Was Gemeinderatskandidat
Peter Künzle in Herisau ändern würde

Peter Künzle ist Geschäftsführer von Benevol St. Gallen und war jahrelang Einwohnerrat. Nun kandidiert er für die EVP als Gemeinderat und hat Ideen. 

Jesko Calderara
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Peter Künzle gehörte elf Jahre dem Einwohnerrat an. (Bild:  PD)

Peter Künzle gehörte elf Jahre dem Einwohnerrat an. (Bild:  PD)

Der Rücktritt von Gemeinderätin Regula Ammann-Höhener kam überraschend. Müssen Sie als Notnagel nun diesen Sitz retten?

Peter Künzle: Vermutlich bin ich eher die Hoffnung für Mitte-Links, diesen Sitz doch noch ins Trockene zu bringen. Rein rechnerisch steht er der EVP/CVP-Fraktion zu, die im Einwohnerrat zurzeit acht Mitglieder umfasst.

Ihre Partei warnt vor einem Rechtsrutsch im Gemeinderat. Das ist doch reine Panikmache.

Nein. Es wäre klar ein Rechtsrutsch, weil sicher zwei der Kandidierenden aus der gleichen politischen Ecke kommen. Fakt ist, dass ein Teil der Wähler in der Exekutive untervertreten wäre. Damit Veränderungen möglich werden, braucht es Mehrheiten und eine breite Abstützung. Darum ist eine ausgewogene Vertretung aller Parteien notwendig.

Sie sind im Einwohnerrat oft mit pointierten Voten aufgefallen. War eine Gemeinderatskandidatur früher noch nie ein Thema?

Doch, immer wieder. In den vergangenen Jahren bin ich von verschiedenen Parteien und Einzelpersonen angesprochen worden. Für diese Wahlen war es zunächst für mich kein Thema, weil ja ein Sitz der FDP frei wurde. Der Entscheid von Regula Ammann-Höhener hat mich und die Parteien sehr überrascht. Aber jetzt stehe ich top motiviert in den Startlöchern.

Was gab letztlich den Ausschlag für die Kandidatur?

Ich habe intensive Gespräche mit der Familie geführt. Sie muss dahinterstehen. Schliesslich ist es ein öffentliches Amt, bei dessen Ausübung man auch mal angefeindet werden kann. Eine zentrale Bedingung war die einstimme Unterstützung der Vorstände von SP, EVP und CVP. Thematisch bin ich vielseitig interessiert und es gewohnt, Führungsarbeit zu übernehmen. Zudem habe ich Ideen, in welche Richtung sich die Gemeinde entwickeln könnte.

Weiss der Gemeinderat denn nicht, wo es hingegen soll?

Ich habe den Eindruck, dass man den Gemeinderat gegen aussen zu wenig wahrnimmt. Ich wünsche mir, dass er noch transparenter kommuniziert. Es ist wichtig, dass die Parteien frühzeitig eingebunden werden, bevor Entscheidungen gefällt und umgesetzt werden.

Können Sie Beispiele nennen, wo das nicht so gelaufen ist?

Von aussen betrachtet war ich sehr erstaunt, dass der Einwohnerrat auf ein so wichtiges Projekt wie jenes der «Unteren Fabrik» nicht mal eingetreten ist. Bei solchen Geschäften ist es wichtig, die Leute mitzunehmen. Die Sanierung der Dorfkirche ist ebenfalls ein Thema, dass Jahre gedauert hat, ganz zu schweigen vom Obstmarkt oder der Arealentwicklung im Mühlebühl.

Welches Ressort würden Sie am liebsten übernehmen?

Als langjähriger Geschäftsführer von Benevol St.Gallen bin ich es gewohnt, in verschiedensten Bereichen Verantwortung zu übernehmen und unterschiedlichste Personen zu führen. Durch die Erfahrung als Sozialpädagoge wären sicher auch Kenntnisse im Sozialbereich vorhanden. Zudem gehörte ich drei Jahre der GPK des Einwohnerrates an und betreute dort das Ressort Schule. Mit dem Hintergrund als gelernter Gärtner wäre das Tiefbauamt interessant. Das Ressort Volkswirtschaft widerspiegelt das tägliche Leben und Ideen sind gefragt.

Können Sie das konkretisieren?

Bischofszell wird beispielsweise mit der Rosenwoche in Verbindung gebracht oder Appenzell mit den Läden an der Hauptgasse. Es müsste eine verbindende Vision sein, für die man begeistern kann. Ein solch übergeordnetes Ziel fehlt in Herisau. Die Zukunftswerkstatt war ein guter Ansatz auf dem sich aufbauen lässt.