Parkieren nach Lust und Laune

WALZENHAUSEN. Die Bürger Walzenhausens haben das Parkierungsreglement letzten Sonntag abgelehnt. Die Gegner des Reglements zeigen sich trotzdem unzufrieden mit der aktuellen Parkplatzsituation. Von einer baldigen Alternative ist nicht auszugehen.

Carmen Bauer/ stephanie Sonderegger
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Grosses Problem in Walzenhausen: Dauerparkierer auf öffentlichen Parkplätzen. (Bild: sso)

Grosses Problem in Walzenhausen: Dauerparkierer auf öffentlichen Parkplätzen. (Bild: sso)

Mit einem neuen Reglement sollte in Walzenhausen das Problem des Parkierens gelöst werden. Zu wenige Parkplätze und falsch parkierte Autos verärgern die Anwohner immer wieder – trotzdem wurde am Abstimmungswochenende das Parkierungsreglement mit 60 Prozent verworfen.

Dauerbesetzte Parkplätze

«Das Problem wäre mit dem neuen Reglement nicht gelöst», davon ist eine Gastronomin aus Walzenhausen überzeugt. Das Hauptproblem sei, dass zu wenige Parkplätze vorhanden seien, und das Parkierungsreglement keine neuen geschaffen hätte. Die Angestellten des Ladengeschäfts hätten zwar alle einen Parkplatz zur Verfügung, doch für die Serviceangestellten sei nur noch eine Parkmöglichkeit vorhanden: «Die Restlichen müssen die Autos auf den öffentlichen Parkplätzen abstellen, was nicht Zweck der Sache ist.» Das gleiche Problem hätten auch andere Gastrobetriebe im Dorf. Ein weitere Schwierigkeit seien die unwissentlich falsch parkierten Fahrzeuge der Gäste des Hotels Walzenhausen: «Sie benutzen die öffentlichen, weiss markierten Parkplätze statt die hoteleigenen Parkfelder. Dadurch sind sie dauerhaft blockiert.»

Zu wenig Kontrollen

Die Verantwortlichkeit für die Kontrolle des ruhenden Verkehrs liegt grundsätzlich bei der Kantonspolizei, so Hanspeter Saxer, stellvertretender Chef Regional- und Verkehrspolizei Ausserrhoden. Darunter fällt auch die Kontrolle und Bewirtschaftung der Blauen Zonen. «Mit Hilfe eines Parkierungsreglements kann diese Kompetenz jedoch an die Gemeinden delegiert werden.» Es liege an der Gemeinde, diese Möglichkeit zu nutzen.

«Kontrollen werden kaum gemacht», äussert sich die Kioskbetreiberin Christine Brandenberger. Sie ist verärgert darüber, hat sie doch selber vor Jahren die Parkfelder beaufsichtigt: «Damals war ich im Gemeinderat. Ich weiss, wie schwierig die Situation ist.» Nun werde nur noch der Bahnhof bewirtschaftet: «Der Gemeinderat hätte bereits jetzt die Möglichkeit, die Parkplätze zu kontrollieren.» In ihrer Ansicht wird sie von weiteren Anwohnern unterstützt: «Vermehrte Kontrollen würden die Situation bestimmt entschärfen. Allerdings würde es gerade für Kunden, die nur kurze Einkäufe erledigen möchten, Nachteile mit sich bringen.»

Keine Verkehrsangestellten

Die Gemeinde hingegen sieht die Probleme an anderen Stellen: «Wir würden gerne kontrollieren, uns fehlt aber die gesetzliche Grundlage», so Nathalie Cipolletta von der Gemeindekanzlei. Auch seien keine Verkehrsangestellten für die Gemeinde tätig: «Wenn die Bürger das Reglement angenommen hätten, wäre diese Stelle geschaffen worden.» So sei die Bewirtschaftung der Parkplätze weiterhin Sache der Polizei. Wie es mit dem Parkieren in Walzenhausen weitergeht, ist vorerst unklar. Bis auf Weiteres bleibe alles beim alten, da das Reglement abgelehnt worden sei.

Ideen zur Lösung vorhanden

Lösungsvorschläge hätten sowohl Christine Brandenberger als auch die Café- und Ladenbesitzerin: Parkhäuser würden die Situation extrem entlasten, sind sie sich einig. Einen Vorstoss für ein solches gab es vor einigen Jahren. Eine Aufstockung des jetzigen Hotelparkplatzes war geplant, ist aber nicht zustande gekommen. «Seither hat sich in diesem Bereich nichts mehr getan», so die Café- und Ladenbesitzerin. Gemeindepräsident Hansruedi Bänziger erklärt wieso. Aufgrund der fehlenden rechtlichen Grundlage hätte ein privater Investor das Projekt in Angriff nehmen müssen, was schlichtweg zu teuer gewesen wäre. Und weiter: «Ohne Parkierungsreglement kann die Gemeinde kein Parkhaus erstellen lassen.»