«Party und Schlager vermischen sich»

Das Herisauer Schlager- und Volksmusik-Duo Stixi & Sonja will demnächst wieder mit einer Eigenproduktion punkten. Im Interview schildern sie überdies ihre Begeisterung für die DSDS-Siegerin Beatrice Egli. Stixi nennt sie eine «Nudel». Eine Enttäuschung bescherte dem Duo heuer das SRF.

Roger Fuchs
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Stixi und Sonja, in den letzten Monaten haben Sie mit gecoverten Songs begeistert. Wie lange müssen die Fans noch warten, bis es wieder einmal einen Song gibt, den man nicht schon von irgendwoher kennt?

Stixi: Nicht mehr lange. Unser nächster Song wird eine Eigenproduktion sein. Der Titel lautet «Der Bär ist los». Es ist geplant, dass dieser Song auf den kommenden Winter rauskommt. Mit anderen Worten: Wir bringen einen Après-Ski-Hit auf den Markt.

Und dieser ist von A bis Z von Ihnen?

Stixi: Nein, aber der Titel wurde extra für uns gemacht. Derjenige, der die Musik komponiert hat, feiert Erfolge unter dem Namen Mike Candys. Er ist Musikproduzent und heisst mit bürgerlichem Namen Michael Kull. Den Text für unseren baldigen neuen Song hat Ursula Schneider geschrieben. Sie war es auch, die einst den Songtext «Bete zu unserem Herrgott» verfasst hat.

Auch wenn Musik und Text nicht von Ihnen beiden stammen, so gibt's vorerst also doch eine Pause bezüglich gecoverten Songs.

Sonja: Genau, man muss aber sagen, dass wir sehr zufrieden waren mit den jüngsten Titeln «Schätzli schenk mir es Foti» und «Ibiza». Chart-Erfolge mit schweizerdeutschen Titeln zu erzielen, ist nicht einfach.

Stixi: Was Auftritte anbelangt, so wollen wir keine grossen Auslandauftritte mehr. Erst kürzlich haben wir eine Anfrage für eine Amerikatournee erhalten. Dabei hätten wir rund 22 Konzerte bestreiten können. Doch wir haben abgesagt.

Sonja: Wir haben jetzt unseren kleinen Sohn, Roy, und den wollen wir möglichst wenig alleine lassen. Familie hat für uns derzeit oberste Priorität. Und überhaupt, wir waren schon so oft unterwegs.

In der Tat. Sie haben international Karriere geschrieben. Gefördert wurde diese auch durch den Grand Prix der Volksmusik. Ende 2010 ist dieser internationale Wettbewerb aber von den Sendern SRF, ZDF und ORF abgesetzt worden. Wie weh tat dies?

Stixi: Das war schmerzhaft; aber nicht nur für uns, sondern für die gesamte Volksmusik-Branche. Was viele nicht wissen: Sonja und mich verbindet mit dem Grand Prix der Volksmusik noch mehr als nur die Musik. Wir haben uns bei diesem Wettbewerb kennengelernt. 1990 sind sowohl Sonja als auch ich dort mit einem Solotitel aufgetreten. Rückblickend sind wir beide sicher diejenigen, die am meisten beim Grand Prix der Volksmusik dabei gewesen waren. Dreimal konnten wir die Schweiz auch am Internationalen vertreten.

Und was geht Ihnen, Sonja, durch den Kopf, wenn Sie an das Ende des Grand Prix zurückdenken?

Sonja: Es ist natürlich eine Katastrophe. Dieser Wettbewerb war ein Sprungbrett für die Jungen. Heute gibt es nichts mehr Vergleichbares, und Neulinge haben keine Möglichkeit, sich und ihre Musik zu präsentieren.

Woran liegt es denn, dass Schlagermusik dermassen verdrängt wird?

Stixi: Die Absetzung des Grand Prix der Volksmusik wurde mit den zurückgegangenen Einschaltquoten begründet. Hinzukommt aber sicher auch, dass die neue, junge Redaktoren-Generation keinen Bezug mehr zu dieser Musikrichtung hat. Manchmal habe ich geradezu den Eindruck, sie würden diese Musik gar bekämpfen.

Haben Sie selbst denn auch probiert, Ihre Songs wie «Ibiza» und «Schätzli schenk mir es Foti» in die Medien zu bringen?

