Pendlerfrust im Rotbachtal: Die Appenzeller Bahnen beziehen Stellung

Die IG Gute Anschlüsse im Rotbachtal führt seit längerem Gespräche mit den Appenzeller Bahnen, um eine Verbesserung der Abfahrtszeiten zu erreichen. Bislang vergebens. Die Appenzeller Bahnen beziehen nun Stellung und erklären, warum eine Optimierung nicht so einfach möglich ist.

Astrid Zysset
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Bahnreisende aus dem Rotbachtal (im Bild ist Bühler zu sehen) sind mit dem Fahrplanentwurf 2021 der Appenzeller Bahnen nicht zufrieden.

Bahnreisende aus dem Rotbachtal (im Bild ist Bühler zu sehen) sind mit dem Fahrplanentwurf 2021 der Appenzeller Bahnen nicht zufrieden.

Bild: Astrid Zysset

Mit dem Fahrplanentwurf 2021 der Appenzeller Bahnen (AB) ist die IG Gute Anschlüsse nicht zufrieden. Die Abfahrtszeiten im Rotbachtal würden einen Anschluss an den schnellen Intercity-Verkehr am Hauptbahnhof St. Gallen tagsüber verunmöglichen. Abends gebe es im Gegenzug lange Wartezeiten vom schnellen Intercity auf einen Zug der AB, um wieder nach Hause nach Teufen, Bühler oder Gais zu gelangen.

Die Verantwortlichen der Appenzeller Bahnen haben nun zum Unmut, den die IG in diesem Medium zum Fahrplanentwurf geäussert haben, Stellung bezogen. Und: Sie verstehen den Frust. Doch so einfach lasse sich der Fahrplan nicht anpassen. Alle Bedürfnisse zu vereinen, gestalte sich als schwierig.

Fahrplan wurde an IC/IR-Züge angepasst

Der Grundtakt des Fahrplans richtet sich tagsüber nach den IC/IR-Zügen nach Gossau-Wil-Zürich aus. Denn 25 Prozent der AB-Kunden fragen jene Anschlüsse nach. Die Ausrichtung auf diese Züge widerspricht aber dem Bedürfnis von rund sechs Prozent der täglich umsteigenden Fahrgäste, die einen schlanken Anschluss an den IC nach Zürich-Bern-Genf nachfragen. Um diesen Anliegen gerecht zu werden, hat die AB den Fahrplan am Morgen um ein paar Minuten geschoben. «Mit diesem Kompromiss wird den unterschiedlichen Nachfragebedürfnissen am ehesten Rechnung getragen», sagt AB-Direktor Thomas Baumgartner. Allerdings ist diese Verschiebung gemäss IG nicht im zufriedenstellenden Verhältnis für die Bahnreisenden im Rotbachtal. Dies aufgrund der längeren Umsteige- und Wartezeit abends in St.Gallen. Am Morgen beträgt diese acht Minuten – aber nur bei einzelnen Zügen. Acht Minuten reichen aus, um den IC zu erreichen. Ein solches Zeitfenster generell einzuführen, sei jedoch gemäss AB nicht so einfach umzusetzen, da Anschlüsse immer in beide Richtungen funktionieren müssen.

Konkret: Die Fahrzeit von St. Gallen nach Teufen beträgt 14 Minuten, jene von Teufen nach St. Gallen 15. (Die Talfahrt ist langsamer, damit auch im steilen Gelände rechtzeitig gebremst werden kann). Somit liegt die Ankunft in St. Gallen frühestens 29 Min nach der Abfahrt des letzten Zuges. Da nun der Schnellzug aus Zürich (mit Halt) 22/52 in St. Gallen ankommt und die Umsteigezeit mindestens vier Minuten beträgt, kann die AB frühestens 26/56 abfahren. Infolge der erwähnten 29 Minuten kommt somit der Zug aus Gais frühestens 25/55 in St. Gallen an. Das reicht tagsüber mit drei Minuten Umsteigezeit nicht auf den schnellen IC nach Zürich. Daher wollten die AB am Morgen die Fahrzeiten so anpassen, dass ein schlanker Anschluss besteht.

Anliegen aus dem Rotbachtal würden gehört

Die IG behauptet, dass die Anliegen der Bahnreisenden aus dem Rotbachtal nicht gehört werden, da jene bei den Befragungen mit denjenigen aus Speicher und Trogen zusammengefasst werden. Und jene hätten bessere Anschlusszeiten. Die AB haben 49'000 Personen in den Zügen befragt; davon stammen 57 Prozent aus dem Raum Appenzell/Gais/Bühler/Teufen/Riethüsli und 43 Prozent reisen auf der Linie von Trogen nach St. Gallen. Gemäss AB wurde die Nachfrage differenziert, sogar zugbezogen, ausgewertet. Schlussfolgerung: Aus dem Raum Speicher-Trogen treffen tatsächlich weniger Forderungen nach Anpassungen ein, obschon auch von diesem Raum die Anschlusszüge identisch seien.