Ortsdurchfahrt Teufen
IG Tüüfner Engpass äussert sich zur Korridorstudie: «Alle juristischen Mittel werden in Betracht gezogen»

Die Korridorstudie, welche das Bundesamt für Verkehr Ende September vorstellte, belegt die Notwendigkeit der Doppelspur durch Teufen. Die IG Tüüfner Engpass bekämpft diese Verkehrslösung seit Jahren. Sie erachtet die Studie als «tendenziös».

Astrid Zysset
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Bei der Doppelspur-Lösung ist vorgesehen, dass sich die Züge der Appenzeller Bahnen in den Strassenverkehr eingliedern.

Bei der Doppelspur-Lösung ist vorgesehen, dass sich die Züge der Appenzeller Bahnen in den Strassenverkehr eingliedern.

Bild: David Scarano

Die Antwort der IG Tüüfner Engpass liess auf sich warten. Doch nun liegt sie vor, und sie hat es in sich. «Tendenziös» sei die Korridorstudie, welche das Bundesamt für Verkehr (BAV) Ende September den Medien und der Öffentlichkeit präsentierte. Die Studie belegt die Notwendigkeit einer Doppelspur durch Teufen. Eine Verkehrslösung, welche die IG seit Jahren vehement bekämpft. Dementsprechend deutlich äussert sie sich am Sonntag in einer Medienmitteilung; auf Ungereimtheiten sei die IG bei ihrer Analyse der Studie gestossen. Die Kernaussage sei zudem differenziert zu prüfen. So schreibt die IG:

«Es gibt vielleicht keine bessere Lösung als eine Doppelspur – aber eben auch einige Varianten, die durchaus gleich gut sind. Diese Erkenntnis wurde bei der Präsentation elegant unterschlagen.»
Felix Gmünder, Sprecher der IG Tüüfner Engpass.

Felix Gmünder, Sprecher der IG Tüüfner Engpass.

Bild: Archiv

IG-Sprecher Felix Gmünder spricht auf Anfrage von zwei Punkten, für welche sich die IG einsetzen will: eine Tunnellösung und ein Mitbestimmungsrecht. Um diese zu erreichen, wolle man «alle politischen und juristischen Hebel in Bewegung setzen». Welche Schritte genau geplant sind, ist derzeit noch offen. Die sogenannte Doppelspur-Initiative, welche die IG 2019 einreichte, ist mittlerweile beim Bundesgericht hängig. Und auch die zweite Initiative, welche eine Abstimmung über einen Objektkredit für einen einspurigen Bahntunnel zwischen Bahnhof und Stofel fordert, ist noch nicht vom Tisch. Der Teufner Gemeinderat unterzieht sie demnächst der materiellen Prüfung. Beide Entscheide will die IG abwarten, bevor sie rechtliche Schritte gegen die in der Korridorstudie festgehaltene Vorzugsvariante prüft.

Argumentation gegen Tunnel kann IG nicht nachvollziehen

Doch kann sie überhaupt weiter auf eine Tunnellösung pochen? Rückblick: Vergangenen Herbst hätte eigentlich eine Abstimmung über einen Projektierungskredit für einen Bahntunnel zwischen Bahnhof und Stofel stattfinden sollen. Doch der Kanton veranlasste, dass diese kurzerhand abgesagt wurde, da nur mit einer Doppelspur die Anschlüsse an den Fernverkehr in St.Gallen sichergestellt werden können. Eine Tunnellösung wurde damals aufgrund des Angebotskonzeptes 2035 verworfen. Und jetzt soll eine Tunnellösung doch wieder weiterverfolgt werden? «Ja», sagt Gmünder. Denn die Argumentation, dass nur mit der Doppelspur der Fahrplan eingehalten werden könne, glaubt die IG schlicht und einfach nicht. Bei den aktuellen Standzeiten in St.Gallen hätte es noch ausreichend Spielraum, um die Verkehrslösung flexibler zu gestalten.

Mehrkosten seien für Teufen verkraftbar

Als favorisierte Tunnellösung erachtet die IG ein Einspurtunnel. Aus betrieblicher Sicht wäre in ihren Augen anschliessend am besten eine Doppelspur zwischen Stofel und Sternen. Dies allerdings wäre eine kostspielige Lösung. Darum würde sie auf die Doppelspur verzichten. Die Kosten für diesen Einspurtunnel belaufen sich gemäss Studie auf 79,3 Millionen Franken. Abzüglich der 45 Millionen für die Doppelspur müsste Teufen rund 35 Millionen Franken selbst beisteuern. Ein Betrag, der gemäss Gmünder für den Gemeindehaushalt verkraftbar wäre. Zudem hätte das BAV in Gesprächen in Aussicht gestellt, dass in der Finanzierung noch ein Spielraum bestünde, so der IG-Sprecher weiter.

Verkehrssicherheit bei Tunnellösung am höchsten

Ein Tunnel sei für Teufen die beste Lösung, ist die IG überzeugt. Dies vor allem aufgrund der Verkehrssicherheit. Gmünder: «Die Doppelspur hat sich in vielen Köpfen festgesetzt. Dabei muss man nur mal genau betrachten, wie prekär die Verkehrssituation mit dem Zug bereits jetzt ist.» Aber auch bezüglich Schutz des Ortsbilds, der Erreichbarkeit von Läden und Gaststätten, oder in puncto Lebensqualität im Dorf sei die Tunnellösung weiterzuverfolgen. «Es kann nicht sein, dass die Anliegen Teufens nicht berücksichtigt werden. Unsere Verkehrsführung kann nicht einfach das BAV bestimmen.» Die IG setzte sich am vergangenen
10. Februar bereits einmal mit dem BAV zusammen. Damals sei ihnen in Aussicht gestellt worden, dass sie Einblick in die Korridorstudie noch vor der Veröffentlichung bekämen. Gemäss Gmünder sei dies nicht passiert. Und auch die Meinung der Gemeinde hätte man nie abgeholt. «Wir Teufner wären von der Doppelspur am meisten tangiert und die Dorfbewohner wünschen sich deshalb ein Mitbestimmungsrecht.»

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