Pflegen, nicht konservieren

SCHWELLBRUNN. Für einen Informationsabend zur Denkmalpflege lud die Gemeinde Schwellbrunn Denkmalpfleger Fredi Altherr und Kreisplaner Christof Huber ein. Die beiden gingen auf die Auflagen ein, die beim Bauen im geschützten Dorfkern gelten.

Johannes Wey
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Denkmalpfleger Fredi Altherr und Christof Huber vom kantonalen Planungsamt hatten beim Informations- und Diskussionsabend am letzten Freitag in Schwellbrunn einen schweren Stand. Eingeladen worden waren die beiden von Gemeinderat, Baukommission und Arbeitsgruppe Dorfraumgestaltung, um zum Thema «Denkmalpflege und Bauen im geschützten Ortsbild von nationaler Bedeutung» zu referieren. Der Dorfkern von Schwellbrunn fällt in diese Kategorie, was der Bautätigkeit enge Leitplanken setzt – oftmals zum Ärger der Hausbesitzer.

Spur bewahren

Fredi Altherr versuchte den rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörern mit einem Bild die Bedeutung der Denkmalpflege näherzubringen. Die Denkmalpflege müsse versuchen, eine Spur in die Vergangenheit zu legen, sagte Altherr. «Diese Spur muss gepflegt werden, sonst verblasst sie.» Wenn man in die Ferien gehe, finde man gefallen an den Spuren, die dort erhalten worden seien. Als Beispiele nannte Altherr Burgen, Pfahlbauten oder den Eiffelturm. Im gewohnten Umfeld würde man diese Spuren oft übersehen. «Wir haben weder Türme, noch Opernhäuser, noch Pfahlbauten», so der Denkmalpfleger, «im Appenzellerland haben wir Bürger-, Wirts- und Bauernhäuser.»

Schutz stärkt Handwerk

Diese Häuser erzählten Geschichten aus der Vergangenheit, wenn man dazu fähig sei, «die Spuren zu lesen». So gehörte das Appenzellerhaus laut Altherr zur Blütezeit der Textilbranche zu den ausgeklügeltsten Wohnbauten überhaupt: Traditionelle Verzierungen an der Fassade erfüllten nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine praktische Funktion, indem sie die tragenden Elemente vor Witterungseinflüssen schützten. Durch den Schutz dieser Häuser werde gleichzeitig auch das einheimische Handwerk erhalten und gestärkt. «Denkmalpflege ist auch Handwerkspflege», sagte Altherr, weil die Renovation historischer Häuser auch Kenntnisse im traditionellen Handwerk voraussetze.

Viele Möglichkeiten

Trotz der Einschränkungen, die die Schutzzone baulichen Massnahmen auferlegt, seien aber durchaus Anpassungen an heutige Anforderungen möglich, sagte Altherr. «Ich bin Denkmalpfleger, nicht Konservator.» Altherr ermunterte Hausbesitzer mit einem Bauvorhaben mehrmals zur Zusammenarbeit mit Denkmalpflege und Planungsamt. Denn eine Vielzahl von Umbauten seien auch innerhalb des Ortsbildes von nationaler Bedeutung möglich, die allerdings einen gewissen Mehraufwand verursachen könnten. Durch Beiträge sei es aber möglich, bis zu 20 Prozent der Mehrkosten zurückzuerhalten.

Fredi Altherr setzte sich auch gegen den Vorwurf zur Wehr, die Schutzzone blockiere die bauliche Entwicklung Schwellbrunns: «Wenn im Dorfkern 100 Jahre lang nicht gebaut wurde, kann man heute nicht sagen, die Denkmalpflege habe alles verhindert», so Altherr.

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