PENSIONIERUNG: «Kenne jeden Winkel in Rehetobel»

Antonio Verlingieri hat während drei Jahrzehnten für saubere Gemeindestrassen gesorgt. Nun beginnt für den Strassenmeister ein neuer Lebensabschnitt mit mehr Zeit für die Familie.

Andy Lehmann
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Antonio Verligieri hat gerne für die Gemeinde gearbeitet. Er freut sich auf die Pensionierung und die geplante Reise in Spanien. (Bild: Andy Lehmann)

Antonio Verligieri hat gerne für die Gemeinde gearbeitet. Er freut sich auf die Pensionierung und die geplante Reise in Spanien. (Bild: Andy Lehmann)

Andy Lehmann

andreas.lehmann

@appenzellerzeitung.ch

Wohl jeder Einwohner kennt Antonio Verlingieri, den temperamentvollen, aber sanftmütigen Strassenmeister von Rehetobel. Sein Gesicht ist sonnengegerbt und strahlt Zufriedenheit aus. Das krause Haar grau meliert und sein Körper trainiert von der körperlichen Arbeit und vielen Radkilometern. Dreissig Jahre hat er seine Arbeit im Dienste der Gemeinde verrichtet. Nun steht die Pensionierung an. Antonio Verlingieri hat gerne für die Gemeinde gearbeitet und sich für das Wohl der Mitmenschen eingesetzt. Wenn man ihn brauchte, war er stets zur Stelle. Dabei spielte es keine Rolle, ob gerade Sonntag oder Feiertag war. «Oftmals hatte ich zu wenig Zeit, für meine Frau Verena und meine beiden Kinder war es eine entbehrungsreiche Zeit. Ich freue mich deshalb umso mehr auf den Ruhestand und möchte meiner Familie und den vier Enkelkindern etwas zurückgeben», sagt der 64-Jährige.

Aufgewachsen in der Nähe von Neapel, beschloss Antonio Verlingieri nach einem Besuch in der Schweiz, hier auf Arbeitssuche zu gehen und ansässig zu werden. Mit 17 Jahren reiste er mit seinem Schwager in die Schweiz und fand im ehemaligen Baugeschäft Züst in Rehetobel Arbeit. Seine ersten Brötchen verdiente er noch als Hilfskraft. Zwischenzeitlich waren weitere Familienangehörige nachgereist. Sein Wille, sich zu integrieren und die Sprache zu lernen, halfen ihm bei seiner Ausbildung als Maurer. Während 17 Jahren arbeitete er bei Züst und fand dann bei der Gemeinde Rehetobel eine neue berufliche Herausforderung als Strassenmeister. Er engagierte sich in der Feuerwehr ebenso wie im Zivilschutz und turnte in jungen Jahren fleissig bei der Männerriege Rehetobel mit. «Im Turnverein bin ich nicht mehr, aber die Leidenschaft zum Velofahren hat mich nie losgelassen. Es gefällt mir, wenn es stetig rauf und runtergeht. Ich habe fast das ganze Tessin mit dem Velo abgestrampelt», sagt Verlingieri.

Zu Beginn seiner Arbeit als Strassenmeister war das Equipment äusserst bescheiden. «Ich hatte nicht mal ein Fahrzeug, nur Spitzhacke, Spaten, Schneeschaufel, einige Werkzeuge und eine Schubkarre für meine vielfältigen Arbeiten», sagt Verlingieri und lacht. Heute ist er bestens mit Fuhrpark und Werkzeugen ausgerüstet. «Ich kenne jeden Winkel und jeden Stein in Rehetobel. Ich habe sowohl im Sommer als auch Winter gerne gearbeitet.» Das Schneeräumen übernimmt eine externe Firma, für das Salzen ist Verlingieri zuständig. Er erinnert sich gut an eine Episode: «Wir haben eine Schlittelpiste. Wenn es föhnig wird und der Schnee langsam schmilzt, haben mich die Leute manchmal gefragt, ob ich schon wieder Salz gestreut hätte.» Dass er immer alleine arbeiten musste, störte ihn nie. Er ist gerne sein eigener Herr und Meister. Dennoch genoss er es, mit Menschen zusammen zu sein. Ja, und manchmal wurde er, zum Dank für seine Arbeit, spontan von jemandem zum Kaffee eingeladen.

Antonio Verlingieri ist dankbar für die schönen Jahre hier in der Schweiz und dass ihn seine Familie stets unterstützt hat. Er wird als Bürger von Rehetobel dem Dorf weiterhin treu bleiben. Zurzeit ist er dabei, seinen Nachfolger Roland Mathis in die Geheimnisse der Strassenmeisterei einzuweihen. «Danach werde ich mit meiner Frau eine geplante Reise durch Spanien machen und das Leben geniessen, darauf freue ich mich.»

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