Pfähle kränzen bei Kaltluft

Am Donnerstag haben Bäuerinnen aus Hemberg und Bächli den Viehschauplatz in Hemberg für den Freitag geschmückt und dabei auch ein bisschen geflucht – nicht nur wegen des kalten Windes.

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Viehschau-Plätze sind meistens schön geschmückt. Doch wem ist das zu verdanken? Im Falle der Viehschau Hemberg ist der Blumenschmuck auf dem Platz einigen Bäuerinnen aus Hemberg und Bächli zu verdanken. Um Punkt 13 Uhr sind sie beim Viehschauplatz angekommen. Claudia Rechsteiner hat einen Anhänger voll mit Grünzeug geladen: Tannenäste, Efeu aber auch Thuja, und anderes Heckengewächs. In einer zum Blumenkorb umfunktionierten Kühlbox hat sie ausserdem Fetthennen mitgebracht, um später im Kranz ihrem Rot farbliche Akzente zu setzen. Die Tannenäste und das übrige Grünmaterial sind bereits ausgelegt. Doch mit dem Beschmücken der beiden Holzpfähle, die später das Willkommen-Schild tragen sollen, können die Bäuerinnen erst los legen, als der Mann mit den besagten beiden Holzpfählen wenige Minuten später auch eintrifft.

Der verflixte Draht

Die beiden Blumenkränze, die ganz oben an der linken und rechten Seite des Schildes angebracht werden, um die Schrauben zu überdecken, hat Claudia Rechsteiner schon zu Hause vorbereitet. Mit Gartenscheren schneiden die Bäuerinnen konzentriert Ästchen für Ästchen ab und werfen sie nach Sorte getrennt auf kleine Häufchen. Diese Vorarbeit hinter sich machen sich je zwei Frauen an einen der beiden Pfähle. Aus einem Säckchen nehmen sie dazu Draht. Doch Claudia Rechsteiner scheint mit dem unauffälligeren grünen Draht kein gutes Händchen bewiesen zu haben. Zu locker darf sie den Draht nicht um den Holzpfahl wickeln, da sonst die Ästchen hinaus rutschen. Und zieht sie zu stark, so kommt meistens ein Fluch über ihre Lippen «verfluchter Draht». Nach einigen Versuchen gibt sie es auf und holt sich eine Spindel mit dem dickeren schwarzen Draht. Nun geht es weiter, ohne zu fluchen.

Nein, kein Wettrennen

Es dauert nicht lange, da tauchen Claudia Rechsteiners Sohn und dessen Schulfreund auf. «Wer ist schneller?», fragt der Sohn unverblümt. «Niemand, wir machen kein Wettrennen», antwortet ihm Claudia Rechsteiner. Die Fetthennen binden die Frauen diagonal ein, damit sich ein rotes Band spiralförmig um den Pfahl zieht – soweit jedenfalls die Theorie, denn in der Praxis drohen die Fetthennen schon in der Hälfte des Kranzes auszugehen. Eine der Bäuerinnen fährt los, um Nachschub zu holen.

Langsam zieht ein kalter Wind auf. Unbeeindruckt arbeiten die Bäuerinnen weiter, solange die Fetthennen noch reichen. Der Wind lässt nach und die Sonne strahlt wieder. Mittlerweile ist der Nachschub an Fetthennen gesichert und die Bäuerinnen schmücken die beiden Pfähle weiter. Thema ist die Viehschau in Nesslau. «Für die Viehschau dort haben die Bäuerinnen 50 Meter Kranz gemacht. Sie haben das Material an einer Kordel befestigt und wickeln diese dann um die Pfähle. Das sieht sehr schön aus», erzählt Claudia Rechsteiner und bittet ihre Kollegin, Agi Roth: «Kannst du mir bitte diese Tannzapfen geben, die binde ich gleich hier ein. Das sieht sehr schön aus.»

Pfähle falsch herum

Als die Pfähle fertig geschmückt sind und sich der kalte Wind zurück gemeldet hat, beginnen einige der Bäuerinnen auf dem Viehschauplatz die kleinen hübschen Sonnenblumen-Gestecke zu befestigen. Die übrigen Frauen befestigen das Schild an den beiden geschmückten Pfählen. Als sie unter Mithilfe der Bauern, die bereits weit voran geschritten sind mit dem Verteilen des Strohs auf dem Viehschauplatz, das Eingangstor zum Eingang tragen, bemerken sie das Missgeschick: Der kürzere der beiden Pfähle ist auf der falschen Seite befestigt und das Tor würde schief stehen. Mit vereinten Kräften ist in wenigen Minuten das Missgeschick behoben und «Hau-ruck» steht das Tor tadellos an Ort und Stelle.

Matthias Giger