«Panik wäre völlig unbegründet»

WATTWIL. Der Förderverein Bildungsstandort Toggenburg atmet auf, weil die Kanti Wattwil gesichert ist. Gleichzeitig sieht der Verein die Substanz der Kanti wegen einer möglichen Kontingentslösung mit Pfäffikon bedroht. Am Dienstag stellte sich Regierungsrat Stefan Kölliker den Fragen.

Hansruedi Kugler
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«Bewahrt Ruhe» – Regierungsrat Stefan Kölliker (rechts) versichert, dass die Kanti Wattwil nicht «ausgeblutet» wird. Links Mathias Müller, Präsident Förderverein Bildungsstandort Toggenburg. (Bild: Hansruedi Kugler)

«Bewahrt Ruhe» – Regierungsrat Stefan Kölliker (rechts) versichert, dass die Kanti Wattwil nicht «ausgeblutet» wird. Links Mathias Müller, Präsident Förderverein Bildungsstandort Toggenburg. (Bild: Hansruedi Kugler)

WATTWIL. Regierungsrat und Bildungschef Stefan Kölliker brachte am Dienstagabend eine Kernaussage mit: «Für mich ist absolut zentral, dass eine mögliche Kontingentslösung mit Pfäffikon keine Schwächung der Kanti Wattwil zur Folge haben darf.» Mit dieser klaren Aussage reagierte er auf die im Förderverein Bildungsstandort Toggenburg verbreitete Skepsis. Mit dieser Aussage hätte man den Abend schliessen können. Die Mitglieder des Fördervereins, darunter der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner und diverse Kantonsräte, hatten trotzdem noch Fragen: «Warum überhaupt Verhandlungen mit Schwyz aufnehmen, wenn doch die Schulqualität in Wattwil anerkannt und der Schulweg vertretbar ist?», «Wie viel Reduktion der Schülerzahl erträgt die Kanti Wattwil ohne Substanzverlust?», «Ist es finanzpolitisch vertretbar, bis zu 200 Schüler in einen anderen Kanton zu schicken?» Ein Jahr nach seiner Gründung hatte der Verein am Dienstagabend zur ersten Hauptversammlung in die Aula der Kanti Wattwil geladen. Der Förderverein atmet zwar auf, weil die Kanti definitiv in Wattwil bleibt. Gleichzeitig sieht der Verein aber die Substanz der Kanti bedroht: «Es ist keinerlei Spielraum vorhanden für eine Reduktion der Schülerzahlen», sagte Mathias Müller, Präsident des Fördervereins, in seinem Referat, in dem er detailliert die Folgen einer Reduktion der Schülerzahlen auf das Fächerangebot an der Kanti aufzeigte.

«Todesstoss für Big Band»

Schon 2016 falle die Wirtschaftsmittelschule weg, was einen Rückgang der Schülerzahlen von 700 auf rund 650 bedeute. Wenn dann noch 100 Rapperswiler fehlen, käme die Kanti Wattwil bereits in eine kritische Grösse von 550 Schülern, führte Mathias Müller aus. Dann müssten Italienisch und Latein als Schwerpunktfächer gestrichen werden, und der zweisprachige Ausbildungsgang würde wegfallen. Noch schlimmer käme es beim Wegfall von 200 Rapperswiler Schülern. Dann würde die kritische Grösse mit nunmehr 450 Schülern deutlich unterschritten: Musik, Gestalten, Physik oder Mathematik könnten dann nicht mehr als Schwerpunkte geführt werden. Zudem wäre dies der Todesstoss für die Kanti Big Band, das Jugendorchester «il mosaico» und die naturwissenschaftliche Bildungsgruppe Academia – allesamt nicht nur Aushängeschilder für die Kanti Wattwil, sondern auch einmalige Bildungschancen für die Kantischüler.

Reduktion ohne Qualitätsabbau

Für ihn als Bildungschef habe selbstverständlich die Schulqualität höchste Priorität, sagte Stefan Kölliker. Dahinter stehe auch die Gesamtregierung. «Panik wäre völlig unbegründet.» Im Regierungsbeschluss zum Kantistandort heisst es denn auch: «Es entspricht jedoch nicht dem Willen der Regierung, die Kantonsschule Wattwil so weit auszudünnen, dass diese Abstriche am bisher breiten Lehrgangsangebot vornehmen müsste.» Er habe sich in Gesprächen mit Kanti-Rektor Martin Gauer die spezielle und eindrückliche Kultur dieser Kanti erläutern lassen, sagte Stefan Kölliker. Er sei sich auch bewusst, dass die von der Regierung im Sommer 2013 genannte Mindestgrösse von 500 Schülern für eine Kanti nur für ein reines Gymnasium gelte. Eine Landkanti mit breitem Angebot brauche mehr Schüler. Ob und in welchem Ausmass eine verstärkte Zusammenarbeit mit Pfäffikon möglich sei, ohne die Kanti Wattwil zu schwächen, prüfe er nun bis Ende Jahr. Die ersten Gespräche mit dem Kanton Schwyz hätten bereits stattgefunden. Die Toggenburger müssten aber auch zur Kenntnis nehmen, dass sich viele Rapperswiler seit Jahrzehnten eine eigene Kanti wünschten: «Wenn ich im Linthgebiet unterwegs bin, werde ich immer auf die Möglichkeit einer eigenen Kanti Linth angesprochen.» Diesen Wunsch könne man nicht einfach ignorieren. Politisch müsse man auf diesen Wunsch eine fundierte Antwort geben können. Diese Verhandlungen seien keine Alibiübung: «Wir suchen eine stabile Lösung, die zur Beruhigung der Situation im Linthgebiet beiträgt», so Stefan Kölliker. Bis im Frühling 2015 werde diese Klarheit herrschen. Klar sei aber auch, dass es keine Kanti Linth geben werde. «Die Regierung ist sich ihrer Sache völlig sicher. Der Standort Rietstein in Wattwil bietet alle Vorteile für einen Neubau, sofern dieser einer Sanierung vorgezogen wird.» Ebenfalls definitiv vom Tisch sei eine Aufteilung der Kanti in zwei eigene Standorte. Auch da hätten Gespräche mit Kanti-Rektor Martin Gauer und dessen Bericht schnell zu Klarheit geführt.

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