besonderes, wenn sie Pilze sehen. Die Eltern waren noch perplexer als sie meinen Pilzkorb sahen – als hätte ich da einen Alien drin: ‹Und die kann man alle essen?› Den Kids hat’s jedenfalls gefallen.»

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