PC reparieren
«Wir produzieren zu viel Elektroschrott»: Wie Herisauer PC-Doktoren mit ihrer «ReparierBar» der Umwelt helfen wollen

Ein grosser Teil der Schweizer Elektrogeräte wird in Ghana entsorgt. Dort klettern Kinder über Abfallberge, um verwertbare Materialien zu sammeln. Stefan Müller leitet mit Kollegen die «PC-ReparierBar». Die ehrenamtlichen Helfer wollen damit einen Beitrag für einen umweltfreundlicheren Umgang mit den Ressourcen leisten.

Elia Fagetti
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Aus Mitgliedern der Hackerspace ist die Reparierbar entstanden. Hier ist ein Linuxtreff im Hackerspace Ruum42 in St.Gallen.

Aus Mitgliedern der Hackerspace ist die Reparierbar entstanden. Hier ist ein Linuxtreff im Hackerspace Ruum42 in St.Gallen.

Bild: PD

Für Stefan Müller von der Herisauer «PC-ReparierBar» ist das Nichtreparieren ein Problem. Seine Eltern hätten die Haushaltsgeräte noch selbst repariert. In seiner Generation kenne er niemanden, der selbst seine Geräte flickt. Der 48-Jährige sagt:

«Ich sehe es leider auch bei meinen Kindern. Ein Smartphone hält gerade einmal knapp zwei Jahre und muss dann schon gewechselt werden. Es ist ja nicht mehr aktuell.»

Ihm ist schon vor einigen Jahren aufgefallen, dass die die Zyklen zum Austausch von Geräten immer kürzer werden. «Früher hat man einen Computer sechs bis acht Jahre behalten. Heute muss es in drei Jahren ein neues Gerät sein. Drucker halten ja noch weniger lange.»

Hersteller gegen Selbstreparatur

Doch ein Problem stellt sich bei der Idee des Reparierens. Sobald man an einem Gerät herumschraubt, erlischt die Garantie darauf. Und die meisten Hersteller geben keine Anleitungen zur Reparatur heraus. Müller, der zusammen mit Piet Koop aus Herisau und Roman Osterwalder aus Bühler die «PC-ReparierBar» leitet, erklärt, worum es sich bei der ‹right to repair› handelt.

«Das Recht, dass das Gerät selbst repariert werden kann», ist nach Müller die einfachste Erklärung. Ein simples Beispiel sei der Akku eines Smartphones. Dieser ist heute fest verbaut. Damit sei es einem Laien unmöglich, den Akku selbst auszutauschen. «Vor wenigen Jahren hätte niemand ein Natel gekauft, das einen verbauten Akku gehabt hätte. Heute denkt niemand mehr darüber nach. Das Handy ist ja in zwei Jahren sowieso alt und es muss ein neues her», findet Müller.

Inspiration aus Basel

Auf die Kultur des «Reparieren statt Wegwerfen» stiess er vor sieben Jahren. Damals hat er einen Artikel über das Basler Reparier-Café gelesen und sich gedacht, dies sei eine gute Sache. So gründete Müller mit ein paar Freunden aus der Hackerspace-Szene, die genauso Spass am Reparieren haben, die «PC-ReparierBar» als eine monatliche Veranstaltung. Sie beschränken ihre Reparaturarbeiten auf elektronische Geräte wie iPad, Notebook, PC, Drucker und so weiter. Für Müller ist eines ganz klar:

«Wir produzieren schlichtweg zu viel Elektroschrott. In Europa wird wenigstens fleissig recycelt.»

Sein Angebot werde noch nicht so oft genutzt. Es fehle an Werbung, da alle ehrenamtlich arbeiten. Und es ist auch eine Frage der Exponiertheit des Angebots. Müller sagt dazu: «Ich glaube, dass, wenn die Leute wissen, dass es Angebote gibt, nutzen sie diese vielleicht auch. Viele wollen halt nicht selbst Hand an die Geräte anlegen und haben vielleicht auch nicht mehr die Zeit dazu.»

«Leider scheint sich dies nicht so herumgesprochen zu haben, dass wir wieder bereit sind, um bei defekten Geräten helfen zu können.»

Auch bei der «PC-ReparierBar» hatte die Coronakrise einen Einfluss. Vor der Pandemie waren sie bei Veranstaltungen zu viert, nach dem Beginn der Krise reichten drei Personen aus. Ausserdem machten die Weisungen des Bundes der Gruppe einen Strich durch die Rechnung. Da lange Zeit nur maximal fünf Personen bei Treffen erlaubt waren, mussten viele Termine ausfallen. Dies führte zu einem massiven Rückgang an Teilnehmern, deswegen sucht Müller nach neuen Freiwilligen.

PC ReparierBar – Herisau

Sie helfen zu reparieren

Stefan Müller betreut alle Windows-Probleme, Piet Koop repariert Android- und Linux-Geräte und Roman Osterwalder kümmert sich um Mac und iPhone. Die drei helfen einmal im Monat unentgeltlich allen, die vorbeikommen. Das Projekt wird von der Tosam Stiftung unterstützt. Alle Termine finden sie auf der Website pc-reparierbar.ch. Das Ganze wird durch Spenden finanziert.