Pendlerfrust im Rotbachtal: Der Fahrplanentwurf 2021 der Appenzeller Bahnen sorgt für Ärger in Bühler und Gais

Ernüchterung bei der IG Gute Anschlüsse: Die Gespräche mit den Appenzeller Bahnen scheinen nichts gebracht zu haben. Der Fahrplanentwurf 2021 sieht keine Verbesserungen für Bahnreisende im Rotbachtal vor.

Astrid Zysset
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Die Abfahrtszeiten der Appenzeller Bahnen im Rotbachtal ermöglichen oft keinen Anschluss am Hauptbahnhof St.Gallen.

Die Abfahrtszeiten der Appenzeller Bahnen im Rotbachtal ermöglichen oft keinen Anschluss am Hauptbahnhof St.Gallen.

Bild: Astrid Zysset

Der Fahrplanentwurf 2021 der Appenzeller Bahnen (AB) zeigt keine grossen Veränderungen zum derzeit gültigen. Für die IG Gute Anschlüsse ist das enttäuschend. Sie kämpft seit der Inbetriebnahme der Durchmesserlinie Ende 2018 für bessere Bedingungen für Bahnreisende im Rotbachtal. Drei Gespräche fanden mit den Verantwortlichen der AB statt. Doch geholfen hat alles nichts. «Ich hatte mir wirklich mehr erhofft», zeigt sich IG-Mitglied Stefan Heer aus Bühler enttäuscht.

Stefan Heer, IG Gute Anschlüsse

Stefan Heer, IG Gute Anschlüsse

Bild: red
«Eine einfache Lösung gibt es nicht. Das ist uns bewusst. Aber unsere Argumente sind gut und wären es wert, mehr gewichtet zu werden.»

Stefan Heer hatte im Frühjahr 2019 eine Petition lanciert, die forderte, dass die Anschlüsse verbessert werden. Diese hatten sich seit 2018 «massiv verschlechtert», so Heer. Die Unterstützung für die Bittschrift war gross: Rund 600 Personen hatten sie unterschrieben.

Verbessert hat sich seitdem allerdings nichts. Heer hat das Generalabonnement abgegeben, sich ein Auto gekauft und steigt derzeit erst am Hauptbahnhof St.Gallen auf den Zug um. Denn würde er die Appenzeller Bahnen nehmen, erblickte er in St.Gallen gerade noch die Schlusslichter des abfahrenden Schnellzuges nach Zürich. Auf dem Heimweg sieht es nicht besser aus: Die Wartezeit abends in St.Gallen auf den Zug der AB beträgt rund 25 Minuten.

«Fahre ich mit dem Auto nach Hause, habe ich auf den zehn Kilometern von St.Gallen nach Bühler eine Zeitersparnis von einer halben Stunde.»

Schlechte Anschlüsse für Pendler

Kommt der neue Fahrplanentwurf durch, verpassen die Passagiere aus dem Rotbachtal den Anschluss an die meisten Fernverkehrszüge am Hauptbahnhof. Die Umsteigezeiten auf alle drei Hauptlinien des Fernverkehrs sind mit der Einführung der Durchmesserlinie beim Fahrplanwechsel 2019 gemäss IG von 5 bis 16 auf 20 bis 25 Minuten angestiegen.

Dabei bemängelt die IG insbesondere die Anschlusszeiten an den Fernverkehr. Bahnreisende aus dem Rotbachtal hätten hier das Nachsehen. Bis Teufen gilt der Viertelstundentakt, der die Problematik in der Hauptverkehrszeit etwas mildert. Weiter nach Gais und Bühler fahren nur zwei Züge pro Stunde. Die Passagiere aus den drei Gemeinden finden gemäss Heer einfach kein Gehör. Kein Wunder. Bei den Befragungen werden die Antworten aus Gais und Bühler zusammen mit denjenigen von Speicher und Trogen erhoben. Heer sagt:

«Und dort sind die Anschlusszeiten viel besser. Unsere Anliegen verschwinden somit in der Statistik.»

Doch warum waren die Gespräche mit der AB nicht zielführend? «Ich weiss es selbst nicht. Uns wurde die Komplexität des Themas veranschaulicht; die AB sehen sich vielen Anspruchsgruppen gegenüber, denen sie gerecht werden müssen. Eine transparente Übersicht, wie welche Bedürfnisse gewichtet werden, gab es aber nicht. Dies jedoch hätte eine Diskussion erst ermöglicht», so Heer. Er findet, dass den Bedürfnissen der Bahnreisenden aus dem Rotbachtal zu wenig Rechnung getragen wird. Eine Vorverlegung der Abfahrtszeiten um zwei Minuten würde schon einen Teil der Probleme lösen. Dass dies nicht einfach zu realisieren sein dürfte, ist sich Heer bewusst. Aber er findet:

«Es ist ein Unterschied, ob man den Schnellzug verpasst, der nur einmal pro Stunde fährt, oder einen Anschluss im Nahverkehr, der zigmal stündlich fährt. Genau dies ist im jetzigen Fahrplanentwurf nicht berücksichtigt.»

Die AB waren für eine Stellungnahme vor Redaktionsschluss nicht erreichbar.

Letzte Tage der Vernehmlassung

Noch bis zum 28. Juni läuft die Vernehmlassung zum Fahrplanentwurf. «Es ist wichtig, dass alle Personen ihre Anliegen dort deponieren. Denn wir können zwar Argumente liefern, aber einbringen muss sie jede und jeder selber», so Heer. Doch wenn das nichts nützt? «Das hängt von den Rückmeldungen auf die Eingaben ab», sagt Heer. «Ich denke, unsere Anliegen haben es verdient, berücksichtigt zu werden.»

Solange dies nicht der Fall ist, will sich Heer weiter für die Pendler aus dem Rotbachtal einsetzen.

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