Pellets nicht benachteiligen

Wer in Gossau Energiefördergelder will, muss zu viel Papierkram auf sich nehmen, finden zwei Stadtparlamentarier.

Johannes Wey
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GOSSAU. Erneuerbare Energien haben es in Gossau seit der Spardebatte und den Negativschlagzeilen über die Solarstromförderung schwer. So fiel dem Sparwillen des Stadtparlaments im vergangenen Jahr auch die Abwasser-Wärmerückgewinnungsanlage im Schulhaus Büel zum Opfer, eine Herzensangelegenheit von Flig-Stadtparlamentarier Alfred Zahner. Für ihn war dies der Auslöser, zusammen mit Remo Schelb (SVP) eine Motion einzureichen, um das zu korrigieren, was die beiden bei der Förderung erneuerbarer Energien für Fehlentwicklungen halten (Ausgabe von gestern). Auch wenn die Revision des Energiefondsreglements letztlich kaum mehr mit dem «Büel» zu tun hat.

Offener formulieren

Für die beiden Parlamentarier sollten die Bestimmungen über die geförderten Energieträger viel offener formuliert werden. Aus der Sicht von Schelb, dessen RS Gebäudetechnik AG unter anderem im Bereich erneuerbarer Energien tätig ist, wird die kurze, abschliessende Liste der geförderten Massnahmen den Fortschritten in diesem Sektor schon lange nicht mehr gerecht. Zahlreiche Energieträger werden seiner Meinung nach mit dem heutigen Energiefondsreglement benachteiligt. «Für mich ist es unverständlich, dass Gossau als Standort eines der grössten Holzpellets-Werke der Ostschweiz keine Pelletheizungen fördert», nennt er ein Beispiel. Eine weitere Forderung der Motionäre: Die Anforderungen müssten vereinfacht werden. «Meine Firma ist im ganzen Kanton tätig. Und die Fördergesuche in Gossau sind die kompliziertesten, die ich kenne», sagt Schelb. Für die Vereinfachung der Gesuche habe er sich schon eingesetzt, bevor er ins Parlament nachgerückt sei.

Anliegen Gewicht verleihen

In der Motion wird auch ein Beirat vorgeschlagen, der zwischen den Anliegen der Bevölkerung und den Stadtwerken, welche den Energiefonds abwickeln, vermitteln soll. Eine Idee von Alfred Zahner: «Viele Gossauer stören sich zum Beispiel daran, dass die Sonderaktionen für Beiträge an energieeffiziente Geräte oft kurzfristig bestimmt werden.» Kaum hätten sie ein neues Gerät gekauft, habe sich herausgestellt, dass sie dafür einige Wochen später einen Beitrag aus den dafür im Energiefonds vorgesehenen 50 000 Franken erhalten hätten. Diese Kritik sei bisher auf taube Ohren gestossen. Vom Beirat erhofft sich Zahner mehr Gewicht für solche Anliegen. Eine weitere Empfehlung in der Motion ist, dass die Stadtwerke auf eine eigene Energieberatung verzichten und dafür auf die Energieagentur St. Gallen zurückgreifen.

Für Zahner ist die Motion aber noch aus einem anderen Grund wichtig: Nämlich, dass Flig und SVP für einmal zusammenarbeiten. «Ernst Zieglers Motion zur Ausnützungsziffer war der erste Vorstoss seit langem, der in allen politischen Lagern Befürworter fand. Unsere Motion ist ein weiteres Beispiel für überparteiliche Zusammenarbeit.» Bis jetzt wird die Motion auch von der SP-Fraktion unterstützt, die Fraktionen von CVP und FDP haben laut ihren Präsidenten noch nicht darüber beraten.

Prüfung ist nicht so komplex

Laut Beat Lehmann, Leiter der Stadtwerke Gossau, ist das Interesse am Energiefonds dieses Jahr verhalten. 85 000 Franken wurden bislang bewilligt, in den vergangenen Jahren wurden die rund 500 000 Franken meist ausgeschöpft. Lehmann hat sich mit der Motion auseinandergesetzt. Und relativiert einige Punkte daraus. So halte sich der Aufwand zur Gesuchsprüfung in Grenzen. Grössere Projekte würden bereits heute an die Energieagentur weitergeleitet. Für kleinere fielen in Jahren, in denen der Fonds ausgeschöpft werde, etwa 200 Arbeitsstunden an, was 13 000 bis 15 000 Franken koste.

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