Ortsdurchfahrt Teufen
«Ich hoffe, dass wir mit dem Projekt jetzt endlich starten können:» Ergebnisse der Korridorstudie der Appenzeller Bahnen liegen vor

Lange wurde sie erwartet: Heute hat das Bundesamt für Verkehr dargelegt, welche Infrastrukturausbauten auf der Strecke der Appenzeller Bahnen zwischen Appenzell, St.Gallen und Trogen notwendig sind, um die Fahrplanstabilität zu gewährleisten. Die sogenannte Korridorstudie belegt auch die Notwendigkeit einer Doppelspur in Teufen.

Astrid Zysset
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Die Doppelspur sieht vor, dass sich die Züge der Appenzeller Bahnen in den Strassenverkehr eingliedern.

Die Doppelspur sieht vor, dass sich die Züge der Appenzeller Bahnen in den Strassenverkehr eingliedern.

Bild: David Scarano

Die Korridorstudie liegt vor. Und diese besagt: Um die Züge der Appenzeller Bahnen (AB) bestmöglich ins nationale Fahrplannetz einzubetten, braucht es in Teufen eine Doppelspurlösung. Landammann Dölf Biasotto, Vorsteher Departement Bau und Volkswirtschaft, sprach am Mittwochnachmittag im Lindensaal vor den Medien davon, dass er froh sei, dass die Studie nun vorliegt. «Viele Varianten wurden geprüft. Der Regierung ist es wichtig, dass das Resultat breit abgestützt ist. Und das ist es. Jetzt können wir vorwärtsmachen.»

Genau genommen hat das BAV 26 Varianten zum Ausbau der Bahnstrecke zwischen Appenzell, St.Gallen und Trogen geprüft. Acht betrafen die Strecke St.Gallen-Trogen, 18 diejenige zwischen St.Gallen und Appenzell. Bei Letzterer hätte es alleine 13 Möglichkeiten mit einem ein- und doppelspurigen Tunnel gegeben. Alle wurden unter der Prämisse begutachtet, dass die Fahrplanstabilität gegeben ist. Zudem müssen attraktive Verbindungen an den Fernverkehr möglich sein.

Der Teufner Tunnel ist vom Tisch

Herauskristallisiert hat sich eine Vorzugsvariante, nämlich die Doppelspur. Die Korridorstudie hatte das Bundesamt für Verkehr (BAV) in Auftrag gegeben. Für Anna Barbara Remund, Abteilungsleiterin Infrastruktur des BAV, sprachen vor allem zwei Punkte gegen eine Tunnellösung. Einerseits würde bei einem Langtunnel die Haltestelle Stofel wegfallen. Und eine Verschlechterung des Fahrplanangebotes wolle man nicht gutheissen. Andererseits bräuchte es bei einer einspurigen Streckenlösung zwingend eine Kreuzungsmöglichkeit zwischen Sternen/Stofel und Bahnhof Teufen, um die Anschlüsse in St.Gallen sicherzustellen. Alles andere sei nicht bewilligungsfähig. Remund:

Anna Barbara Remund, Abteilungsleiterin Infrastruktur des Bundesamtes für Verkehr.

Anna Barbara Remund, Abteilungsleiterin Infrastruktur des Bundesamtes für Verkehr.

Bild: Sandra Ardizzone / AGR
«Nur die oberirdische Doppelspur Stofel bis Bahnhof Teufen erfüllt die Kriterien, die für eine Finanzierung des Bundes über den Bahninfrastrukturfonds massgebend sind.»

Die Studie belegt weiter zwar eine bauliche Machbarkeit eines doppelspurigen Tunnels, doch würde dieser mit rund 120 Millionen Franken zu Buche schlagen. Mehr noch: Bei der Haltestelle Strahlholz müsste eine Kreuzungsstelle geschaffen werden, die mit zusätzlichen Aufwendungen von 15 Millionen Franken veranschlagt ist. Biasotto betonte an der Medienkonferenz allerdings, dass dies Kostenschätzungen sind mit einer Abweichung von +/- 40 Prozent.

Einen Tunnel gibt es für Speicher

Die grösste Überraschung der Studie findet sich allerdings nicht in Teufen, sondern in Speicher. Dort wird die Vögelinsegg unterquert. Grund sind die Anschlusszeiten an den Fernverkehr in St.Gallen. Diese können gemäss Remund mit der jetzigen Infrastruktur nicht gewährleistet werden. Mit einem Tunnel allerdings resultiert eine Fahrzeitverkürzung von drei Minuten, mit welcher das fristgerechte Umsteigen in St.Gallen sichergestellt werden könne.

IG will Studie im Detail prüfen

Speicher ist also diejenige Gemeinde, welche einen Tunnel bekommt. Teufen erhält eine Doppelspur. Doch kehrt damit Ruhe ein? An vorderster Front gegen die Doppelspur in Teufen kämpft die IG Tüüfner Engpass. Mitglied Jakob Brunnschweiler war an der Medienkonferenz zugegen und bemängelte, dass nur das Fahrplankriterium und nicht etwa ortsbildliche oder sicherheitsspezifische Fragen begutachtet wurden. Eine offizielle Stellungnahme zum Resultat der Korridorstudie gab die IG allerdings noch nicht ab. «Wir werden die Studie nun im Detail prüfen», so Brunnschweiler.

Alt Regierungsrat Jakob Brunnschweiler ist Mitglied der IG Tüüfner Engpass.

Alt Regierungsrat Jakob Brunnschweiler ist Mitglied der IG Tüüfner Engpass.

Bild: Archiv
«Erst danach werden wir einen Entschluss fassen, ob wir mit dem Resultat leben können oder nicht, und diesen auch öffentlich kundtun.»

Im Kampf gegen die Doppelspurlösung pochte die IG auf eine Abstimmung über dieselbe und reichte im November 2019 die sogenannte Doppelspur-Initiative ein. Diese wurde vom Gemeinderat für ungültig erklärt und ist mittlerweile beim Bundesgericht hängig. Und auch die zweite Initiative, welche eine Abstimmung über einen Objektkredit für einen einspurigen Bahntunnel zwischen Bahnhof und Stofel fordert, ist noch nicht vom Tisch. Wie Gemeindepräsident Reto Altherr aber ausführte, werde noch während der kommenden Herbstferien anlässlich einer ausserordentlichen Gemeinderatssitzung die materielle Prüfung dieser Initiative vorgenommen.

Hoffen auf ein Ende des jahrelangen Hin und Hers

Trotz dieser Stolpersteine, die noch nicht aus dem Weg geräumt sind, soll es nun vorwärts gehen. Die Ergebnisse der Korridorstudie sind für die AB bindend, will heissen: Die Arbeiten zur Umsetzung der Doppelspur werden vorangetrieben. Wie AB-Direktor Thomas Baumgartner ausführte, würden die Pläne bereits im ersten Halbjahr 2022 aufgelegt werden.

Biasotto appellierte am Mittwochnachmittag noch an die Gegner der Doppelspur, dass jene nicht erneut Rechtsmittel gegen den Entscheid ergreifen sollen. «Ich hoffe, dass wir mit diesem Projekt, welches auch der Bund als besten Weg erachtet, jetzt endlich starten können.» Sollte es zu weiteren Verzögerungen kommen, seien in Teufen Not- und Sicherheitsmassnahmen umzusetzen, da der jetzige Zustand «unhaltbar» sei. Die Frage, wie die Züge der AB Teufen passieren sollen, ist seit den 1990er-Jahren Streitpunkt in der Gemeinde.

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