Parteigründung in Zeiten von Corona: Junge Grüne Appenzellerland gründen sich online

Am 20. April kommt es zur Gründung der Jungen Grünen Appenzellerland. Wegen des Versammlungsverbots findet diese allerdings nicht im gewohnten Rahmen statt. 

Claudio Weder
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«Viele junge Menschen sorgen sich um die Umwelt», sagt Nina Cramer, künftige Co-Präsidentin der Jungen Grünen Appenzellerland und Mitglied der Klimastreikbewegung.

«Viele junge Menschen sorgen sich um die Umwelt», sagt Nina Cramer, künftige Co-Präsidentin der Jungen Grünen Appenzellerland und Mitglied der Klimastreikbewegung. 

Bild: PD

Die Gemeindeversammlungen sind abgesagt, die Landsgemeinde verschoben und auch die Kantonsparlamente tagen nicht: Die Coronakrise hat das politische Leben im Appenzellerland lahmgelegt. Zumindest jenes, das im Normalfall, das heisst ohne die Pandemie, in der Öffentlichkeit stattfinden würde. Der politische Stillstand ist allerdings nur ein scheinbarer. In der Appenzeller Politlandschaft tut sich nämlich trotz Versammlungsverbot etwas: Einer Medienmitteilung zufolge kommt es am kommenden Montag zur Gründung der Jungen Grünen Appenzellerland. Was gemäss Mitteilung einmalig in der Schweiz ist: Die Partei wird online gegründet.

Der Zeitpunkt sei für die entstehende Jungpartei ideal. «Jetzt erst recht», sagen sie sich. Und weiter heisst es in der Mitteilung: «Wir wollen unsere Gründung nicht weiter hinauszögern, denn gerade die aktuelle Lage verlangt nach einer starken jungen grünen Stimme.»

Junge machen sich Sorgen um die Umwelt

Nina Cramer, künftige Co-Präsidentin der Jungen Grünen Appenzellerland.

Nina Cramer, künftige Co-Präsidentin der Jungen Grünen Appenzellerland.

Bild: PD

Nina Cramer, künftige Co-Präsidentin der Jungen Grünen Appenzellerland, sagt:

«Im Appenzellerland gibt es sehr viele alteingesessene Parteien.»

Und weiter: «Wir jungen Leute haben oft mit dem Image zu kämpfen, wir seien politisch nicht aktiv.» Gerade deshalb brauche es die Jungparteien umso mehr, ist Cramer überzeugt. Es gehe eben auch darum, ein Zeichen zu setzen, dass die jungen Appenzellerinnen und Appenzeller in Sachen politische Aktivität den andern nicht mehr hinterherhinken.

Nina Cramer ist 23 Jahre alt, wohnt in Speicher und studiert Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich. Das Präsidium der neu entstehenden Jungpartei wird sie sich mit dem 16-jährigen Maximiliano Urdax aus Herisau teilen. Als Motivation für ihr politisches Engagement nennt Cramer die Wahlen im vergangenen Herbst:

Maximiliano Urdax, künftiger Co-Präsident der Jungen Grünen Appenzellerland.

Maximiliano Urdax, künftiger Co-Präsident der Jungen Grünen Appenzellerland.

Bild: PD
«Der grosse Wähleranteil der Grünen hat gezeigt, dass in der Bevölkerung das Bedürfnis nach einer grünen politischen Stimme da ist.»

Dies habe sie motiviert, den Jungen Grünen beizutreten. Gemeinsam mit vier weiteren Mitgliedern aus dem Appenzellerland entstand nach und nach die Idee, eine eigene Sektion im Appenzellerland zu gründen. Die Grünen brauche es nun, da das Klimawandelproblem akuter denn je erscheint, umso mehr, sagt Cramer, die seit rund einem Jahr auch in der Klimastreikbewegung aktiv ist. Auch im Appenzellerland sei der Handlungsbedarf da:

«Viele junge Menschen sorgen sich um die Umwelt, aber auch um die soziale Gleichberechtigung und die Solidarität. Diese Themen wollen wir nun vermehrt auch auf die politische Agenda der beiden Appenzeller Halbkantone setzen.»

Konkrete Ideen und Ansätze kann Cramer derzeit noch keine präsentieren: «Die Partei existiert ja auch noch nicht offiziell.» Klar sei aber, dass die Jungen Grünen mit diversen Aktionen im Appenzellerland präsent sein und sich aktiv in den politischen Diskurs einbringen wollen. Letzteres ist bereits geschehen. So hatten sich die Jungen Grünen bereits im Februar in der Vernehmlassung zur Revision des Ausserrhoder Energiegesetzes geäussert und zu den einzelnen Artikeln konkrete Änderungen beantragt. Mit dem aktuellen Vorschlag werde das Ziel der landesweiten Klimaneutralität bis 2050 nämlich bei weitem verfehlt, so Cramer.

Bereiten sich auf die virtuelle Gründung der Jungen Grünen Appenzellerland vor: Maximiliano Urdax, Nina Cramer und René Mettler.

Bereiten sich auf die virtuelle Gründung der Jungen Grünen Appenzellerland vor: Maximiliano Urdax, Nina Cramer und René Mettler. 

Bild: PD

Onlineformat bietet neue technische Möglichkeiten  

Die Versammlung wird über das Videokonferenztool Zoom abgehalten. Dass die Partei online gegründet wird, habe zum einen mit den aktuellen Umständen zu tun, welche eine Gründungsfeier in der Öffentlichkeit schlicht unmöglich machen, sagt Nina Cramer.

«Gleichzeitig wollen wir damit aber auch ein Zeichen setzen, dass physische Treffen dank der fortschreitenden Digitalisierung in der heutigen Zeit nicht mehr unbedingt nötig sind. Auch in der Politik nicht.»

Zudem biete das Onlineformat neue technische Möglichkeiten: «Wir werden zum Beispiel ein spezielles Spiel durchführen, das nur virtuell möglich ist.»

Die Versammlung beginnt um 20 Uhr. Nach den offiziellen Traktanden werden Nationalrätin Franziska Ryser sowie Julia Küng, Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz, eine Grussbotschaft an die Teilnehmenden richten. Die Versammlung ist öffentlich. Alles was es zur Teilnahme braucht, ist ein Computer und eine Internetverbindung – und allenfalls Snacks und Getränke für das anschliessende gemütliche Beisammensein.  

Teilnahme an der Versammlung über folgenden Link: https://us04web.zoom.us/j/538250419