Osterne Föfi nomol

Brosmete

Emanuel Steiner
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«Wäsch liäbä Emanuel, es isch scho schö, wenns schö isch ond schö bliebt», sagte mein Freund Beaujolaisnach einer mehrminütigen Schweigeminute gestern. Unsere Blicke waren vernebelt, aber nicht wegen des feinen Skiwassers an der Skibar oder wegen der drückenden Skischuhe, sondern wegen des Nebel, welcher den Blick auf die Giand’Alvas verhinderte. Im Gegensatz zu vielen anderen hatten wir keinen Stau vor der Verladestation. Die Hüttenwartin hatte jede Menge Zeit für uns und schenkte ständig nach. Ich holte tief Luft und durchbrach die Stille des Pistenbullygeräuschs mit den Worten: «Wenn ich nur ein Piz Kesch hätte, würde ich nach St. Moritz ziehen. Mit einer Bernina Nähmaschine würde ich dann die Startnummern nähen für den Skimarathon und mit einem grossen Zernez Her- und Goldringe fischen im Silsersee.»

Beaujolais erwiderte nur, dass von Mai bis Juli das Engadin ausgestorben ist, wie das Restaurant Ospiz auf dem Flüelapass am Silvester. «Das spiele keine Rolle», meinte ich, dann hätte ich endlich Zeit, um etwa 132 Brosmete vorzuschreiben, damit ich nicht immer um Fünf vor Zwölf auf den letzten Drücker der Redaktion die Zeilen zukommen lassen müsste. Der neue Kobler bei der Zeitung ist ein Fuchs und der Druck wird grösser. Es kann verglichen werden, wie der Unterschied zwischen einem Kaffeerähmli auf der Hundwiler Höhe und eines auf der Diavolezza oben. Beaujolais zerschlug aber mein Vorhaben, wie wenn man mit einem Vorschlaghammer Eier «tötscht». Überhaupt würde er erstens nie im Leben den Engadin Skimarathon unterstützen und zweitens keine Fische aus dem Silsersee essen. Auf meinen ahnungslosen Blick hin erklärte er mir, dass die 14000 Langläufer etwa 84000 Kubikmeter Wachs an die Skis kleben. Das meiste werde dann durch den kampfartigen Laufstil und dem Eis auf den Seen abgeschabt. Er sei sich nicht ganz sicher, aber mit höchster Wahrscheinlichkeit habe Skiwachs nicht die gleichen Nährwerte wie ein Regenwurm. Zudem kommt, dass Fischen der zweit langweiligste Zeitvertreib sei. Der Langweiligste ist, einem Fischer zuzusehen

Schockiert über die Aussage meines Freundes schaute ich zum Himmel, der wegen des Nebels bereits zwei Meter weiter oben anfing und schüttelte den Kopf. Oh Nebelmeer, ich kann nicht mehr.

Emanuel Steiner