PFLEGEHEIMPLANUNG: Kleine Pflegeheime unter Druck

In Appenzell Ausserrhoden gibt es zu viele Pflegeplätze. Vor besonderen Herausforderungen stehen die Heime mit eingeschränktem Angebot. Ihnen machen die kantonalen Vorgaben zu schaffen.

Jesko Calderara
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Das Altersheim Boden in Trogen hat eine Zulassung bis Pflegestufe 7. Eine Änderung in diesem Bereich ist nicht geplant. (Bild: APZ)

Das Altersheim Boden in Trogen hat eine Zulassung bis Pflegestufe 7. Eine Änderung in diesem Bereich ist nicht geplant. (Bild: APZ)

Jesko Calderara

jesko.calderara

@appenzellerzeitung.ch

Gemäss einer Prognose des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) wird sich die Zahl der über 80-Jährigen in Appenzell Ausserrhoden bis 2035 annähernd verdoppeln. Die Pflegeheimplanung 2017 sieht mittelfristig (2025) und langfristig (2035) den Bedarf bei 1100 Plätzen. In der aktuellen Pflegeheimliste sind 29 Betriebe aufgeführt, die zusammen 1146 Pflegeplätze anbieten. Bereits heute gibt es je nach Berechnungsvariante 310 bis 640 Pflegeplätze zu viel. « Aktuell besteht deshalb ein Überangebot» sagt Marco Kuhn, stellvertretender Leiter des Amts für Soziales. Die Planungen gehen von einer steigenden Lebenserwartung bei gesunden Jahren aus. Dadurch werde der prozentuale Anteil der pflegebedürftigen Personen zwischen 65 und 79 Jahren voraussichtlich weniger stark ansteigen, sagt Kuhn.

Wie hoch die Nachfrage künftig sein wird, hängt nebst der ­Bevölkerungsentwicklung noch vom Ausbau der ambulanten Pflege und Betreuung ab. Denn zurzeit sind rund ein Drittel der Bewohnerinnen und Bewohner in den Ausserrhoder Pflegeheimen nicht oder leicht pflegebedürftig. Nur wenn dieser Anteil 2035 ähnlich hoch ist wie heute, besteht ein geringer Zusatzbedarf an Pflegeheimplätzen.

Sechs Heime mit Pflegestufe 7

Die Ausgangslagen in den einzelnen Regionen sind unterschiedlich. Im Hinterland lag die Überkapazität 2015 am höchsten und die Auslastung mit 85 Prozent am tiefsten. Durch das geplante Bauprojekt in Stein würde sich das Angebot gar noch vergrössern. Stabil sind dagegen die Verhältnisse im Mittelland, das mit über 92 Prozent die höchste Auslastung im Kanton aufweist. Mit der Schliessung des Hauses Bächli in Teufen im Februar dieses Jahres sind 24 Plätze weggefallen.

Im Vorderland waren die Pflegeheime 2015 durchschnittlich zu 88 Prozent belegt – auch dank Bewohnern aus anderen Kantonen. Deren Anteil beläuft sich kantonsweit auf schätzungsweise 23 Prozent. Beispielsweise stammen die meisten Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegeheims Sonnenschein in Reute aus dem Kanton St. Gallen. Allerdings legt die kantonale Pflegeheimplanung nur die notwendigen Plätze für die Ausserrhoder Bevölkerung fest. Trotz der Überkapazitäten hat das vorgesehene Pflegeheim auf dem Sunnematt-Areal in Heiden 2014 einen positiven Vorbescheid erhalten. Dadurch kämen im Vorderland 32 Plätze dazu. «Damals gingen wir von einer deutlich höheren Quote an pflegebedürftigen Personen über 65 Jahren aus», sagt Kuhn. Deshalb seien die quantitativen Voraussetzungen erfüllt gewesen. Auf der Pflegeheimliste 2017 sind 29 Betriebe aufgeführt. Sechs von ihnen sind nur bis Pflegestufe 7 zugelassen (siehe Zweittext). Diese Heime müssen bis 2026 ihr Leistungsangebot anpassen, denn in der Schweiz gilt das Prinzip der Pflegegarantie als Standard. Demnach sollen die älteren Menschen bis zum Tod in einer Institution bleiben können und über alle Pflegestufen hinweg betreut werden.

Kanton schreibt keine Mindestgrösse vor

Ab 2026 wird die Pflegegarantie auch in Appenzell Ausserrhoden gelten. Die Grösse einer Institution sei bei einer Zulassung bis Pflegestufe 12 nicht festgelegt, betont Kuhn. «Sie muss vom Betreiber bestimmt werden.» Letztlich könnten die Gemeinden das kommunale Pflegeheim- und ambulante Leistungsangebot unter Berücksichtigung ihrer Bedürfnisse realisieren. Bereits reagiert hat die Stiftung Risi in Schwellbrunn. Sie wird das Betreuungszentrum Risi ausbauen, dafür aber das Haus Sonnenberg schliessen.

Mit dem Thema Pflegeheimplanung wird sich am 12. Juni der Kantonsrat beschäftigen.