Ehemaliges Pächterhaus in Speicher kommt unter den Hammer

Die Gemeinde Speicher schreibt das Haus «Vorderer Flecken 1» zur Gant aus. Dies, um sich keiner Kritik auszusetzen. Ein Mindestgebot gibt es bislang noch nicht.

Astrid Zysset
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Das ehemalige Pächterhaus steht an schöner Lage mitten im Grünen. Es ist aber in einem baulich schlechten Zustand. Bild: Astrid Zysset

Das ehemalige Pächterhaus steht an schöner Lage mitten im Grünen. Es ist aber in einem baulich schlechten Zustand. Bild: Astrid Zysset

Das ehemalige Pächterhaus «Vorderer Flecken 1» in Speicher wird öffentlich versteigert. Für Gemeindepräsident Paul König ist es die «neutralste Variante», die gemeindeeigene Immobilie abzustossen. Verschiedene Varianten, wie der Verkauf abgewickelt werden sollte, wurden geprüft. «Eine Gant erschien uns am sinnvollsten. Denn die Gefahr, einen Käufer zu begünstigen, besteht hierbei nicht.» Will heissen: Würde das Haus regulär zum Verkauf ausgeschrieben und mehrere identische Angebote gingen ein, müsste der Gemeinderat eine Entscheidung fällen. «Diese könnte aber, auch mit objektiven Kriterien, als nicht gerecht empfunden werden. Und das könnte zu Kritik führen», so König. Dieser wolle man sich nicht unnötigerweise aussetzen.

Einschränkungen, wer mitbieten darf, gibt es, neben den gesetzlichen, nicht. Solche gibt es jedoch betreffend der Frage, was der neue Besitzer dort überhaupt erstellen darf.

Das Interesse an dem Haus ist gross

Die Bausubstanz des ehemaligen Pächterhauses ist schlecht, ein sofortiger Einzug nicht möglich. Sogar eine Renovation erachtet der Gemeindepräsident als wenig sinnvoll. «Das Gebäude müsste abgerissen und ein Neubau erstellt werden. Das wäre wohl die kostengünstigste Variante.» Das Haus «Vorderer Flecken 1» war Teil des gemeindeeigenen Landwirtschaftsbetriebs «Schönenbüel» und befindet sich auf einem abparzellierten, 966 Quadratmeter grossen Grundstück in der Landwirtschaftszone. Was dort neu gebaut werden darf, ist genau geregelt. Eine Vergrösserung des Stalles ist nur beschränkt möglich. Genauso wie eine Veränderung der Kubatur des Wohnhauses. Dafür befindet sich das Haus «an einem der schönsten Plätze der Gemeinde», so König. Er selbst habe schon Ideen und Visualisierungen gesehen, was dort entstehen könnte. «Ein schönes Bauernhaus ohne Bauernbetrieb an schönster Lage – das ist es, was den meisten wohl vorschwebt, dort zu erstellen.» Eine scheinbar attraktive Idee, denn das Interesse an der Liegenschaft ist gross.

Dass die neuen Besitzer noch viel investieren müssen, beeinflusst aber den Preis. Ein Mindestgebot gibt der Gemeinderat noch nicht bekannt. Erst wolle man die Frist zur Ergreifung des fakultativen Referendums abwarten. Diese läuft noch bis zum 23. September. Der Verkaufspreis dürfte aber irgendwo zwischen 430000 und 1,1 Millionen Franken liegen. Hätte der Gemeinderat mit einem Preis über 1,1 Millionen gerechnet, würde der Entscheid zum Verkauf dem obligatorischen Referendum unterstehen. Im Amtsblatt vom 27. September werden detailliertere Instruktionen zur Gant ausgeschrieben. Die Versteigerung selbst findet voraussichtlich am 30.Oktober statt.

Entscheid zur Veräusserung steht schon lange fest

Den Entscheid, das Haus zu veräussern, hatte der Gemeinderat bereits Anfang dieses Jahres gefällt. Wie der Verkauf aber vonstattengehen sollte, darüber herrschte lange Unklarheit. Unter anderem wurde eine Immobilienfirma zur Beratung zugezogen. Für die Gemeinde ist das Haus schon länger nicht mehr relevant. Bewohnt wurde es einst von den Pächtern des nahe gelegenen Landwirtschaftsbetriebs und gehörte zum damaligen Altersheim. Letzteres gibt es schon lange nicht mehr, und für den Bauernbetrieb wurde ein Neubau erstellt. Der Nettoerlös der Versteigerung würde dem ausserordentlichen Ertrag zugewiesen.