Palléas und Mélisande bis Zauberflöte

Das Ensemble Primavera von Martin Winiger liess am Samstag zumindest den Herbst etwas weniger düster angehen. Das Konzert in der Kantonsschule war aber schlecht besucht.

Michael Hug
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Spielten sich in die Herzen von zwei Dutzend Zuhörenden: Das Ensemble Primavera mit Katja Marty Knobel, Christoph Bürgi, Heiner Wanner, Roland Bamert und Martin Winiger (von links). (Bild: Michael Hug)

Spielten sich in die Herzen von zwei Dutzend Zuhörenden: Das Ensemble Primavera mit Katja Marty Knobel, Christoph Bürgi, Heiner Wanner, Roland Bamert und Martin Winiger (von links). (Bild: Michael Hug)

wattwil. Mit schöner Regelmässigkeit kehrt das Zürcher Oberländer Bläserensemble Primavera auch in Wattwil ein. Der Grund dürfte wohl darin liegen, dass eines seiner Mitglieder Martin Winiger heisst, seines Zeichens Musiklehrer an der Kantonsschule und Leiter der Kanti Big Band. Winiger ist im Quintett Klarinettist, daselbst gehören zum Ensemble auch eine Querflöte (Katja Marty Knobel), eine Oboe (Christoph Bürgi), ein Fagott (Roland Bamert) und ein Waldhorn (Heiner Wanner). Für gewisse Stücke setzt sich Pianist (Stefan Zindel) an den Flügel.

Die kleine Konzerttournée, die die Sechs innert einer Woche von Pfäffikon über Wattwil nach Schänis führt, ist heuer eine besondere. Es ist die Tournée zum 15jährigen Bestehen des Ensembles, das, im Übrigen, in dieser Zeit noch nie einen Besetzungswechsel erlebte. Eine Woche nach den Feierlichkeiten zum Jubiläum seiner Big Band liess sich Winiger also noch einmal in musikalischen Festtaumel fallen.

Musikalischer Festtaumel

Zum Geburtstagsthema nahm sich das Ensemble die Welt der Oper zur Brust. Allen voran gab man die Ouverture von Mozarts «Zauberflöte» zum besten. Gefolgt von vier Sätzen aus Gabriel Faurés Werk Palléas et Mélisande aus dem Jahr 1902. Spätestens an dieser Stelle liess das Gespielte triste bis dramatische Emotionen aufkommen. Förmlich spürbar war Palléas' Liebeskampf um Mélisande, die leider viel zu überstürzt einen anderen geehelicht hatte. Palléas stirbt durch die Hand des Gatten Golaud, noch bevor Mélisande ein Kind gebärt.

Den Namen des Vaters des unglücklich geborenen Mädchens nimmt Mélisande ebenso ins Grab wie ihre verwehrte Liebe zu Palléas.

Emotional eingestimmt

Derart emotional eingestimmt, nahm das aufmerksame Publikum auch die verbleibenden vier Vorträge begeistert entgegen. Drei Sätze aus Giulio Briccialdi für Bläser geschriebene Quintuor op.124 nahm es ebenso erleuchtet auf wie die vier Sätze aus der «Petit Suite» von Claude Debussy nach der Pause.

Während Stefan Zindel bis anhin nur bei Fauré mitgewirkt hatte, sass er nun bis zum Schluss am Flügel und gab dem verbleibenden Vortrag eine besondere Note. Es folgten Otto Nicolais Norma Fantasie op. 25 und als Zugabe das spritzige «Chanson bohémienne» von Georges Bizet. Das Publikum – leider nur etwa zwei Dutzend Zuschauende – bedankte sich herzlich für den frühlingshaft-dramatischen Abend im draussen tosenden Herbst.