Sonja: Diese Titel sind bei vielen Radiostationen gelaufen, grosse Auftritte in Fernsehsendungen hatten wir damit aber nicht.

Stixi: Sicher ein wenig enttäuscht waren wir, dass wir bei der in diesem Sommer live aus Herisau ausgetragenen Sendung «SRF bi de Lüüt» nicht mitmachen durften. Offenbar holt man sich heute lieber einen englischen Act wie Status Quo.

Vielleicht müssten Sie sich überlegen, ob nicht mal ein Auftritt beim Eurovisions Song Contest in Erwägung zu ziehen wäre.

Sonja: Darüber haben wir tatsächlich schon nachgedacht. Bis anhin schickten wir aber noch nie eine Bewerbung ab.

Stixi: Sag niemals nie. Die Olsen Brothers haben den Eurovision Song Contest auch schon gewonnen, und das mit 60 Jahren. Aber wie Sonja sagt, wir haben uns noch nie darum beworben. Wenn wir daran teilnehmen, würden wir gerne etwas machen, bei dem unsere Heimat zum Tragen kommt. Also beispielsweise eine Produktion mit einer Streichmusikformation und darin integrierten modernen Elementen.

Woher kommt eigentlich die Begeisterung für den Schlager?

Sonja: Bei mir hat meine Mutter das Interesse am Schlager geweckt. Sie hatte viel mit mir gesungen. Und sie besass auch viele alte Platten wie beispielsweise solche von Peter Alexander, Conny Froboess oder auch Chris Roberts.

Stixi: Auch meine Eltern waren eng mit dieser Musik verbunden, ich selbst habe oft im Versteckten Schlager gehört. Sich mit 15 oder 16 Jahren als Schlagerfan zu outen, ist nicht sehr cool.

Nun aber gibt es seit der diesjährigen Sendung «Deutschland sucht den Superstar» wieder eine junge Frau, die öffentlich für den Schlager einsteht: Beatrice Egli. Wie erleben Sie die DSDS-Siegerin?

Stixi: Die ist super. Wir haben aber auch noch eine ganz besondere Erinnerung an sie. 2010 sind wir mit ihr am Grand Prix der Volksmusik gewesen. Wir erreichten den dritten Platz, sie dagegen schaffte es nicht unter die ersten vier und konnte die Schweiz nicht am internationalen Wettbewerb vertreten. Heute aber leistet Beatrice Egli mit ihren Erfolgen dem Schlager einen grossen Dienst.

Sonja: Sie macht es einfach toll, man hört auch nur Positives über sie. Ihr Auftreten, ihre Fröhlichkeit, das ansteckende Lachen – all dies trägt zu ihrem Erfolg bei. Auch schauspielerisch hat sie einiges drauf.

Stixi: Auch zu ihren Rundungen steht sie. Sie ist einfach eine Nudel.

Was Egli derzeit durchlebt, muss doch der Traum aller Künstler sein. Wie eifersüchtig sind Sie in solchen Momenten?

Sonja: Ich bin überhaupt nicht eifersüchtig. Ist ja klar, dass man einen solchen Erfolg hat als Siegerin von DSDS. Und beim Weg über Deutschland hat man einfach viel die grösseren Möglichkeiten. Der Markt ist grösser. In der Schweiz ist es viel schwieriger, Fuss zu fassen.

Stixi: Ich glaube schon, dass die Eifersucht in der Szene gross ist; vor allem bei anderen Girls. Wir sind ja ein Duo. Ausserdem sind wir schon über zwanzig Jahre auf der Bühne, wir haben die grossen Fernsehsendungen alle auch erlebt. Jetzt sind wir vielleicht ein wenig in die Jahre gekommen, doch solange wir Musik machen können und es Menschen gibt, die uns zuhören, haben wir den Plausch. Dennoch wäre man sicher auch gerne wieder einmal bei einer grossen Fernsehkiste dabei. Dies vor allem dann, wenn eine solche, wie ich bereits erwähnt habe, in der eigenen Heimat stattfindet.

