PFLEGE: Weniger Bürokratie dank AG

Die Gemeinde Eggersriet setzt auf die Verselbständigung des Pflegebetriebs und folgt damit einem schweizweiten Trend. Die Heime in der Region sind von einer Aktiengesellschaft aber noch weit entfernt.

Noemi Heule/Jolanda Riedener
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Das regionale Pflegeheim Pelago in Rorschacherberg wird weiterhin durch die Gemeinden geführt. Auch in anderen Heimen der Region steht kein anderes Geschäftsmodell zur Debatte. (Bild: Alain Rutishauser)

Das regionale Pflegeheim Pelago in Rorschacherberg wird weiterhin durch die Gemeinden geführt. Auch in anderen Heimen der Region steht kein anderes Geschäftsmodell zur Debatte. (Bild: Alain Rutishauser)

Noemi Heule/Jolanda Riedener

Das Altersheim Eggersriet ist seit Anfang Jahr als Aktiengesellschaft organisiert und folgt damit einem schweizweiten Trend: Bereits über 15 Prozent aller Pflegeheime sind als Aktiengesellschaften eingetragen. Kommt bei den Altersheimen in der Region am See ebenfalls eine Umstrukturierung hin zur AG in Frage?

Laut Beat Hirs, Gemeindepräsident von Rorschacherberg, ist das derzeit kein Thema. Mit dem Haus zum Seeblick und dem Pelago sind zwei Heime auf ­Rorschacherberger Gemeindeboden: «Eine Organisation als ­Aktiengesellschaft kommt sicher für die kommenden zwei bis fünf Jahre nicht in Frage.» Man habe sich zwar mit dem Trend ­beschäftigt und die Einführung einer Dachorganisation geprüft, die den Alters- und Pflegeheimen der Gemeinden Goldach, Rorschacherberg und Rorschach übergeordnet ist. «Wir haben diese Idee aber nicht weiterverfolgt», sagt Hirs. Mit der aktuellen Verwaltung durch die jeweiligen Gemeinden sei man zufrieden. «Es gibt auch so ausreichend unternehmerische Freiheiten», sagt Hirs. Auch in Thal sei eine AG kein Thema. «Falls wir eine neue Wohnform einführen, werden wir uns auch Gedanken zur Trägerschaft machen», sagt Robert Raths, Gemeindepräsident von Thal. Bis dahin bleibe aber alles beim Alten.

Auslagerung der Pflege als Vereinfachung

Das Gesundheits- und Seniorenzentrum Eggersriet wird seit Anfang Jahr als Aktiengesellschaft geführt. Damit sei die Arbeit nicht getan, sagt Verwaltungsratspräsident Max Rindlisbacher. «Nun müssen wir die AG zum Fliegen bringen.» Am 16. Januar tagt der fünfköpfige Verwaltungsrat ein erstes Mal. Rindlisbacher blickt auf einen «komplizierten, aber spannenden Prozess» zurück. Die juristische Feinarbeit, etwa die Festlegung der Leistungsvereinbarung mit der ­Gemeinde, war eine Her­ausforderung. Grund für die Auslagerung der Alterspflege war in Eggersriet eine Vereinfachung der verschiedenen Pflegeange­bote der Gemeinde. Die Bevöl­kerung stimmte dem Vorhaben im vergangenen März zu; Vorbehalte waren laut Rindlisbacher schnell aus dem Weg geräumt.Leistungsabbau, Kontrollverlust, Gewinnmaximierung: Mit diesen Schlagworten sehen sich Gemeinden konfrontiert, welche die Pflege auslagern. «Zu Unrecht», sagt Alfred Angerer, der an der ZHAW in Winterthur den Bereich Management im Gesundheits­wesen leitet. Eine gemeinnützige Aktiengesellschaft schütte keine Gewinne aus, zudem habe die juristische Form keinen direkten Einfluss auf die Qualität der Pflege. Vielmehr erhofften sich die Gemeinden eine Verschlankung und Entbürokratisierung, da Entscheidungen nicht mehr an Gemeindeprozesse geknüpft seien.

Die Bewohner hingegen nähmen den juristischen Schritt kaum wahr, und auch für das Personal ändert sich wenig. «Mit dem Fachkräftemangel wetteifern die Betriebe um qualifiziertes Pflegepersonal. Sie können sich keine Lohnkürzungen leisten», sagt Angerer. Auch der Vorwurf eines Kontrollverlustes sei nicht gerechtfertigt, da in Eggersriet die Gemeinde als ­alleiniger Aktionär die Entscheidungs­hoheit behalte. Die grösste Hürde sieht Angerer darin, Vorurteile abzubauen; die Kommunikation sei daher entscheidend.