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Kommentar

Der Lohnstreit in der Gemeinde Heiden:
Pfisters Sololauf ist ein Eigengoal

Gemeindepräsident Gallus Pfister wehrt sich gegen eine Lohnkürzung. Der Leitartikel zum neuen Entschädigungsreglement der Gemeinde Heiden
Jesko Calderara
Jesko Calderara.

Jesko Calderara.

Langweilig ist es in Heiden politisch zurzeit wahrlich nicht. Dafür verantwortlich ist nicht zuletzt Gemeindepräsident Gallus Pfister (FDP). Zuerst greift er bei den anstehenden Gesamterneuerungswahlen den Sitz des bisherigen CVP-Kantonsrates Werner Rüegg (CVP) an, und nun das: Weil Pfister keine Lohnkürzung in Kauf nehmen will, bekämpft er das Entschädigungsreglement. Mit seinem Sololauf fällt Pfister dem Gemeinderat in den Rücken, der sich im Edikt für ein Ja ausspricht. Die Vorlage gelangt am kommenden Sonntag zur Abstimmung.

Mit seiner unüberlegten Vorgehensweise lässt der Heidler Gemeindepräsident politisches Gespür vermissen. Irritierend ist zudem die Art und Weise, wie der Lohnstreit an die Öffentlichkeit gelangte. So verpassten es sowohl der Gemeinderat als auch Pfister selber, diesen an der öffentlichen Versammlung zum Thema Entschädigungsreglement zu kommunizieren. Stattdessen zog es Pfister vor, seinen Missmut über die drohende Lohnkürzung um rund 8000 Franken in einer Gratiszeitung kundzutun, bevor er mit einer Medienmitteilung nachdoppelte. Damit rüttelt Pfister am Kollegialprinzip, welches für das Funktionieren eines politischen Gremiums unabdingbar ist. Gar grenzwertig ist sein mittlerweile gelöschter Kurzclip auf Facebook, in dem er offen zur Ablehnung des Reglements aufruft.

Mit diesen Aktionen hat sich Pfister in eine heikle Situation manövriert. Wie soll eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Gemeinderat aussehen, wenn eines seiner Mitglieder aus Eigeninteresse ausschert? Und was geschieht, wenn das Reglement angenommen wird? Ist der Gemeindepräsident dann bereit, für weniger Lohn zu arbeiten, oder sucht er sich eine besser bezahlte Stelle? Auf all diese Fragen muss Pfister Antworten liefern, um das Vertrauen in seine Arbeit wiederherzustellen.

Eines darf man aber nicht aus den Augen verlieren: Es geht am 17. März nicht um eine einzelne Person. Das Entschädigungsreglement gilt für alle Behördenmitglieder der Gemeinde Heiden. Für individuelle Lohnwünsche ist da kein Platz. Wenn schon, hätte Pfister diese im Gemeinderat oder während der Vernehmlassung einbringen müssen. Dafür besteht allerdings kaum Grund, obschon er bei einem Ja zum Reglement etwas weniger Lohn erhält. Verständlicherweise löst eine solche Lösung beim Betroffenen keine Freude aus. Dafür steigen aber Pfisters Spesenpauschale und seine Grundentschädigung. Der variable Teil aus Sitzungsgeldern und Mandatsentschädigungen ist künftig darin enthalten.

Unbegreiflich ist der Konflikt noch aus einem anderen Grund. Pfister kämpft zurzeit um einen Kantonsratssitz. Für den Durchschnittsverdiener ist es kaum verständlich, warum er wegen ein paar tausend Franken weniger Jahreslohn ein solches Lamento aufführt. Zumal er auch mit 170000 Franken zu den Spitzenverdienern unter den Gemeindepräsidenten gehören würde. Nur wenige Tage vor den Wahlen verkommt sein Sololauf so zum klassischen Eigengoal.

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