Packen wir es ein

Es gibt eine kollektive Männerverschwörung: Die Männerwelt hat beschlossen, sich niemals um Geschenke, schon gar nicht um Weihnachtsgeschenke, zu kümmern.

Monika Egli
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Bild: Monika Egli

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Es gibt eine kollektive Männerverschwörung: Die Männerwelt hat beschlossen, sich niemals um Geschenke, schon gar nicht um Weihnachtsgeschenke, zu kümmern. Dieser Part ist an die bessere Hälfte delegiert («Du hast immer so originelle Ideen und machst die schönsten Päckli»). Damit ist für die Männer die Sache erledigt, selbst die Ohren sind auf Durchzug gestellt. Ob man nun darlegt, man wolle für die Schwägerin eine wunderbare Tischdecke mit Spitzenapplikationen kaufen oder eine Gruppe Plüsch-Eichhörnchen, die auf Knopfdruck «Merry Christmas» krähen, es heisst stets lapidar: «Das wünscht sie sich schon lange. Du machst das wunderbar.»

Wie konnte es nur so weit kommen? Daran sind wir Frauen nicht unschuldig. Überlegen wir einmal, was man uns auf keinen Fall schenken darf. Gutscheine: Wir nehmen sie zwar, aber mit einem gequälten Lächeln, denn tief innen denken wir, er hätte sich etwas Persönlicheres einfallen lassen können. Haben wir nicht das ganze Jahr hindurch mit Freudenrufen auf hundert Auslagen gezeigt? Haushaltgeräte: Dass Mixer, Toaster und Staubsauger ein absolutes No-Go sind, darüber herrschen keine Zweifel, das haben wir klar kommuniziert. Schönheitsmittel: Die reinsten Fallstricke, Frauen stürzen darob nicht selten in ein depressives Loch («Du findest also, dass ich dringend etwas gegen meine Falten unternehmen sollte?»). Ein Abo für den Pilateskurs, den wir schon seit einem halben Jahr besuchen: Es droht Explosionsgefahr («Sag es nur, in Deinen Augen bin ich zu dick und zu schwammig!») – Weihnachten ist im Eimer. Schmuck: Er muss glitzern und glänzen und wertvoll sein. Wir wollen ihn lieber selber auslesen, er soll ja für den Rest des Lebens vor allem uns gefallen («Weisst du immer noch nicht, dass ich eine Silberallergie habe?»).

Kein Wunder, sind Männer im Angesicht drohender Geschenke-Einkäufe so verunsichert, dass sie nicht einmal mehr in der Lage sind, einen Schal für die Grossmutter zu kaufen. Das haben wir uns selber eingebrockt, also packen wir es ein – äh, an. Und das bitte schon bald, nicht erst am 23. Dezember.