Sonja: Eine Teilnahme am Musikantenstadel wäre auch etwas, das wir uns schon immer gewünscht haben. Doch es ist extrem schwierig, dort reinzukommen. Es gibt nur vier Sendungen im Jahr, und jeden Monat kriegen die Verantwortlichen 500 Bewerbungen von Plattenfirmen, die ihre Künstler unterbringen wollen.

Stixi: Wir freuen uns vorerst jetzt riesig auf den 25. Oktober. Dann dürfen wir im Rahmen des Jubiläums ARAI 500 in Herisau auftreten.

Und das ist für Sie als Künstlerpaar natürlich eine weitere Möglichkeit, die aktuellen Coverhits zu präsentieren. Warum haben Sie sich eigentlich entschieden «Schätzli» und «Ibiza» zu covern?

Sonja: «Schätzli» hat uns einfach gefallen. Allein schon der Name ist originell. Und Mickie Krause, der den Titel auf Hochdeutsch singt, ist natürlich auch originell. Darum haben wir den Song ins Schweizerdeutsche übersetzt und neu interpretiert. Und der Titel ist beim Publikum sofort gut angekommen.

Stixi: Wir waren die ersten, die überhaupt die Rechte erhielten, den Song in einer neuen Sprache zu interpretieren.

Wie muss man sich das Prozedere vorstellen, bis Ihr Euch für einen neuen Coverhit entscheidet?

Stixi: Wir machen eine Auslegeordnung. Wir haben auch im Internet gesucht und uns auf YouTube herumgehört. Die grosse Frage dabei ist natürlich immer, ob man die Rechte bekommt. Dass wir uns letztlich für die beiden erwähnten Titel entschieden haben, hat mit der Tatsache zu tun, dass wir auf der Bühne Stimmungsmacher sind. Und da boten sich diese Songs an.

Doch wer von Ihnen hat am Schluss das letzte Wort bei der Entscheidung?

Stixi: Wir entscheiden immer zu dritt. Zum einen Sonja und ich, zum anderen muss aber auch Beat Müller, unser Manager, dahinterstehen können. An ihm liegt es auch, den Titel zu verkaufen.

Wie angetönt handelt es sich bei «Ibiza» und «Schätzli schenk mir es Foti» um Stimmungs- und Partyhits. Sind Stixi und Sonja heute denn mehr ein Party- oder mehr ein Schlager-Duo?

Sonja: Wir machen nach wie vor alles. Wir mögen die Partystimmung, aber auch ein ruhiger Titel wie «Bete zu unserem Herrgott» gehört weiterhin zu unserem Repertoire.

Stixi: Ich denke, man kann die einzelnen Stile nicht mehr so stark voneinander trennen. Party und Schlager vermischen sich tagtäglich. Nehmen wir als Beispiel Jürgen Drews. Er ist eigentlich auch ein Schlagersänger. Trotzdem sorgt er mit seinen Schlagern auch für Party auf Mallorca. Also, ich würde uns nicht unbedingt als Party- oder Schlager-Duo bezeichnen. Für die meisten gelten wir immer noch als Volksmusik-Duo.

Ein Volksmusik-Duo, das auf Schlager und Party setzt, weil sich dies besser vermarkten lässt als ein Titel wie «Bete zu unserem Herrgott».

Stixi: Das würde ich nicht so sagen. «Bete zu unserem Herrgott» ist sehr gut angekommen. Bei Live-Auftritten wird mit Party-Songs aber natürlich mehr Stimmung gemacht.

Sonja: Treue Fans erwarten von uns auch, dass wir die bekannten ruhigen Titel singen. Es ist ja sowieso unmöglich, eine Stunde lang die Hände in die Höhe zu strecken.

Singt Euer Sohn Roy eigentlich auch schon?

Sonja: Musik gehört zu unserem Familienleben dazu. Wir haben Zuhause im Obergeschoss ein Musikzimmer eingerichtet, wo vor allem Stixi und Roy immer wieder zusammen anzutreffen sind. Manchmal kommt man kaum mehr durch. Roy dekoriert jeweils das ganze Zimmer. Unheimlich herzig ist, wie Roy alle unsere CDs anhört, die wir schon herausgegeben haben.

Also ein Nachwuchssänger?

Stixi: Roy soll mal machen können, was ihm gefällt. Wir werden ihm sicher nicht vorschreiben, dass er Schlager singen muss.

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