Ortsplanungsrevision
«Das hilft uns, die Gemeinde aus dem Korsett zu befreien»: In Walzenhausen steht fest, wo ausgezont werden soll

Im teilrevidierten Zonenplan der Vorderländer Gemeinde ist das Baugebiet um 4,7 Hektaren reduziert worden. Der Gemeinderat hat dazu 62 Vereinbarungen mit Grundeigentümern abgeschlossen.

Jesko Calderara
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Von allen sieben betroffenen Gemeinden in Ausserrhoden muss Walzenhausen mit 4,4 Hektaren am meisten Bauland auszonen.

Von allen sieben betroffenen Gemeinden in Ausserrhoden muss Walzenhausen mit 4,4 Hektaren am meisten Bauland auszonen.

Bild: Benjamin Manser

Nach dreieinhalb Jahren Arbeit an der Ortsplanungsrevision ist es ein erster Meilenstein: Ab Montag liegt in Walzenhausen der teilrevidierte Zonenplan öffentlich auf. Dieser dürfte noch einiges zu reden geben. Er zeigt nämlich auf, wo die Bauzonen um die geforderten 4,4 Hektaren verringert werden sollen. Diese sind gemäss dem kantonalen Richtplan auf den Bedarf für die nächsten 15 Jahre auszurichten. Nebst Walzenhausen müssen auch Wald, Trogen, Hundwil, Schwellbrunn, Schönengrund und Wolfhalden Bauland auszonen.

Michael Litscher ist Gemeindepräsident in Walzenhausen.

Michael Litscher ist Gemeindepräsident in Walzenhausen.

Bild: PD

Insgesamt konnte der Gemeinderat Walzenhausen bereits 62 Vereinbarungen mit Grundeigentümern abschliessen. Gemeindepräsident Michael Litscher betonte am Montagabend vor den 25 Anwesenden an der öffentlichen Versammlung in der Mehrzweckanlage:

«Das hilft uns, die Gemeinde aus dem Korsett zu befreien.»

Auf diese Weise konnte eine Fläche von rund drei Hektaren gesichert werden, die nun dem Nichtbaugebiet zugewiesen wird. In einem weiteren Teil der Vereinbarungen haben sich Besitzer von Grundstücken schriftlich verpflichtet, diese zu überbauen. Davon betroffen sind 2,7 Hektaren Bauland.

Auszonungen in allen drei Ortsteilen

Unter dem Strich sieht der Zonenplan Auszonungen von 4,7 Hektaren vor. Das sind 0,3 Hektaren mehr als gefordert. Dies sichere der Gemeinde den Handlungsspielraum für eine künftige Entwicklung, sagte Litscher. Eine solche soll es bis 2040 in allen drei Ortsteilen Dorf, Platz und Lachen geben.

Zu einer ganzheitlichen und zukunftsgerichteten Ortsplanung gehört auch das gesetzlich vorgeschriebene Thema Innenentwicklung. Um eine solche in Walzenhausen zu realisieren, wird beispielsweise im Zentrum eine Parzelle neu dem Baugebiet zugewiesen. Dadurch wird dort eine Überbauung ermöglicht. Andernorts hat es Um- und Aufzonungen gegeben, etwa an gut erschlossenen und geeigneten Lagen. Dabei wurde geachtet, welche Nutzung vor Ort dominiert. Das Gebiet Almendsberg etwa ist heute der Wohn- und Gewerbezone zugeordnet. Weil dort aber vorwiegend Wohnhäuser stehen, liegen die Parzellen künftig in der Wohnzone.

Die Verkleinerung des Baugebiets erfolgt ebenfalls in allen drei Dorfteilen, wie Alex Müller vom Planungsbüro Strittmatter Partner AG erklärte. Dabei kamen verschiedene Kriterien zur Anwendung. Ins Nichtbaugebiet überführt werden Flächen, die aus topografischen Gründen zum Bauen ungeeignet oder nicht verfügbar sind. Als Beispiel erwähnte Müller das Gebiet Sonnhalde in der Lachen. Dieses wird ausgezont, weil die Erschliessung nicht sichergestellt ist. Darüber hinaus werden Verkehrsflächen gemäss dem revidierten Baugesetz neu ausgeschieden.

Referendum könnte ergriffen werden

Die Auflagefrist des Zonenplans läuft vom 29. März bis zum 27. April. In dieser Zeit können Einsprachen eingereicht werden, die der Gemeinderat bis im Herbst behandeln will. Im November und Dezember unterliegt der Zonenplan dem fakultativen Referendum. Von mehreren Seiten wurde dieses bereits in Aussicht gestellt, womit wohl im Frühling 2022 die Stimmberechtigten an der Reihe sein könnten.

Bei einer Zustimmung zur Vorlage muss anschliessend der Regierungsrat allfällige Rekurse behandeln sowie den Richtplan und den Zonenplan der Gemeinde Walzenhausen genehmigen. Erst wenn Letzterer rechtsgültig in Kraft tritt, könnten Eigentümer, welche von Auszonungen betroffen sind, Entschädigungsforderungen stellen. Anders sieht die Situation aus, falls es an der Urne ein Nein geben wird. Michael Litscher sagte dazu:

«In diesem Fall sind alle getroffenen Vereinbarungen hinfällig.»