Pflegeheim wird ersetzt

In Appenzell soll ein neues Alters- und Pflegezentrum entstehen. Einen entsprechenden Rahmenkredit reicht der Grosse Rat an die Landsgemeinde weiter. Eine zweite Vorlage sieht den Bau von 50 zusätzlichen Tiefgaragenparkplätzen vor.

Johannes Wey
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Gesundheitsdirektorin Antonia Fässler setzt sich für den Bau des neuen Alters- und Pflegezentrums ein. (Bild: dsc)

Gesundheitsdirektorin Antonia Fässler setzt sich für den Bau des neuen Alters- und Pflegezentrums ein. (Bild: dsc)

appenzell. Das Projekt war an und für sich unbestritten. Dennoch gab der Neubau eines Alters- und Pflegezentrums an der Grossratssession vom Montag am meisten Anlass zu Diskussionen. Nach langem Hin und Her gaben die Grossräte grünes Licht und verabschiedeten den Rahmenkredit über 21 Millionen Franken mit einer zusätzlichen Bauherrenreserve von 2 Millionen Franken ohne Gegenstimme an die Landsgemeinde. Wird die Vorlage angenommen, startet ein Architekturwettbewerb, bei dem die Standeskommission das letzte Wort hat.

Redimensioniertes Projekt

Grossrat Walter Messmer (Appenzell) störte sich in der Eintretensdebatte daran, dass das Projekt in der zweiten Machbarkeitsstudie redimensioniert wurde. «Man kann auch am falschen Ort sparen», sagte er und verwies auf das heutige Pflegeheim, das bereits nach 28 Jahren nicht mehr genutzt werden kann. Insbesondere dass die Restaurationsbereiche in der Planung um einen Viertel auf 80 Plätze verkleinert wurden, störte Mesmer. «Damit bietet sie bereits bei kleinen Festen wie zum Beispiel einer Weihnachtsfeier zu wenig Platz.» Auch mit der geplanten Flurbreite von zwei Metern war er nicht zufrieden – im bestehenden Pflegeheim, das den heutigen Ansprüchen nicht genüge, beträgt die Breite 2,4 Meter. Bauherr Stefan Sutter erwiderte darauf, dass es die Länge sei, die einen Flur schmal erscheinen lasse. Diesem Eindruck werde mit baulichen Massnahmen entgegengewirkt. «Wir sind uns bewusst, dass beim Bau eine gewisse Grosszügigkeit nötig ist», sagte Sutter, «aber die Kosten müssen im Auge behalten werden.»

Kanton trägt Defizit

Anlass zu Diskussionen gab auch die Planerfolgsrechnung, bei der von einer Auslastung von 90 Prozent ausgegangen wird. Verschiedene Grossräte wollten wissen, ob diese Zahl realistisch sei, und wie hoch das Defizit bei einer anfänglich tieferen Auslastung ausfallen würde. Gesundheitsdirektorin Antonia Fässler erklärte, dass ein allfälliges Defizit vom Kanton getragen werde. Bei einer Auslastung von 70 Prozent würden dabei rund 450 000 Franken jährlich anfallen. Bei einer Auslastung von 80 Prozent würde das Defizit 170 000 Franken betragen. Allerdings sei die angenommene Auslastung von 90 Prozent realistisch: Bis 2005 sei sie beim bestehenden Heim, das lediglich ein Bett weniger aufweist, sogar höher gewesen.

Alters- oder Seniorenzentrum?

Zu reden gab auch die korrekte Bezeichnung der geplanten Einrichtung. Die Frage war, ob das neue Zentrum, das dereinst das heutige Pflegeheim ersetzen soll, die Pflege überhaupt im Namen führen soll. Fässler sprach sich aber bezüglich der Landsgemeindevorlage für die Bezeichnung «Alters- und Pflegezentrum» aus. Für den späteren Betrieb sei die Bezeichnung «Alterszentrum» allerdings attraktiver, um eine bessere Auslastung durch wenig pflegebedürftige Senioren zu erreichen. Reto Inauen (Appenzell) wollte gar noch weiter gehen: «Niemand ist gerne alt und niemand ist gerne pflegebedürftig», begründete er seinen Antrag, die Einrichtung «Seniorenzentrum» zu nennen. Inauens Vorschlag blieb dann allerdings chancenlos.

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