Paralympics
Coronamassnahmen vermindern Gewinnchancen von Gaiser Behindertensportlerin Sandra Graf

Zuerst führte die Pandemie zu einer Verschiebung der Spiele, dann wurde der Sportlerin auch noch die Teilnahme am Marathon verwehrt.

Karin Erni
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Sandra Graf hofft, an ihrer letzten Olympia-Teilnahme eine weitere Medaille zu gewinnen.

Sandra Graf hofft, an ihrer letzten Olympia-Teilnahme eine weitere Medaille zu gewinnen.

Bild: Karin Erni

In rund zwei Wochen beginnen in Tokio die 16. Paralympics. Für die Gaiser Sportlerin Sandra Graf ist es die sechste und wohl letzte Teilnahme. «Ich freue mich, aber es werden besondere Spiele sein. Wir können keine Wettkämpfe besuchen und mit den Kolleginnen und Kollegen mitfiebern», bedauert die Sportlerin. Besonders bitter: Wegen der strengen Coronaregeln darf die Handbikerin in ihrer zweiten Sportart, dem Marathon im Rennrollstuhl, voraussichtlich nicht teilnehmen. Sie erklärt warum:

«Die Leichtathletik- und Cyclingwettkämpfe finden an unterschiedlichen Orten statt und ein Sportstättenwechsel ist ziemlich sicher unmöglich, wurde mir mitgeteilt.»

Nun muss sie sich ganz aufs Handbike konzentrieren, mit dem sie das Strassenrennen und das Zeitfahren absolviert. Letzteres würde ihr zwar besser liegen, erklärt sie. «Doch durch das Zusammenlegen von Behinderungsklassen wird in diesem Wettkampf die Konkurrenzsituation sehr schwierig werden für mich.» Ein weiterer Nachteil sei die coronabedingte Verschiebung der Paralympics gewesen, erklärt die 51-Jährige. «Ich musste mich nochmals neu fokussieren und bin unterdessen auch ein Jahr älter geworden.»

Wettkampfform stimmt

Bereits die Vorbereitung auf die Spiele sei speziell gewesen: Sie habe extrem viel Papierkram erledigen und unzählige Formulare ausfüllen müssen. In Tokio wird Sandra Graf dann viel allein sein. Weder ihr Mann noch die beiden Töchter können sie begleiten. Ihr Leben wird somit aus Trainieren, Essen und Wettkampf bestehen. Besichtigungen und Restaurantbesuche liegen nicht drin. «Das ist Einstellungssache, ich bereite mich mit Mentaltraining auf diese Situation vor. Zudem nehme ich Bücher und Spiele mit nach Japan.»

Die Coronazeit habe aber auch ihr Gutes, findet Sandra Graf. «Weil nichts los war, hatte ich viel Zeit zum Trainieren und konnte den Fokus ganz auf Tokio richten.» Ein bis zwei Einheiten absolviert sie pro Tag. Rund 15 Stunden pro Woche sitzt, oder besser liegt, sie auf dem Bike. Sie trainiert im Appenzellerland oft auf einer Route, die in Länge und Topografie etwa der olympischen Strecke entspricht. Bei schlechtem Wetter absolviert sie die Einheiten zu Hause auf der Rolle. Dazu kommen regelmässig Mentaltraining und Massagen. Seit drei Jahren trainiert sie wieder mit der Appenzeller Sportschule in Teufen. Unter Trainer René Wyler habe sie Fortschritte verzeichnen können, sagt Sandra Graf.

«Wir haben viel Krafttraining gemacht, das hat mir einen Kick gegeben.»

Sie fühlt sich derzeit gut in Form und gewann im Juni bei der Weltmeisterschaft im portugiesischen Cascais im Zeitfahren Bronze. Drei Olympia-Medaillen, eine goldene und zwei bronzene, hat sie bereits gewonnen. «Es wird zwar schwierig, doch ich habe mir vorgenommen, in Tokio eine Medaille zu gewinnen.»

Vorbereitung in der Hitzekammer

Kommende Woche wird sie ihr Training in die Hitzekammer ins Velodrome im solothurnischen Grenchen verlegen. Bei 36 Grad Celsius und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit bereitet sie sich auf die Bedingungen an den Paralympics in Tokio vor. Bereits im Februar habe sie erstmals einen Test in der Hitzekammer durchgeführt. Dabei galt es, herauszufinden, wie ihr Körper auf die Wärme und die extreme Luftfeuchtigkeit reagiert. «Je nachdem, wie viel man schwitzt, muss man die Trinkmenge erhöhen und mehr Mineralstoff einnehmen.»

Dass es danach bis zum Abflug am 23. August wieder eine Pause mit anderen Bedingungen gebe, sei kein Problem, sagt Graf. «Der Körper kann solche Informationen abspeichern. Zudem reise ich bereits eine Woche vor dem Einsatz nach Japan. So kann ich mich bereits etwas akklimatisieren.» Ihr erster Einsatz wird am 31. August im Zeitfahren sein. Am 1. September absolviert sie das Strassenrennen. Fernsehen SRF berichtet jeweils um 19 Uhr detailliert über die Spiele.

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