Pendlerfrust im Rotbachtal: Nun fordert eine Interpellation, dass der Regierungsrat eingreift

Die Pendlerinnen und Pendler aus dem Rotbachtal sind mit dem Fahrplan der Appenzeller Bahnen schon länger unzufrieden. Nun hat Kantonsrat Matthias Tischhauser eine Interpellation eingereicht, welche die Einflussnahme der Regierung fordert.

Astrid Zysset
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Seit Inbetriebnahme der Durchmesserlinie Ende 2018 hätte sich gemäss der IG Gute Anschlüsse der Fahrplan verschlechtert. Nun greift eine Interpellation das Anliegen auf.

Seit Inbetriebnahme der Durchmesserlinie Ende 2018 hätte sich gemäss der IG Gute Anschlüsse der Fahrplan verschlechtert. Nun greift eine Interpellation das Anliegen auf.

Bild: Astrid Zysset

Der Druck auf die Appenzeller Bahnen (AB), bessere Anschlusszeiten im Rotbachtal zu realisieren, wächst. Kantonsrat Matthias Tischhauser (FDP/Gais) hat eine Interpellation eingereicht. Diese wirft die Grundsatzfrage auf, ob der Regierungsrat bereit ist, seinen Einfluss geltend zu machen, um eine Verbesserung des Fahrplans zu erzielen. Tischhauser will damit Druck aufbauen. «Die Regierung bestellt und finanziert wesentlich die Bahndienstleistungen, und hat auch die Durchmesserlinie massgeblich mitfinanziert. Dementsprechend muss sie sicherstellen, dass sich ihre Investitionen nun auch lohnen.»

Die Durchmesserlinie kostete rund 90 Millionen Franken. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden beteiligte sich mit 23,5 Millionen Franken daran. Die einstigen Versprechungen der AB, dass mit der Durchmesserlinie das Umsteigen auf den Fernverkehr erheblich verkürzt würde, sind Tischhauser ein Dorn im Auge. «Genau das Gegenteil ist passiert.»

Anpassung des Fahrplans nicht einfach möglich

Seit der Inbetriebnahme der Durchmesserlinie Ende 2018 hätte sich der Fahrplan für die Gemeinden in Teufen, Gais und Bühler respektive für das Rotbachtal deutlich verschlechtert. Umsteigezeiten und Gesamtreisezeiten hätten sich gemäss Wortlaut in der Interpellation «massiv verschlechtert». Insbesondere die Verbindung an den SBB-Fernverkehrszug Richtung Zürich könne nicht mehr ohne lange Wartezeiten gewährleistet werden.

Die AB stellten im Bericht vom 26. Juni in dieser Zeitung bereits klar, dass sie den Frust der Pendler aus dem Rotbachtal zwar nachvollziehen können, eine Anpassung des Fahrplanes jedoch nicht einfach möglich sei.

Tischhauser will diese Antwort nicht gelten lassen. Die Regierung soll nun gewährleisten, dass alles getan werde, um eine Verbesserung der Anschlusszeiten auf den nächsten Fahrplanwechsel im Dezember zu erzielen. Das Bedürfnis der Bewohnerinnen und Bewohner sei gross. Mit einer Ausnahme haben alle Kantonsräte aus Teufen, Gais und Bühler die Interpellation unterzeichnet.

Kantonsrat Matthias Tischhauser.

Kantonsrat Matthias Tischhauser.

Bild: PD

Matthias Tischhauser selbst kennt die Problematik. Sein Textilunternehmen Tisca Tischhauser AG ist in Bühler angesiedelt. Seit der Verschlechterung der Anschlusszeiten komme für ihn wie auch seine Mitarbeitenden die Nutzung der AB, um einen Termin in Zürich wahrzunehmen, nicht mehr in Frage. Mit dem Auto geht es seitdem zu den Bahnhöfen in St. Gallen und Gossau. «Das widerspricht dem Regierungsprogramm, das vorsieht, die Dörfer durch einen verdichteten öffentlichen Verkehr mit den Zentren zu verbinden», sagt Tischhauser. Mehr noch: Er spricht davon, dass das Rotbachtal im Fahrplan aussen vor gelassen wurde.

"Das ist inakzeptabel. Teufen, Gais und Bühler sind wirtschaftlich bedeutende Gemeinden."

IG Gute Anschlüsse erfreut über Interpellation

Für eine Verbesserung der Anschlusszeiten setzt sich seit 2018 auch die IG Gute Anschlüsse ein. 600 Personen unterzeichneten im Frühjahr 2019 eine entsprechende Petition. Lanciert hatte sie IG-Mitglied Stefan Heer aus Bühler. Dementsprechend erfreut zeigt er sich nun über die Interpellation. «Wir von der IG begrüssen diese Bestrebungen ausdrücklich», sagt er. Überraschend komme der politische Vorstoss für ihn jedoch nicht. «Wir haben gute Argumente. Es war nur eine Frage der Zeit, bis andere sie aufgreifen.»

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