Pfingstgeist – die Nase im Wind

Sonntagsgedanken

Josef Manser
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Begeistert, geistreich, Geistesblitz, Geistesgegenwart, Geisteskraft, Forschergeist, Teamgeist sind Begriffe, die zum Pfingstfest passen; es sind Aspekte des Heiligen Geistes. Die Bibel verwendet für den Heiligen Geist das hebräische «Ruach», was «heiliger Atem» oder «alles durchdringender Wind» bedeutet. Im Schöpfungsbericht bläst Gott dem Menschen seinen «Lebensatem» ein und macht ihn lebendig. Mit dem Geist Gottes wird eine lebendige Beziehung.

Das wahr gewordene Versprechen feiern

Der Heilige Geist wird in der ­Bibel auch als Gegenwart Gottes bezeichnet, als «Geist des Lebens aus Gott», als der «Innenwirkende», der Tröster, Beistand, Helfer. Jesus hat seinen Jüngern aufgetragen, die Menschen «im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes» zu taufen. Jesus hat versprochen, dass nach ihm einer kommt, der als Beistand da ist und hilft. An Pfingsten feiert die Kirche, dass dieses Versprechen wahr geworden ist. Durch den Heiligen Geist ist Gott erfahrbar und nahe. Wie der Heilige Geist auf die Jünger «ausgegossen» wurde, so erfüllt Gott auch heute noch Menschen mit dem Heiligen Geist. Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes, der Geburtstag der Kirche. Es begann die Verbreitung des Evangeliums als Frohbotschaft. Pfingsten ist das Fest der Gemeinschaft, wie Gott sie sich denkt. Keine christliche Gemeinde ist vollkommen – aber berufen, etwas von Gottes Geist und Licht zu spiegeln, ­Feuer und Flamme zu sein, etwas zu bewegen. In einem neueren Kirchenlied mit Ursprung in Schweden heisst es:

Wind kannst du nicht sehen,

ihn spürt nur das Ohr

flüstern oder brausen wie ein

mächt’ger Chor.

Geist kannst du nicht sehen;

doch hör, wie er spricht

tief im Herzen Worte voller Trost und Licht.

Wind kannst du nicht sehen,

aber, was er tut:

Felder wogen, Wellen wandern in der Flut.

Geist kannst du nicht sehen,

doch, wo er will sein,

weicht die Angst und strömt die Freude mächtig ein.

Hergesandt aus Welten,

die noch niemand sah,

kommt der Geist zu uns, und Gott ist selber da.

Der Wind und der Geist lassen das Leben spüren, und Gott ist selber da. Pfingsten liegt in der Luft, wenn ich meinem Atem nachspüre und die Nase im Wind habe.

Ich darf empfangen, annehmen, mich öffnen.

Josef Manser